Die Polizei und Feiernde auf dem Platz vor der Alten Oper.
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Die Polizei und Feiernde auf dem Platz vor der Alten Oper.

Opernplatz

Nach Randalen in Frankfurt: Hass auf die Polizei hat Tradition

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Die Randale vom Opernplatz ist der vorläufige Tiefpunkt eines sich schon längerabzeichnenden Trends, Polizisten und Rettungskräfte zu attackieren. Hass und kein Respekt sind häufige Gründe.

Die Eskalation am Opernplatz hat zwar eine neue Qualität der Gewalt gegen Polizisten gezeigt – sie ist aber im Grunde nur der neue Tiefpunkt einer Entwicklung, die bereits seit geraumer Zeit auch an den Frankfurter Gerichten zu beobachten ist. Nicht immer sind Polizisten die Opfer.

Die Paragrafen 113 und 114 des Strafgesetzbuches behandeln den Widerstand gegen beziehungsweise den tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte, zu denen Polizisten zählen. Paragraf 115 widmet sich den „Personen, die Vollstreckungsbeamten gleichstehen“, also etwa Rettungssanitätern. Diese Paragrafen sind immer häufiger Gegenstand der Anklage.

Vorfälle in Frankfurt gegen die Polizei

Alleine in dieser Woche werden zwei Fälle vor dem Amtsgericht verhandelt. Die erste Anklage: Ein 31-Jähriger war an der U-Bahnstation Konstablerwache auf das Gleisbett gestürzt und hatte sich eine klaffende Kopfwunde zugezogen. Die Rettungssanitäter empfing er, indem er sie anpöbelte, seine blutigen Hände an ihnen abwischte und sie anspuckte.

Auch der zweite Fall spielte an der Konstablerwache: Eine 18-Jährige beschimpfte Polizisten, die wegen einer Messerstecherei angerückt waren. Einen Platzverweis ignorierte sie, einer Polizistin trat sie mit Anlauf derart in den Bauch, dass diese dienstunfähig wurde.

Bei den Angreifern handelt es sich nicht immer - so das Vorurteil - um mehrfach vorbestrafte Asoziale. Das beweisen Fälle der jüngeren Vergangenheit: Da ist die Hausfrau, die Rettungssanitäter beschimpft und ihren Wagen zuparkt, weil dieser während eines Notfalls auf „ihrem“ Parkplatz steht. Da ist der Wutrentner, der Sanitäterinnen die Rolltreppe hinunterschubst, weil er glaubt, er habe ein Recht auf eine freie Treppe.

Frankfurt: Beleidigungen der Polizei gehört zum Alltag

Bei vielen Verhandlungen spielen Widerstand, Angriff oder Beleidigung von Polizisten bloß eine Nebenrolle: „Hurensohn“, „Nazi“, „Scheißbulle“ gehören bei Festnahmen heute fast schon zum Polizeialltag. Dass die Angriffe auf Polizisten zunehmen, spiegelt sich auch im Frankfurter Polizeibericht wider. Dabei muss es nicht immer so spektakulär sein wie im Mai, als etwa 20 junge Männer anlässlich einer Corona-Kontrolle die Polizisten unter anderem mit Hanteln bewarfen.

Es gibt auch die Fälle, die es nicht in den öffentlichen Fokus schaffen, wie etwa die Kontrolle zweier mutmaßlicher Rollerdiebe vor wenigen Wochen im Nordend, bei der sich mehr oder weniger spontan „Bewohner eines benachbarten Hauses“ mit den Kontrollierten „solidarisierten“ und die Beamten angriffen.

Weit gravierender ein Vorfall im Mai, bei dem ein Unbekannter am Mainufer von einer Brücke einen etwa 20 Kilo schweren Blumenkübel auf Beamte geworfen hatte, der eine Polizistin nur äußerst knapp verfehlte. Es rundet das Bild ab, dass kurz danach am Römerberg ein 22-Jähriger festgenommen wurde: Er hatte nach einem der Polizeiautos, die auf der Suche nach dem Kübelwerfer waren, einen Schuh geworfen.

Hass auf Polizei nicht nur in Frankfurt kein neues Phänomen

Das alles ist nicht unbedingt ein neues oder allein dem Corona-Frust zuzuordnendes Phänomen. So gab es zum Beispiel schon vor zwei Jahren Randale beim Schlossgrabenfest in Darmstadt. Und auch der generelle Hass auf die Polizei hat eine gewisse Tradition, wie seit jeher bei Prozessen zu beobachten ist, bei denen ein Mitglied der Antifa auf der Anklagebank sitzt.

Aber in diesen Fällen resultiert der Hass aus einer politischen Grundüberzeugung und nicht aus allgemeiner Menschenverachtung. Mittlerweile gibt es aber immer häufiger Angeklagte, die eigentlich keine besondere Aversion gegen Polizeibeamte, Rettungssanitäter oder Feuerwehrleute haben. Sie bezeugen diesen Personen lediglich den Respekt, den sie auch vor dem Rest ihrer Mitmenschen haben – nämlich nicht den geringsten.

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