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Das Schaufenster eines Juweliergeschäfts. (Symbolbild)
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Das Schaufenster eines Juweliergeschäfts. (Symbolbild)

Justiz

Frankfurt: Juwelenraub und Mord - letztes Bandenmitglied steht vor Gericht

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Eine Bande aus fünf Räubern überfällt ein Juweliersehepaar und ermordet den Mann. Nun wird dem letzten Mitglied der Prozess gemacht.

Frankfurt - Iurie C. ist der letzte von Fünfen, der sich wegen eines tödlichen Raubüberfalls auf ein Griesheimer Juwelierehepaar im Oktober 2017 verantworten muss. Die Anklage vor dem Amtsgericht Frankfurt lautet unter anderem auf vollendeten und versuchten Mord.

Die Fünf hatten damals den Plan gefasst, die beiden wohlhabenden 78-Jährigen in ihrem Griesheimer Zweitwohnsitz auszurauben. Der Mann, dessen Idee der Überfall war, stand an jenem Tag vor dem Schmuckgeschäft Schmiere und informierte seine Komplizen, als das Ehepaar den Laden verlassen hatte. Die waren zwischenzeitlich über die Mauer in den Innenhof des Anwesens geklettert und erwarteten dort, hinter Mülltonnen versteckt, die Ankunft der Opfer.

Raubüberfall auf Juwelier in Frankfurt-Griesheim

Das Eheleute E. waren wohl vorsorgliche Menschen – das Haus war mit Alarmanlage, doppelten Sicherheitstüren und vergitterten Fenstern bestens gesichert. Zudem bewachte ein Schäferhund das Gelände, der dem Raubüberfall dann allerdings bloß beobachtend beiwohnte. Als die Frau die Alarmanlage ausgeschaltet und beide Haustüren aufgeschlossen hatte, schlugen die vier zu, drängten beide ins Hausinnere, fesselten sie und schlugen und traten auf sie ein.

Nun ist ein Raubüberfall niemals ein Höflichkeitsbesuch, aber das Ausmaß und die Sinnlosigkeit der Brutalität der Räuber sorgte damals für stadtweites Entsetzen. Die Frau überlebte schwerverletzt, der Mann wurde während des Überfalls in die Besinnungslosigkeit geprügelt – er starb kurz danach im Krankenhaus, ohne wieder zu Bewusstsein gekommen zu sein.

Frankfurt: Nachbarn des Juweliers bemerken den Raubüberfall

Nachbarn hatten den Überfall bemerkt und die Polizei informiert. Als die mit Sirenen anrückte, flüchteten drei der Räuber ins Obergeschoss, um dort aus den Fenstern zu springen – und sahen sich hinter dicken Gittern gefangen. Lediglich Iurie C. war damals so schlau, einen ebenerdigen Fluchtweg zu wählen. Zwei Wochen hielt er sich noch in Deutschland auf, dann flüchtete er nach Russland – wo er schließlich doch noch verhaftet und im August dieses Jahres nach Deutschland ausgeliefert wurde.

Der Rest der Bande ist längst verurteilt. Der Mann, der den Plan entworfen und vor dem Juwelierladen Schmiere gestanden hatte, wurde lediglich wegen Raubes zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Die restlichen drei wurden wegen Mordes verurteilt. Zwei der Täter waren Heranwachsende und erhielten Jugendstrafen von acht beziehungsweise achteinhalb Jahren.

Überfall auf Juwelier in Frankfurt-Griesheim wird zum Gewaltexzess

Der einzige Erwachsene machte wie auch seine Komplizen den damals noch flüchtigen Iurie C. für den Gewaltexzess verantwortlich, den er und die beiden jungen Männern ähnlich wie der Schäferhund lediglich fassungslos mitangesehen hätten. Dafür wurde er mit einer Art Kronzeugenbonus belohnt und nicht zu einer lebenslangen, sondern lediglich einer zwölfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Iurie C. zeichnet am Mittwochmorgen vor dem Landgericht ein ganz anderes Bild. Der 32-Jährige lässt durch seinen Anwalt ausrichten, er sei damals von dem Mastermind des Überfalls, David M., dessen Bruder mit seiner Schwester liiert gewesen sei, in einer Spielhalle in Nied in den Überfall hineingequasselt worden. Am Tatort sei er dann „schockiert gewesen über das, was er sah“. Nicht die Polizeisirenen hätten ihn in die Flucht gejagt, sondern die aus dem Ruder laufende Brutalität, mit der er in dieser Form nicht gerechnet habe. Er selbst habe an niemanden Hand angelegt. „Er bedauert den Tod des Mannes außerordentlich“, beteuert sein Verteidiger.

Zum Bedauern bleibt noch viel Zeit – das Landgericht hat bislang acht Verhandlungstage bis kommenden März vorgesehen. Und es gibt auch ein Wiedersehen mit alten Freunden, deren Bekanntschaft man wohl auch bedauern kann. Denn auch seine vier ehemaligen Komplizen sollen in dem Prozess als Zeugen aussagen – und werden aller Voraussicht nach ihre schweren Anschuldigungen wiederholen, diesmal aber im Angesicht ihres alten Kameraden. (Stefan Behr)

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