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Yusuf Yerkel (l.) tritt auf einen Demonstranten in Soma ein.
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Yusuf Yerkel (l.) tritt auf einen Demonstranten in Soma ein.

Frankfurt

Tretender Ex-Erdogan-Berater bekommt neuen Job in Frankfurt

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Yusuf Yerkel, der einst einen am Boden liegenden Demonstranten trat, soll Handelsattaché im türkischen Generalkonsulat werden. Das sorgt für Kritik.

Frankfurt - Die Bilder seines wutverzerrten Gesichts und seiner Tritte gegen einen am Boden liegenden Mann in Soma gingen um die Welt. Kurz nach dem Grubenunglück in der westtürkischen Stadt mit 301 Toten im Mai 2014 verlor Yusuf Yerkel, Berater im Dienste des damaligen türkischen Minister- und heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, völlig die Beherrschung. Mehrmals trat er auf Erdal Kocabiyik ein, der von zwei Polizisten auf die Straße gedrückt wurde.

Laut der türkischen Zeitung Sözcü wird Yerkel in den nächsten Wochen einen neuen Job bekommen. In Frankfurt, als Handelsattaché des türkischen Generalkonsulats. 6000 Euro soll er verdienen und viele weitere Extras erhalten, zählt Sözcü in seiner Onlineausgabe auf. Das Generalkonsulat äußerte sich auf FR-Anfrage nicht.

Turgut Yüksel, Landtagsabgeordneter der SPD, kritisiert die Berufung

Diese Berufung hat nicht nur Kritik der Opposition in der Türkei ausgelöst, sondern auch in Hessen. Der Frankfurter Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel (SPD) findet, es sei nicht hinzunehmen, dass jemand für die Handelsbeziehungen der Türkei hier in Frankfurt im diplomatischen Dienst eingesetzt wird, der skrupellos auf einen Angehörigen des Grubenunglückes in Soma eingetreten habe.

„Er steht in der Öffentlichkeit als Symbol für den politischen Umgang mit der Katastrophe von Soma“, sagt Yüksel. Er könne nur hoffen, dass durch die Ernennung die gute Zusammenarbeit des türkischen Generalkonsulats mit hessischen Behörden, Institutionen und Unternehmen keinen Schaden nehme.

Der Sprecher der republikanischen Volkspartei CHP, Faik Öztrak, twitterte: „Strom, Gas, Steuern werden auf unanständige Weise erhöht, aber bei einem aufs Volk eintretenden Palastberater läuft es wie geschmiert.“

Yusuf Yerkels Opfer bekam eine Haftstrafe von zehn Monaten mit Bewährung und eine Geldstrafe

Yerkel hatte sich nach dem Vorfall damals „wegen Schmerzen im Bein“ sieben Tage krankschreiben lassen. Sein Opfer, Erdal Kocabiyik, bekam keinen Job mehr in Soma und wurde zwei Jahre später zu einer Geldstrafe und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, weil er „öffentlichem Eigentum Schaden zugefügt hat“ – einem vorbeifahrenden Auto des Erdogan-Konvois.

Es dauerte vier Jahre bis sich Yusuf Yerkel öffentlich auf seinem Twitteraccount zu seinen Tritten äußerte und entschuldigte. Er und seine Familie hätten Todesdrohungen erhalten, und er sei wegen des Fotos zum Sündenbock des Unglücks gemacht worden, obwohl die Verantwortlichen die Soma-Holding gewesen sei. Er habe Kocabiyik angerufen und sich bei ihm persönlich entschuldigt, und dieser habe ihm verziehen.

Yerkels Opfer verzeiht ihm nicht: „Dieser Tritt war nicht nur gegen mich gerichtet, sondern gegen alle Bergarbeiter“

Erdal Kocabiyik berichtete damals in der Zeitung Cumhuriyeter sei nach der Veröffentlichung des Fotos auf die schwarze Liste gesetzt worden. Er habe, als er arbeitslos war, Yusuf Yerkel mehrfach anzurufen versucht und um Hilfe gebeten. Eine Antwort habe er nie erhalten. „Mit einem einzigen Telefonat ist es keine Entschuldigung“, sagte Kocabiyik. „Dieser Tritt war nicht nur gegen mich gerichtet, sondern gegen alle Bergarbeiter.“ (Timur Tinç)

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