Coronakritikerdemo05_271020
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Maske? Fehlanzeige! Anhänger der Gruppe „Querdenken 69“ am Samstag auf dem Frankfurter Goetheplatz.

Demo auf dem Goetheplatz

Corona-Demo in Frankfurt: Keine Maske, kein Problem –„Querdenken 69“ durfte ohne Masken protestieren

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Bei einer Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen tragen die Versammelten keine Atemmasken. Rechtlich zu beanstanden gibt es dabei nichts, sagt das Ordnungsamt.

  • In Frankfurt sorgte eine Corona-Demo auf dem Goetheplatz für Aufsehen.
  • Denn eine Maskenpflicht gab es nicht – Es hagelt Kritik in den sozialen Medien.
  • Frankfurter Polizei und das Ordnungsamt äußern sich zu den Vorkommnissen.

Frankfurt - Es sind Bilder, die für Empörung sorgen. Samstagnachmittag am Goetheplatz in Frankfurt, die Sonne scheint. Die Menschen, die spazieren gehen oder shoppen, tragen fast alle eine einfache Atemmaske, so wie es auf der Zeil und anderen Einkaufsstraßen schon seit gut zwei Wochen vorgeschrieben ist, um die Ansteckungen mit dem Coronavirus einzudämmen.

Aber auf dem Goetheplatz scheinen andere Regeln zu gelten: Von der Polizei abgeschirmt, haben sich dort rund 500 Personen versammelt, um gegen die Anti-Corona-Maßnahmen zu protestieren. Die Gruppierung „Querdenken 69“ hat zu einer Kundgebung geladen. Was auffällt: Von den Versammelten trägt fast kaum jemand einen Mund-Nasen-Schutz.

Frankfurt: Corona-Demo ohne Maske – Harsche Kritik in sozialen Medien

Das habe die städtische Versammlungsbehörde so geregelt, sagt der Einsatzleiter der Polizei einem Reporter der Frankfurter Rundschau. Viele Passant:innen reagierten zwar mit Unverständnis, aber die Anhänger:innen von „Querdenken 69“ müssten in der Tat keine Atemmasken tragen, solange sie ausreichend Abstand zueinander hielten.

Sofort regt sich in den sozialen Netzwerken Kritik. „Während im Römer der Corona-Krisenstab tagt, können die ‚Querdenker‘ ungehindert ihren gefährlichen Müll am Goetheplatz in die Öffentlichkeit tragen“, heißt es auf dem Twitter-Account „untergrund_ffm“. „Viele TeilnehmerInnen tragen keine Maske. Die reichlich anwesende Polizei interessiert es nicht.“

„Querdenken“ in Frankfurt ohne Maske: Jutta Ditfurth äußert sich

Die Stadtverordnete Jutta Ditfurth (Ökolinx) twittert: „Die Stadt Frankfurt und Oberbürgermeister Peter Feldmann holen die Bundeswehr ins Gesundheitsamt, aber schaffen es heute nicht mal, die Corona-Querfront OHNE Masken in Frankfurt aufzulösen.“ Und der User „Sebastian Hell“ befürchtet ebenfalls auf Twitter, die Ausnahme könne den Versammelten das Gefühl geben, „ihre YouTube-Wahrheiten wären nicht ganz so absurd“. Sie würden sich dadurch wohl in ihrer Ablehnung der Maskenpflicht bestärkt fühlen.

Nachfrage bei der Frankfurter Polizei. Die betreffende Kundgebung sei bereits am 2. Oktober bei der Stadt angemeldet worden, teilt ein Polizeisprecher der FR am Montag mit. In der Auflagenverfügung der Stadt sei keine generelle Maskenpflicht festgelegt worden, „solange die Abstandsregelung von den Teilnehmern eingehalten wird“.

Corona-Demo in Frankfurt: Versammlung „friedlich und weitgehend auflagenkonform“

Diese Vorgaben habe die Polizei am Samstag durchgesetzt, sagt der Sprecher. Da die Versammlung „friedlich und weitgehend auflagenkonform“ verlaufen sei, habe die Polizei keinen Anlass gehabt einzugreifen. Einige Male habe man den Anmelder der Versammlung darauf angesprochen, dass die Teilnehmer:innen teils sehr nah beieinander stünden. Dieser habe daraufhin auf die Versammelten eingewirkt, sodass diese sich wieder weiter voneinander entfernt hätten.

Vom Ordnungsamt in Frankfurt hieß es auf FR-Anfrage, die Maskenauflage sei nicht extra für die „Querdenken“-Kundgebung gelockert worden. Das Rechtsgut der Versammlungsfreiheit sei aber so hoch angesiedelt, dass ein Eingriff „sehr schwierig“, ja sogar „fast unmöglich“ sei. Daher habe man den Demonstrierenden nicht auferlegt, Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Mittlerweile hätten sich die Infektionszahlen allerdings massiv erhöht, sodass zukünftige Versammlungsverfügungen „daran gemessen werden müssen“, so das Ordnungsamt. (Hanning Voigts)

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