Bienen nach dem Baumschnitt.

Naturschutz

Rauswurf der Bienen sorgt für Ärger in Heddernheim

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Ein Höhlenbaum in Heddernheim wurde zurückgeschnitten - das Bienenvolk darin musste umziehen. Laut Grünflächenamt ist alles korrekt gelaufen, Naturschützer ärgern sich dennoch.

Am Spielplatz hinter dem Heddernheimer Bunker hat das Grünflächenamt zwei Platanen stark zurückgeschnitten – Höhlenbäume, in denen Tiere gern nisten. Ein Bienenvolk war noch drin, als die Arbeiten losgingen. Das bewegt Naturschützer, doch die Behörde versichert: alles korrekt und unbedingt nötig.

Es ist ein typischer Fall für das ewige Abwägen zwischen den Bedürfnissen des Menschen und den Anliegen der Natur: Der Mensch möchte nicht, dass ein Stück Natur den anderen Menschen auf den Kopf fällt. Drum schneidet er möglichst rechtzeitig den Baum ab, eher er brüchig wird. Die Tiere hätten aber gern noch länger etwas vom Baum gehabt. Entschieden wird in diesen Konflikten immer nur von einem: dem Eichhörnchen.

Nein, kleiner Scherz. Es ist bekanntlich der Mensch, der alles entscheidet, was auf der Welt passiert, und das ist oft überhaupt nicht lustig. In Heddernheim entschied er: Da muss die Säge ran. Als die Baumstücke am Boden lagen, kam Ingolf Grabow, Vogel-, Baum- und Naturschützer, und ärgerte sich. Er hatte schon vor Tagen den Rückschnitt kritisiert: In den Baumhöhlen hätten noch Tiere brüten können. Jetzt kam hinzu: Ein Bienenvolk war wohnsitzlos geworden. Ihre Waben lagen auf dem Boden, ein Bienenschwarm daneben.

„Es ist absolut der falsche Zeitpunkt für derartige Rückschnitte an einem Höhlenbaum“, sagt Grabow. Erst vor kurzem hatte es in zwei Fällen junge Buntspechte im Stadtwald getroffen, die noch in gefällten Bäumen saßen, „und jetzt Bienen in Heddernheim!“ Grabow, Beauftragter der Vogelschutzwarte, ist der Auffassung, der Rückschnitt hätte noch Zeit gehabt, zumindest bis die Brutzeit vorüber ist: „Ein hohler Ast bricht nicht unmittelbar.“

Simone Jacob, stellvertretende Leiterin des Grünflächenamts, sieht es anders. „Wir kennen diesen Baum sehr gut“, sagt sie, „er war seit Jahren von einem Pilz befallen, dem Zottigen Schillerporling.“ Bei der Begutachtung Anfang April sei aufgefallen, dass der Baum in zwölf Metern Höhe nur noch acht Zentimeter Wandstärke gehabt habe, bei einem Durchmesser von 58 Zentimetern. „Das war bedenklich“, sagt Jacob. Der Baumgutachter habe dringend zum Beschnitt geraten. Weil im Baum jedoch ein belegtes Vogelnest gefunden wurde und der Kinderspielplatz ohnehin wegen Corona gesperrt war, hätten die Verantwortlichen gewartet, bis die Jungvögel flügge waren.

Erst als dies schließlich der Fall war und die Baumpflegefirma mit der Arbeit anfing, sei das Bienenvolk im Baum bemerkt worden. Das Grünflächenamt kontaktierte das Institut für Bienenkunde der Goethe-Universität in Oberursel, und die Fachleute eilten herbei, um die Bienen abzuholen. Sie brachten die Tiere zu einem Oberurseler Imker, der alsbald herausfand: Die Königin sei mit dabei, das Volk somit intakt. Einige Bienen blieben in Heddernheim zurück, das sei bei solch einer Aktion unvermeidlich, hieß es. Die Experten würden aber versuchen, noch so viele Tiere wie möglich abzuholen. Einstweilen wurde der Ort eingezäunt, um spielende Kinder von den übrigen Bienen fernzuhalten.

„Es ist wie so oft im Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Verkehrssicherheit“, sagt Simone Jacob. „Aus unserer Sicht ist aber alles korrekt gelaufen.“ Bei Sturm habe die Gefahr bestanden, dass die Baumkrone ausbreche.

Ingolf Grabow bleibt dabei, dass der Baumschnitt Aktionismus gewesen sei: „Das alles wäre vermeidbar, wenn der Baum während der Brut- und Vegetationszeit unberührt bliebe.“ Er hat längst ein weiteres Ärgernis ausgemacht: den Boden, auf dem Stadtbäume stehen müssen. Oft asphaltiert bis an den Stamm, etwa in den Wallanlagen oder am Fischerplätzchen. „Wie soll da der Baum Wasser bekommen, Luft für das Wurzelwerk?“

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