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Wie viele gleichgroße Plakate passen nebeneinander auf die Litfaßsäule? Valentin und sein Vater rechnen nach.

Math-Trails

Frankfurt: Bei den „Math-Trails“ rechnend über die Fressgass

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Familien begeben sich in der Frankfurter Innenstadt auf Mathematik-Pfade. Didaktiker an der Goethe-Universität haben eine App entwickelt.

Frankfurt – Mit dem ausgeklappten Zollstock in den Händen streckt sich Leon an der Litfaßsäule hinauf. Was für verwunderte Blicke der Umstehenden an der Alten Oper sorgt, ist Teil einer Mathematikaufgabe bei den „Math-Trails“ (Mathematik-Pfade), die am Samstag von einem Team der Goethe-Uni am Goetheplatz angeboten werden. Mit einer an der Uni entwickelten Applikation für Handys navigieren sich die Teilnehmer selbst durch die Innenstadt und versuchen praxisnahe, mathematische Fragen an versteckten Orten zu lösen.

Der zwölfjährige Leon misst die Länge der Litfaßsäule und mit einem Maßband deren Umfang, während Großvater Michael von Moller auf einem Klemmbrett die Zahlen notiert. „Den Umfang misst du gerade noch mal“, sagt der Opa. „Es kommt offensichtlich auf Präzision an“, sagt er. Bei der vorherigen Aufgabe, als die Schuhgröße der Skulptur der „Liegenden“ auf der Freßgass ermittelt werden sollte, und der Opa großzügig abrundete – nachdem der Enkel genau gemessen habe – sei ihm das klar geworden.

Siebtklässler Leon sagt zu seinem Lieblingsfach: „In Mathe gibt es richtig oder falsch und man kann keine Ausreden suchen.“ Nach einem Anruf von Leons Mutter, die mit seiner Schwester gerade auf einem Tennisturnier ist, liest der 76-Jährige auf seinem Smartphone vor: „Wie viele DIN-A0-Plakate kann man hochkant und überschneidungsfrei an dieser Litfaßsäule anbringen?“. Gemeinsam tüfteln Enkel und Opa die Lösung aus und werden dann weiter zu einem Kirschbaum hinter der Oper geleitet. Hier soll errechnet werden, wie viele Steine auf dem Kopfsteinpflaster darunter sind. Nach einer handvoll Aufgaben scheint diese zu knifflig für Leon zu sein, der lieber anfängt, zu zählen als zu rechnen, aber zu keinem Ergebnis kommt.

Vier unterschiedlich schwierige Pfade

Mathe-Professor Matthias Ludwig hat sich die Aufgaben mit seinem wissenschaftlichen Team ausgedacht. Dazu gehört auch Simone Jablonski. Die 26-jährige Doktorandin steht am Goetheplatz und empfängt die rechenfreudigen Teilnehmer. Vier unterschiedlich schwierige Pfade haben die Mathematiker konzipiert, für Schülerniveaus von der dritten bis zu zehnten Klasse. „Nach sechs Aufgaben merkt man, dass man Mathe gemacht hat“, sagt Jablonski und lacht. „Die Idee Mathe draußen zu machen, ist alt und gibt es schon seit den 80er Jahren“, berichtet sie. Neu sei, die „Lebenswelt der Schüler aufzugreifen“ und nicht wie im Buch abstrakte Aufgaben à la „Max kauft 35 Wassermelonen zu drei Euro“ zu stellen.

Mit einem Pappbecher fängt die zwölfjährige Michelle an einem Wasserspender auf der Freßgass Flüssigkeit auf, während Vater Thomas Wirz die Zeit stoppt. Danach trinkt die Siebtklässlerin einen Schluck. Gemeinsam versuchen Tochter und Vater, „den Fluss zu bestimmen, mit dem das Wasser aus dem Trinkwasserspender fließt“. Wirz sagt: „Die Formulierungen finde ich manchmal etwas schwierig.“ „Cool und sehr originell“, findet seine Tochter die Zahlenpfade.

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