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Auf einigen Straßen in Frankfurt wird es nach dem Radentscheid bald eng für motorisierte Verkehrsteilnehmer. Das Foto zeigt die Proteste von Radfahrern gegen die IAA im September.

Innenstadt-Verkehr

Frankfurt: Wo Radfahrer in der Innenstadt bald Vorfahrt haben

Mehr Platz für Fahrradfahrer, weniger für Autos: Das ist das erklärte Ziel der Politik in Frankfurt. Nach dem Kompromiss mit den Initiatoren des Radentscheids steht nun die konkrete Umsetzung an. Kritiker monieren Planlosigkeit.

Frankfurt - Das Damoklesschwert hängt über der Stadt: Im Dezember will der Verwaltungsgerichtshof in Kassel über die Klage der Umwelthilfe für ein Dieselfahrverbot entscheiden. Guter Wille, die Luft sauberer zu bekommen, dürfte für die Richter ein Entscheidungskriterium sein, hofft man im Römer. Deshalb sollen Alternativen zum Fahrverbot die Schadstoffmengen senken. Ein zentrales Vorhaben: mehr Radverkehr, und das auch zulasten von Autos und Lastern. 

Frankfurt: IHK verärgert über neue Verkehrsführung für Radfahrer

Was das Parlament Ende August mit dem Ausbauprogramm für den Radverkehr – als Kompromiss mit den Initiatoren des Radentscheids vereinbart – beschlossen hat, soll nun Realität werden. So bekommt die Schöne Aussicht bis 13. Oktober eine neue Fahrbahndecke. Wenn die neue Markierung aufgebracht wird, fehlt eine der beiden Spuren Richtung Osten. Stattdessen sollen beiderseits separate Fahrrad-Fahrstreifen aufgemalt werden. Das ärgert Ulrich Caspar, den Präsidenten der Industrie- und Handelskammer: Er fordert Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) auf, „das Arbeiten mit verkehrlichen Einzelmaßnahmen“ wie dem Wegfall der Fahrspur an der Schönen Aussicht zu beenden: „Langfristige Planbarkeit ist die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg Frankfurter Unternehmen, die dabei von einer zuverlässig nutzbaren Infrastruktur abhängen.“

 Erst im September hatten Wirtschaftsverbände in einem offenen Brief von der Stadtregierung das Erarbeiten eines strategischen Gesamtverkehrsplan angemahnt. Trotz der Kritik arbeite der Magistrat weiter mit Einzelprojekten, ist Caspar sauer. Solche unkoordinierten Eingriffe in den Verkehrsfluss träfen Wirtschaft und Pendler unerwartet. Die Stadtregierung verspiele dadurch „den Standortvorteil Erreichbarkeit“, warnt Caspar. Mit Problemen für den Auto- und Lastwagenverkehr durch den Wegfall der Fahrspur rechnet Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) in der Schönen Aussicht aber nicht. Zum einen waren die Fahrstreifen ohnehin nie allzu stark frequentiert.

Frankfurt: Mehr Sicherheit für Radfahrer

 Außerdem fehlt die zentrale Zufahrt von Westen her, da vor der Kreuzung mit der Alten Brücke der Mainkai ja derzeit testweise gesperrt ist. „Dadurch haben wir dort noch deutlich weniger Autoverkehr“, sagt der Stadtrat. Apropos Mainkai: Auch dieser ist seit Ende Juli und für 13 Monate dem Autoverkehr entzogen. Bloß Radfahrer, E-Scooter und Fußgänger dürfen die Straße noch nutzen. Auf noch einer dritten Straße soll noch in diesem Jahr der Autoverkehr zurückgedrängt werden: Auf der Kurt-Schumacher- und der Konrad-Adenauer-Straße wird in Richtung Norden vom Börneplatz über die Konstablerwache bis zum Friedberger Tor ein Fahrradstreifen auf der Fahrbahn markiert. Eine Auto-Fahrspur entfällt dadurch.

Damit werde die südlich des Börneplatzes bereits bestehende Fahrradspur verlängert, erklärt Klaus Oesterling. Diese hatte die Stadt recht zügig markiert, nachdem dort im August 2018 ein 60-jähriger Radfahrer von einem Lastwagen überrollt worden war. Auch auf der von dort nach Norden weiterführenden Strecke mitten durchs Stadtzentrum erhofft sich der Dezernent mehr Sicherheit für die Zweiradfahrer durch die eigene Fahrspur. In der Gegenrichtung, also vom Friedberger Tor zum Börneplatz, solle 2020 ebenfalls eine Fahrradspur markiert werden. Dafür werde auch dort einer von zwei Fahrstreifen entfallen, erklärt Oesterling. In Höhe der Konstablerwache hat die Fahrbahn aber seit einigen Jahren ohnehin nur noch eine, – wenn auch etwas breitere – Fahrspur, seit hier die Straßenbahnhaltestelle verbreitert worden war. 

Radfahrer in Frankfurt: Verkehr auf Friedberger Landstraße macht Probleme

Ebenfalls 2020 müssen sich die Autofahrer auf der Friedberger Landstraße einschränken. Dann werde zwischen Friedberger Tor und Matthias-Beltz-Platz im Nordend ebenso eine Fahrradspur eingerichtet, kündigt der Stadtrat an. Nördlich davon soll die Fahrradroute durch die parallel verlaufende Rotlintstraße geführt werden. Dass die Radspur zu Autostaus führen dürfte, gesteht auch der Verkehrsdezernent ein. Nicht nur: Zwischen Friedberger Platz und Matthias-Beltz-Platz werden Autos und Laster dadurch auf jene Fahrspuren gedrängt, auf denen auch die Straßenbahn rollt. 

Dann drohen auch diese im Stau zu stehen. „Wir haben hier einen Zielkonflikt, wenn mehr Autos im Gleisbereich der Straßenbahn fahren“, räumt Oesterling ein. Der Dezernent will „über angepasste Ampelschaltungen diesen Bereich freihalten“. Stauen soll sich der Verkehr also schon vor diesem engen Bereich. Damit müssen sich Autofahrer darauf einstellen, dass sie an diesen Stellen schlechter vorankommen: stadteinwärts vor dem Nibelungenplatz, stadtauswärts vor dem Friedberger Platz.

Dennis Pfeiffer-Goldmann

Von quer stehenden Autos und Ölspuren: Viermal hat es auf der A5 bei Frankfurt gekracht. Die Unfälle sorgten für Probleme im Berufsverkehr. Spitzenvertreter von zwölf Institutionen aus Frankfurt und der Region haben in einem offenen Brief ihre Unzufriedenheit in Sachen Verkehr an den Magistrat adressiert. Sie wollen endlich an der Planung beteiligt werden.

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