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Bei der Demo gegen Autobahnbau und die Rodungen des Fechenheimer Wäldchens für den Riederwaldtunnel. Foto: Rolf Oeser
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Bei der Demo gegen Autobahnbau und die Rodungen des Fechenheimer Wäldchens für den Riederwaldtunnel.

Waldbesetzung am Teufelsbruch

Frankfurt: Radikal für Tiere und Bäume

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Die jungen Waldbesetzerinnen und -besetzer sprechen sich im Fechenheimer Teufelsbruch gegenseitig Mut zu

Sie sind jung. Sie verstehen sich als ein Kollektiv ohne Hierarchien, aus dem niemand besonders herausragen sollte. Sie sind vermummt, sie verraten ihre Namen nicht. Um sich zu schützen, sagt eine junge Frau am Samstag. Zwei Demonstrationszüge kommen an der Mahnwache an (siehe nebenstehenden Artikel). Ein paar Neugierige schauen sich die Bauten in den alten Bäumen des besetzten Teufelsbruchs an.

Ihr Tun sei eigentlich vom Versammlungsrecht gedeckt, sagt die Frau. Aber so ganz traut sie ihren Rechten nicht. Sie ist da nicht allein. Die Polizei komme zweimal am Tag und kontrolliere, ob die Mahnwache alle Auflagen einhalte, sagt einer, der sich Siebenschläfer nennt. Vor drei Wochen seien die Behörden mit einem Trecker in den Forst hineingefahren und hätten das Bauholz beschlagnahmt. Die Gruppe hat daraus gelernt. Auf den Waldwegen finden sich nun an strategischen Positionen kleine Holzbarrieren, damit Fahrzeuge nicht mehr so einfach durchkommen.

Die Strukturen, wie die Camper ihre Bauwerke nennen, sind unterschiedlich ausgebaut. Manche bestehen nur aus einer Grundplatte und einem Transparent. Andere haben nicht nur Dächer und Wände, sie sind untereinander mit Traversen verbunden. Damit die Aktivistinnen und Aktivisten gar nicht erst auf den Boden zurückmüssen. „Die abgespeckte Version eines Kletterparks“, scherzt einer, wird aber gleich wieder ernst. „Ein Freizeitcamp ist das hier nicht.“

Ein bisschen vielleicht. Der radikale Klimaschutz ist das eine Element, das die Gruppe zusammen hält. Das Gemeinschaftsgefühl ist ebenso wichtig. Ein Aktivist erklärt es am Samstag auf der Abschlusskundgebung. „Dieser gesunde Wald soll gegen Lärm, Abgase und Verkehrschaos eingetauscht werden“, ruft er. Das Ökosystem Wald sei aber nicht so einfach zu ersetzen. Ebenso die Freiräume, die die Gruppe sich erkämpft habe. Es gäbe kaum Orte, an denen jungen Menschen verweilen könnten, ohne etwas konsumieren zu müssen. Bleibt der Wald: „Hier kann man chillen oder sich einbringen.“ Siebenschläfer sieht das ähnlich: „Manche kommen, um ein andere Leben auszuprobieren, ein Leben ohne Diskriminierung, ohne Arbeitszwang.“

Angst haben die jungen Menschen schon. Einer sagt sogar, er habe so viel Angst vor dem Klimawandel, dass er mögliche andere Folgen seines Tuns nicht beachte. „Eine Form von Angst ist da“, sagt dagegen Milan. Vor dem, was passieren könnte, vor einer Räumung, auch vor rechtlichen Konsequenzen. Mitstreiterin Ella aus dem Dannenröder Forst hat das Landgericht Alsfeld zu einer mehr als zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Ab und an geht die Gruppe zum Gefängnis und hält „Schreikontakt“. Aber: „Es geht eben um viel“, macht sich Milan Mut. „Um die Zukunft dieser Generation und der nächsten. Und ganz konkret um dieses schöne Stück Natur.“

Auch die Frau, die sich Simba nennt, hat beim Gedanken an die Auseinandersetzungen im Dannenröder Forst „ein mulmiges Gefühl“. Die Gemeinschaft ist der große Rückhalt, findet sie. Alle im Wald seien gleichberechtigt, alle akzeptiert. „Wir kannten uns vorher nicht, kennen nicht unsere richtigen Namen.“ Ohne Hierarchien zu leben, bedeute, ohne Wissenshierarchien. Wer etwas kann, bringt es den anderen bei, Klettern mit dem Klemmknoten oder Baumhäuser bauen.

„Manche von uns sind sehr jung“, sagt einer. Das sei aber kein Kriterium zu ihrer Bewertung. „Das sind Menschen, die noch kein Stimmrecht haben, die können sich so jetzt Gehör verschaffen.“ Der Protest soll andauern. „Lieber einen Winter lang frieren, als den Wald verloren geben“, sagt Siebenschläfer. „Wenn man mal innehält und beobachtet, sieht man die Tiere, sagt er. „Sie wecken uns morgens auch, zwitschern oder hämmern.“

Für einen Besuch bieten sich die Waldspaziergänge an. Die Besetzerinnen und Besetzer führen sonntags ab 14 Uhr Gäste ins Wäldchen. Treffpunkt ist die Mahnwache am Parkhaus Borsigallee.

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