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Ein Auto fährt mit hoher Geschwindigkeit auf einer Autobahn (Symbolbild)
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Illegales Autorennen (Symbolbild)

Frankfurt

Frankfurt: Raser wegen zweifachen Totschlags vor Gericht

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Nach einem Raser-Unfall mit zwei toten Fußgängern in Sachsenhausen steht ein 39-Jähriger vor dem Frankfurter Landgericht. Der Beschuldigte soll dauerhaft in die Psychiatrie.

Frankfurt - Der Prozess gegen Thomas R. beginnt am Dienstagmorgen (02.11.2021) mit etwa einstündiger Verspätung. Der Transporter, der ihn von der geschlossenen Psychiatrie in Haina zum Landgericht Frankfurt bringt, steckt auf der Autobahn im Stau und kommt nicht voran.

Das ist im Fall des 39 Jahre alten Darmstädters etwas bizarr. Der Einzelhandelskaufmann leidet an paranoider Schizophrenie, er hört Stimmen, und diese imaginären Stimmen waren es, die ihn am 13. Februar dieses Jahres dazu gezwungen haben sollen, so schnell wie möglich von seinem Wohnort Darmstadt nach Frankfurt zu rasen – ohne Rücksicht auf Verluste. Zwei Menschen verloren dadurch ihr Leben.

Frankfurt: Raser wegen zweifachen Totschlags vor Gericht

Am Tattag rast R. in seinem Peugeot 208 mit mehr als 100 Kilometern pro Stunde über die Mörfelder Landstraße gen Osten. Laut Staatsanwaltschaft überholt R. andere Autos wie ein Irrer, schneidet sie, ignoriert jegliche rote Ampel, fährt mitunter auch auf den Gleisen der Trambahn, wodurch er immer wieder ins Schlingern gerät. An der Kreuzung zur Oppenheimer Landstraße steht die Ampel für ihn auf Rot.

R. überholt die wartenden Autos auf der Gegenfahrbahn – und rast mitten in Fußgänger, die gerade bei Grün den Überweg passieren. Zwei Männer im Alter von 31 und 40 Jahren werden durch die Wucht des Aufpralls 72 beziehungsweise 22 Meter weit durch die Luft geschleudert, sie sterben noch am Unfallort. Ein weiterer Mann und eine Frau, die ihre kleine Tochter im Kinderwagen über die Straße schiebt, entgehen nur mit knapper Not einer Kollision.

Nach dem Unfall fährt R. ungebremst weiter, aber nach ein paar Hundert Metern touchiert er erst vier geparkte Autos und rast dann in einen Smart. Sein Peugeot überschlägt sich und bleibt auf dem Dach liegen. Der nur leicht verletzte R. kann sich aus dem Wrack befreien und versucht, zu Fuß in Richtung Schweizer Straße weiterzukommen. Den Passanten, die ihn aufhalten, sagt er, er müsse dringend weg und weiter, aber das wissen die Zeugen zu verhindern, bis die Polizei eintrifft.

Frankfurt: Urteil gegen Raser noch im November

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass R., der etwa 40 Meter freie Sicht auf die Fußgänger gehabt und dennoch nicht einmal den Fuß vom Gaspedal genommen habe, deren Tod zumindest billigend in Kauf genommen habe. Wegen seiner Krankheit gilt er allerdings als nicht schuldfähig, deshalb wird am Dienstag keine Anklage, sondern eine Antragsschrift zur Sicherungsverwahrung verlesen. Es geht um R.s dauerhafte Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie. Beschuldigt wird er des zweifachen Totschlags, illegalen Autorennens und der Unfallflucht.

Mehr als die Verlesung der Antragsschrift passiert an diesem ersten Verhandlungstag aber auch nicht, da einer der Verteidiger R.s verhindert ist. Am kommenden Dienstag soll der Prozess weiter- beziehungsweise richtig losgehen.

Ob der Beschuldigte sich dann zu den Vorwürfen äußern wird, war am ersten Verhandlungstag noch kein Thema. Die 21. Große Strafkammer plant, noch in diesem Monat ein Urteil zu sprechen.

Raser vor dem Landgericht Frankfurt: Hier lautet die Anklage auf Mord

Mit einem ähnlichen und doch ganz anderen Fall wird sich das Landgericht demnächst befassen müssen. Die Staatsanwaltschaft hat bereits Anklage erhoben, ein Verhandlungstermin steht aber noch nicht fest. Dabei geht es um einen 39-Jährigen, der im November 2020 mit seinem 625-PS-SUV im Ostend zwei Menschen totgefahren hat.

Im Gegensatz zu Thomas R. leidet dieser Fahrer nicht unter paranoider Schizophrenie, sondern lediglich unter Protzsucht und schweren Charakterdefiziten. Er gilt als voll schuldfähig. Die Anklage gegen ihn lautet daher auf zweifachen Mord. (Stefan Behr)

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