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„Querdenker“-Szene demonstriert trotz Lockerungen in Frankfurt

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Von: Sabine Schramek

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Protest gegen die Corona-Politik: Viele Teilnehmende halten nichts von den Regeln.
Protest gegen die Corona-Politik: Viele Teilnehmende halten nichts von den Regeln. © Frank Rumpenhorst/dpa

Rund 3500 Menschen gehen in Frankfurt gegen Corona-Regeln auf die Straße. Die Polizei mahnt die Teilnehmenden, Abstandsregeln und Maskenpflicht einzuhalten.

Frankfurt - In der Szene war vorab die Rede von Zehntausenden, die in Frankfurt für eine „Querdenker-Shockwave“ sorgen wollten. Beim Ordnungsamt angemeldet waren 1000 Teilnehmer:innen. Tatsächlich zählte die Polizei bei der Demonstration gegen die Corona*-Politik am Samstag (19.02.2022) in der Spitze 3500 Teilnehmer. Zuletzt hatte es wiederholt Streit innerhalb der Frankfurter „Querdenker“-Szene gegeben, was sich auch am geringen Zulauf bei Veranstaltungen unter der Woche bemerkbar gemacht hatte. Mit Videos, Trommeln, Flaggen und Helene Fischer warb die Szene auf diversen Telegram-Kanälen für Einigkeit.

Bei der Demonstration am Samstag wehen in der Innenstadt Flaggen unter anderem aus Israel, Kanada, Schweden, Kroatien, dem Saarland, Westfalen, der spanischen Gemeinschaft Galicien, Japan, Deutschland im Wind. Dazu Gadson Flags, die in Zeiten der Amerikanischen Revolution für Patriotismus standen und im vergangenen Jahr zum Symbol beim Sturm aufs Kapitol wurden. Eine Flagge aus Vatikanstadt „ziert“ ein durchgestrichener roter Kreis mit Spritze. Mittendrin wehen auch zwei Flaggen der „Querdenker“-Organisation, die am 23. Januar nach Brüssel zur Demo aufgerufen hatte, bei der ein EU-Gebäude gestürmt wurde und bei der es zu heftiger Gewalt kam. In Hessen mehren sich seit Monaten die Warnungen vor einer Radikalisierung der Szene.

Demo gegen Corona-Politik in Frankfurt: „Kampf den Impf-Nazis“

„Freiheit“ schreien die Teilnehmer:innen des Demonstrationszugs in Frankfurt und übertönen die Lautsprecherdurchsagen der Polizei, die die Einhaltung von Abstandsregeln und Maskenpflicht fordert. Wasserwerfer fahren vor und hinter den Demonstrierenden, auf deren Westen und Transparenten Sprüche stehen wie: „PCR-Lügner“ oder „Glaubt nicht den Lügen der Medien“.

„Antifa und Garnix-Checker sind Globalisten-Stiefellecker“ heißt es auf einem Plakat, „Kampf den Impf-Nazis in Staat, Parteien, Medien und Verbänden“ auf einem anderen oder „Gegen Impfzwang und 2G-Pogrom-Hetze“. „The Great Reset“ steht unter den Konterfeis von Bundeskanzler Olaf Scholz, dem Vorsitzenden des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab und Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Ein Plakat zitiert Sophie Scholl, die Widerstandskämpferin im Dritten Reich.

Kommentar zur „Querdenker“-Bewegung

Wegen Maske und Impfung wähnen sie sich in einer Diktatur, ihre Vergleiche zur NS-Zeit sind schamlos. FR-Autorin Katja Thorwarth fragt deshalb in ihrem Kommentar: Seit wann verstehen „Querdenker:innen“ etwas von Freiheit?

Corona-Politik: Unter der Woche weniger „Querdenker“ auf Frankfurts Straßen

Deutlich weniger los war in der vergangenen Woche bei anderen Veranstaltungen der sogenannten Querdenker. Am Montag wurde eine Demo ab dem Römer in zwei Protestzüge gesplittet, weil die Veranstalter zerstritten waren und jeder dem anderen finanzielle Interessen vorwarf. Gemeinsam zu gehen, wurde von beiden Seiten verweigert. Ein Zug hatte 25 Teilnehmer:innen, einer 50. Via Lautsprecher „entschuldigten“ sich die Demonstrierenden bei den Polizist:innen, die sie „täglich so zahlreich begleiten“ müssten – aber für die Freiheit müssten eben alle Opfer bringen.

Am Mittwoch hatten die sogenannten Querdenker zum ersten Sternmarsch von drei Startpunkten aus „zu einem historischen Ort“ aufgerufen. Die Polizei zählte knapp 25 Teilnehmer:innen pro Strecke. An der Alten Oper trafen sie zusammen. Am Freitag sollte ein „Sternschnuppenlauf“ von vier Orten aus stattfinden. Am Römer erschienen drei Teilnehmer:innen, in Bockenheim und am Messeturm je fünf. In Sachsenhausen trafen etwa 25 Demonstrierende ein. Sie liefen zum Römer und trafen dort auf die wenigen anderen. Auf Telegram erklärten sie, dass die „Wetterlage ab Sachsenhausen besser als an den drei anderen Streckenabschnitten“ gewesen sei, die daher „witterungsbedingt abgesagt werden mussten“. Die laut Polizei 800 Teilnehmer:innen am Gedenken für die Opfer der rassistischen Anschläge in Hanau waren offensichtlich wetterfester. (Sabine Schramek)

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