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So soll der Digitalpark Fechenheim, der im Osten Frankfurts entsteht, einmal aussehen. Rechts: das frühere Hauptgebäude des Versandhändlers Neckermann. Visualisierung: Interxion/Drees&Sommer
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So soll der Digitalpark Fechenheim, der im Osten Frankfurts entsteht, einmal aussehen. Rechts: das frühere Hauptgebäude des Versandhändlers Neckermann. Visualisierung: Interxion/Drees&Sommer

Neckermann-Areal

Frankfurt: Rechenzentren im Baudenkmal

  • Christoph Manus
    VonChristoph Manus
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In Frankfurt ist der Grundstein für einen riesigen Digitalcampus auf dem früherem Neckermann-Areal gelegt worden. Neu genutzt wird auch das denkmalgeschützte Hauptgebäude.

Neun Jahre nach dem Aus für Neckermann haben auf dem Areal des früheren Versandhändlers in Frankfurt die Arbeiten für einen riesigen Rechenzentren-Campus begonnen. Bis 2030 sollen im weithin sichtbaren denkmalgeschützten einstigen Hauptgebäude an der Hanauer Landstraße und in Neubauten nach und nach elf Rechenzentren mit einer IT-Fläche von 100 000 Quadratmetern und eine IT-Kapazität von bis zu 200 Megawatt entstehen.

Abrissarbeiten und die Entkernung des von Egon Eiermann entworfenen 60 Meter langen Riegels laufen bereits. Die ersten beiden Rechenzentren sollen nach einem bei der Grundsteinlegung präsentierten Zeitplan Ende 2022 fertig sein.

Interxion spricht von einer Milliardeninvestition

Der Rechenzentren-Betreiber Interxion, der den zentralen Teil des früheren Neckermann-Geländes Anfang 2020 erwarb, spricht von einer Milliardeninvestition. Rechenzentren seien das Rückgrat der digitalen Infrastruktur, sagte Volker Ludwig, Deutschland-Chef des Unternehmens. Angesichts der zunehmenden Digitalisierung werde die Nachfrage weiter wachsen. Mit dem Bau des Digitalparks Fechenheim werde das Unternehmen dieser Nachfrage gerecht. Er sprach von einem großen Tag für Interxion und für den Digitalstandort.

Schon jetzt ist Frankfurt der zweitgrößte Standort für Rechenzentren in Europa. Und die Stadt stellt sich darauf ein, dass die Nachfrage von Rechenzentren-Betreibern nach Standorten im Stadtgebiet noch kräftig steigen wird. Damit umzugehen, sei nicht einfach in einer Stadt mit knappen Flächen, sagte Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Mit einem neuen Plan werde die Stadt sehr klar aufzeigen, wo sich Rechenzentren ansiedeln können und wo nicht.

Das Areal

Das frühere Neckermann-Gelände an der Hanauer Landstraße im Osten Frankfurts ist gut 24 Hektar groß. Interxion hat im Februar 2020 eine 10,7 Hektar große Teilfläche erworben. Der andere Teil gehört einer Tochter der türkischen Sinpas-Holding. Dort haben sich etwa der Logistiker DB Schenker und der Spieleentwickler Crytek angesiedelt.

Der Versandhändler Neckermann war Anfang der 1960er Jahre auf das Gelände gezogen, dessen von Egon Eiermann entworfenes 256 Meter langes und 62 Meter breites Hauptgebäude heute denkmalgeschützt ist. Später wurde es aufgestockt und mit Anbauten versehen. Bis zu 4000 Menschen arbeiteten dort zeitweise.

Das Aus für das Unternehmen im Jahr 2012 kostete die damals noch etwa 2000 Beschäftigten ihre Jobs. Seitdem ist der größte Teil des Geländes ungenutzt. cm

Das Projekt von Interxion, das in Nähe des vom selben Unternehmen betriebenen Rechenzentren-Campus Ostend entsteht, bezeichnete Josef am Donnerstag als „Glücksfall für das Areal“. Nach Jahren des Leerstands gebe es nun auch für das frühere Hauptgebäude eine gute und zukunftsfähige Lösung. Das Vorhaben, das er als flächensparend, stadtverträglich und nachhaltig lobte, könne als Vorbild für künftige Rechenzentren dienen.

Die Fassade des früheren Neckermann-Gebäude erhält die frühere Farbigkeit

Die frühere Zentrale des Versandhändlers soll in Absprache mit dem Denkmalschutz weitgehend erhalten bleiben. Ziel sei es, wie Dirk Kahl, Associate Partner bei Drees & Sommer, erläuterte, das ursprüngliche Gebäude möglichst originalgetreu wiederherzustellen. „Wir schenken dem Gebäude ein zweites Leben“, sagte er in der ehemaligen Neckermann-Kantine, die in ihrer Raumstruktur erhalten bleiben soll. Dazu gehört auch, dass die Fassade des Eiermann-Baus wieder ihre früheren Farben erhält. Die Rede war von Blautönen sowie von roten und gelben Elementen.

Markus Harzenetter, Präsident des hessischen Landesamts für Denkmalpflege, lobte die Pläne. Das Eiermann-Gebäude sei ein sensationelles Baudenkmal, eine Ikone der Architekturgeschichte, sagte er. Er zeigte sich überzeugt, dass es gelingen könne, sich der hohen Qualität des später mit Aufstockungen und Anbauten versehenen Ursprungsgebäudes anzunähern.

Die Abwärme der Rechenzentren soll genutzt werden

Der riesige Energiebedarf der neuen Rechenzentren wird laut Interxion komplett mit Strom aus erneuerbaren Energien gedeckt. Einen Teil davon sollen Fotovoltaikanlagen liefern. Um die Büro- und Lagerräume zu beheizen, die auf 18 000 Quadratmetern im Eiermann-Gebäude Platz finden, soll die Abwärme der Rechenzentren genutzt werden. Die Rede war zudem von einer möglichen Einspeisung in Nah- und Fernwärmenetze.

So viele Menschen wie einst bei Neckermann werden auf dem Areal nicht mehr arbeiten. Interxion selbst will etwa 100 Arbeitsplätze schaffen. Etwa die selbe Zahl entstehe bei Kunden und Zulieferern, hieß es.

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