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Frankfurt: Queeres Daten

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Vom Kennenlernen in Frankfurts lesbischer und schwuler Szene

Heterosexuelle Freund:innen lernen seltener mal jemanden in einer Bar kennen. So empfindet es zumindest Maurice, der schon viele Abende in Frankfurts Gay Bars verbracht hat. Der 26-Jährige geht oft proaktiv auf andere Barbesucher:innen zu und hat so schon Freund:innen kennengelernt und auch romantische Bekanntschaften gemacht. „Ich glaube, diesen Mut, auf Menschen zuzugehen, den nimmt man manchmal einfach aus einer Verzweiflung heraus, weil man sich nicht anders zu helfen weiß. Man muss manchmal einfach ausprobieren, sonst sitzt man alleine in der Ecke. Der Barkeeper oder die Barkeeperin können oft auch dabei helfen, Verbindungen aufzubauen.“ Und wenn das nicht klappt? „Ich bin neu in der Stadt“ funktioniere immer, wenn man neue Menschen kennenlernen wolle, da dürfe man den Begriff „neu“ auch mal dehnen.

Warum ist es gerade fürs Kennenlernen so wichtig, dass es Bars gibt, die sich speziell an ein nicht-heterosexuelles Publikum richten? „In manchen Bars kann es sein, dass der Nachbartisch sich gestört fühlt, wenn zwei Männer flirten. Es ist wichtig, dass es Schwulenbars gibt, wo man nicht komisch angeschaut wird. Dann kann ich mich besser fallen lassen“, erzählt Maurice.

Wer in Frankfurt nicht heterosexuell ist, hat um einiges weniger Auswahl an Aktivitäten und Angeboten, die speziell darauf ausgelegt sind, einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Eine beliebte Möglichkeit, Leute aus der Szene kennenzulernen, scheint das Eintauchen in die Kneipen- und Partyszene in der Nähe der Konstablerwache zu sein. Dort kann man unter anderem in den Gay Bars Zum Schwejk und Central tanzen und flirten.

Maurice sagt, die eigentliche Schwierigkeit, neue Kontakte zu knüpfen, bestehe unabhängig davon, auf welches Geschlecht man steht: „Es ist immer schwierig, jemanden zu finden, den man attraktiv findet. Alle Menschen haben Ansprüche und Erwartungen. Die Latte ist bei allen ziemlich hoch. Deswegen lassen sie sich kaum noch aufeinander ein. Auch ich stehe da und frage mich: Ist das jetzt der Richtige? Sind meine Ansprüche zu hoch? Oder zu niedrig? Man versucht dann, eine Mitte zu finden, aber gefühlt macht man alles falsch.“

Kontakte per App

Um die Chancen darauf, dass man zueinanderpasst, zu erhöhen, gibt es inzwischen unterschiedlichste Apps. Man kann seine Hobbys und Präferenzen angeben und auch, ob man eher was für eine Nacht oder eine Beziehung sucht. Gerade beim Online-Dating herrsche aber oft eine gezwungene Atmosphäre. „Ich glaube nicht, dass man online jemanden findet, der besser passt. Da braucht es sehr viel Glück, den einen zu finden, der kompatibel ist und ähnliche Interessen teilt. Es gibt Menschen, die finden jeden Zweiten attraktiv, haben One-Night-Stands und so. Da bin ich vielleicht eher speziell. In Frankfurt sind wahrscheinlich auch viele Menschen eher oberflächlich, die bauen sich eine Fassade auf, und dahinter sind sie langweilig.“ So seine Erfahrungen.

Online-Dating hat auch Mercedes Rodríguez García-Gutierrez schon versucht. Die 57-Jährige lebt schon seit vielen Jahrzehnten in Frankfurt und ist ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende von Despierta, einem Verein, der für Gleichberechtigung und Respekt für Homosexuelle, Bisexuelle und trans Personen kämpft. Sie sucht eine liebevolle und intelligente Partnerin. Die habe sie auch auf speziellen Apps für Frauen, die Frauen kennenlernen wollen, gesucht, beispielsweise auf Wapa oder Lesarion. Dort hat sie aber nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Es gebe sehr viele Betrüger:innen, die versuchen, mit gefälschten Profilen das Vertrauen ihrer Opfer zu gewinnen, um sie dann auszunutzen oder zu bestehlen.

Sie sagt, es sei früher einfacher gewesen, als lesbische Frau andere Frauen kennenzulernen. Die Angebote für Lesben seien inzwischen eher überschaubar in Frankfurt. „Da kann man in die einzige Lesbenbar in Frankfurt, die La Gata, gehen oder ins Central. Am Donnerstag ist im Central immer Girls’ Day, aber es ist trotzdem sehr männerlastig. Da kommen sehr wenige Frauen hin.“ Warum ist das so? Sie glaubt, dass potenzielle Gastronom:innen sich nicht trauen, Angebote für Lesben zu machen, weil die weniger ausgingen und zu wenig konsumierten.

„Ich glaube ja, die Nachfrage wäre schon da, aber die Frauen die mutig genug wären, ein Lokal zu eröffnen, die gibt es einfach nicht.“ Viele lesbische Lokale hätten in der Vergangenheit geschlossen, weil sie zu wenig verdient haben. Es gebe nur noch wenige Events speziell für Frauen. Und in Clubs, die sich nicht speziell an die LGBTQI+-Community richten, werde man als lesbische Frau oft angeglotzt.

Trotzdem seien viele aus der Community der Meinung, man bräuchte keine extra Clubs für sie, weil die Gesellschaft schon toleranter geworden sei. Rodríguez García-Gutierrez geht es aber nicht nur darum, Orte zu haben, wo weniger Diskriminierung zu erwarten ist. Es sei einfacher, auf andere Frauen zuzugehen, wenn man die Sicherheit hat, dass sie auch an Frauen interessiert sind. Despierta will im neuen Jahr im Lesbisch-Schwulen Kulturhaus (LSKH) einen monatlichen Billardsonntag anbieten, wo hauptsächlich Singlefrauen eingeladen sind. Dann gibt es immerhin ein Angebot mehr für lesbische Frauen.

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