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Querdenker-Demo: Die wenigsten trugen eine Maske.

Corona

„Querdenker“ im Frankfurter Grüneburgpark - „Wir impfen euch alle“

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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In Frankfurt demonstriert eine Antifagruppe gegen Gegner der Corona-Maßnahmen, die im Grüneburgpark zusammengekommen sind. 

Der Grüneburgpark ist gewöhnlich kein Ort politischer Zusammenkünfte und öffentlicher Meinungsäußerung. Und so schauen Jogger, Spaziergänger und Radfahrer am Samstagnachmittag verwundert, als sie die Drängelgitter entdecken, die am südlichen Eingang des Parks auf der Wiese aufgebaut wurden.

Dort haben sich Anhänger der Gruppierung „Querdenken 69 Frankfurt“ versammelt, um unter dem Motto „Ruf der Freiheit“ gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung zu demonstrieren. Auf etwa 300 bis 350 schätzt ein Polizist die Zahl der Teilnehmenden. Mehrere Dutzende Polizisten in Einsatzmontur und Mund-Nasen-Schutzmasken patrouillieren rund um den abgesperrten Bereich. Etwas entfernt von dem Geschehen spielt eine Gruppe unbeirrt Fußball. Von einem als Bühne umfunktionierten Lastwagen herunter werden Reden gehalten.

„Querdenker" demonstrieren in Frankfurt gegen Corona-Maßnahmen

Auf der gegenüberliegenden Seite, hinter der Absperrung, hat sich eine kleine Gruppe von Antifa-Aktivisten positioniert. Rund zwei Dutzend sind es, die versuchen, die Veranstaltung zu stören. Als ein Redner sagt, dass er sich „ganz große Sorgen um den Staat“ mache und „die Demokratie, wie wir sie kennen, in Gefahr ist“, hallen aus der Antifa-Ecke fast zeitgleich aus einem mobilen Lautsprecher Fetzen des „Ärzte“-Songs „Schrei nach Liebe“: „Du bist wirklich saudumm, darum geht’s dir gut.“ Vereinzelt sind Trillerpfeifen zu hören.

„Wir impfen euch alle“, skandiert die kleine Gruppe, in Anspielung darauf, dass sich unter den Corona-Kritikern oft auch Impfgegner befinden. Transparente hängen an den Zäunen mit Aufschriften wie: „Widerstand ist wunderbar – Durchgeimpfte Antifa“, „Kampf den Faschos überall – Hanau war kein Einzelfall“ und „Tolerieren heißt mitmarschieren“. Auf der teils verdorrten Wiese innerhalb der Gitter haben sich Menschen auf mitgebrachten Campingstühlen und Picknickdecken niedergelassen. Zum Mitbringen von Stühlen und Decken hatten die Veranstalter auch aufgerufen. Einige haben ihre Hunde dabei, andere ihre Fahrräder neben sich abgestellt.

Frankfurt: Kaum einer der Corona-Demo-Teilnehmenden trägt Maske

Nach Kundgebungen in den Vorwochen in der Innenstadt, etwa am Roßmarkt, hatten die Veranstalter gehofft, dass ihnen der Grüneburgpark als Veranstaltungsort zugesagt wird, um „eine angenehme Atmosphäre für unseren Protest zu schaffen“, wie Mitveranstalterin Malin Joy Singh im Vorfeld sagte. Sie verweist während der rund dreieinhalbstündigen Kundgebung mehrmals auf Mindestabstände, die eingehalten werden müssten.

Rednerinnen und Redner sprechen sich immer wieder gegen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes aus. Kaum einer der Teilnehmenden trägt eine Maske. Neben einigen Deutschlandflaggen hält ein kleiner Junge eine Regenbogenfahne in die Höhe. Auf Schildern ist zu lesen: „Freiheit für die Gefangenen in Seniorenheimen“, „Corona-Maßnahmen = Lebensverachtend“.

Etwas abseits stehen weitere Gegner der Kundgebung. Zwischen Bäumen am Weg wurde ein Banner gespannt mit der Aufschrift: „Omas gegen Rechts“. Daneben hängt an einem Pavillon der Schriftzug: „Die Krankheit heißt Kapitalismus“.

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