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An dieser Stelle in der Oskar-von-Miller-Straße im Ostend raste im November 2020 ein SUV-Fahrer in drei Menschen, zwei von ihnen starben.
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An dieser Stelle in der Oskar-von-Miller-Straße im Ostend raste im November 2020 ein SUV-Fahrer in drei Menschen, zwei von ihnen starben.

Justiz

Frankfurt: Raser aus dem Ostend in Haft

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Der 38-Jährige steht jetzt unter Mordverdacht, weil er vorsätzlich gehandelt haben soll und Manipulationen an seinem mehr als 600 PS-starken SUV vornahm. Ein Gutachten hat eine Geschwindigkeit von 82 Kilometern pro Stunde beim Aufprall ermittelt .

Mehr als drei Monate nach dem tödlichen Unfall im Frankfurter Ostend steht der Unfallverursacher unter Mordverdacht. Der 38-Jährige sei am Donnerstag festgenommen worden und sollte noch am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt mit. Der Ermittlungsrichter habe auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl wegen Mordes mit einem gemeingefährlichen Mittel, gefährlicher Körperverletzung und verbotener Kraftfahrzeugrennen erlassen. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand geht die Anklagebehörde davon aus, dass der Raser den Tod eines 27-jährigen Fahrradkuriers und eines 61 Jahre alten Fußgängers an der stark frequentierten Unfallstelle „zumindest billigend in Kauf genommen“ habe.

Nach dem tödlichen Unfall war gegen den Fahrer zunächst wegen fahrlässiger Tötung ermittelt worden. Im Verlauf der Ermittlungen hätten sich jedoch Anhaltspunkte ergeben, dass der 38-Jährige den Unfall „nicht sorgfaltswidrig, sondern vorsätzlich verursacht hat“, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. So soll der 38-Jährige an seinem über 600 PS-starken SUV vor Fahrtantritt an jenem 21. November ein für die Stabilisierung des Fahrzeugs verantwortliches System manuell ausgeschaltet haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten weiter vor, er habe vor dem Unfall in der Oskar-von-Miller-Straße an zwei Ampeln stark beschleunigt und sich zwischen den Ampeln mit einem neben ihm fahrenden Auto ein Rennen geliefert. Auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau präzisierte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft, der 38-Jährige habe „das Rennen mehr mit sich selbst gefahren“. Gegen den anderen Verkehrsteilnehmer werde nicht ermittelt, er habe vielmehr als Zeuge ausgesagt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 38-Jährige bei der Einfahrt in eine Kurve in der Oskar-von-Miller-Straße das Gaspedal nahezu vollständig durchgedrückt und eine Drift eingeleitet hatte, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen und anderen Verkehrsteilnehmern durch sein riskantes Fahrverhalten zu imponieren. Da er das Stabilisierungssystem des Fahrzeugs ausgeschaltet hatte, brach das Heck des Wagens bei dem Fahrmanöver aus, wodurch das tonnenschwere Auto auf einen parallel zur Fahrbahn verlaufenden Fahrradstreifen schleuderte. Die Staatsanwaltschaft geht nach einem Sachverständigengutachten davon aus, dass das Fahrzeug mit einem Tempo von 82 km/h den Kurierfahrer und die beiden Fußgänger erfasste. Neben den beiden tödlich Verletzten erfasste das Fahrzeug auch die 31-jährige Tochter des 61-Jährigen, die Knochenbrüche am ganzen Körper erlitt. Dazu, wie schnell das Fahrzeug vor dem Ausbruch unterwegs war, machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben.

Laut einem Gutachten war der 38-Jährige während der Fahrt weder alkoholisiert noch stand er unter Drogen. Der Mann ist im Straßenverkehr allerdings kein unbeschriebenes Blatt. Gegen ihn sollen wegen auffälligen Verhaltens, Beleidigung und Trunkenheit schon mehrere Geldstrafen verhängt worden sein, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen dauern noch an, Anklage wurde noch keine erhoben.

Verurteilungen gegen Raser wegen Mordes sind ungewöhnlich und vor Gericht schwer zu beweisen. Dem Fahrer muss zumindest ein bedingter Vorsatz beim Töten eines Menschen nachgewiesen werden. Nach einem Autorennen auf dem Berliner Kurfürstendamm im Februar 2016 hatte das Landgericht Berlin zwei Männer wegen Mordes verurteilt, weil sie mehrere Ampeln bei Rot überfahren hatten und ein 69-jähriger Autofahrer bei einem Zusammenstoß umgekommen war. Zumindest gegen den Hauptangeklagten, dessen Fahrzeug mit dem des 69-Jährigen kollidiert war, bestätigte der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil im Juni 2020. Die jetzt auch von der Staatsanwaltschaft Frankfurt angenommene Tötung mit gemeingefährlichen Mitteln sei beim Landgericht Berlin zwar rechtsfehlerhaft gewesen, allerdings hatten die Berliner Richter bei der Tat auf dem Ku’damm auch auf Heimtücke und niedrige Beweggründe erkannt, was der BGH nicht beanstandete.

Das Strafmaß bei einer Verurteilung wegen Mordes ist immer lebenslänglich und unterscheidet sich daher immens von der im Straßenverkehr meist angenommenen fahrlässigen Tötung, bei der die Angeklagten oft auch nur mit einer Geldstrafe belegt werden.

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