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Frankfurt: Queere Szene sieht erste Erfolge

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Von: Timur Tinç

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Die queere Szene sieht die Bemühungen der Polizei positiv.
Die queere Szene sieht die Bemühungen der Polizei positiv. © Renate Hoyer

Opfer eines homophoben Angriffs berichtet über wachsendes Vertrauen gegenüber der Polizei. Polizeipräsident Stefan Müller berichtet über gestiegene Zahl von gemeldeten Delikten im Diversitätsausschuss.

Manuel Irlbeck bekommt immer noch Beleidigungen und Bedrohungen gegenüber queeren Menschen am Regenbogenkreisel in der Frankfurter Innenstadt mit. „Aber es kommt zu keinen schweren körperlichen Verletzungen mehr“, sagte er am Donnerstag im Ausschuss für Diversität, Beteiligung, Zusammenhalt und Europa. „Das ist in meinen Augen ein Fortschritt.“ Irlbeck ist im Juli dieses Jahres bei einem homophoben Angriff in der Elefantengasse der Kiefer gebrochen worden. Seitdem besucht er regelmäßig den Ausschuss, um den Stadtverordneten eindringlich ins Gewissen zu reden, sich gegen Queerfeindlichkeit zu engagieren.

Im Beisein vom Frankfurter Polizeipräsident Stefan Müller erzählte er am Donnerstag, dass die Polizei alles daran setze, um die Akzeptanz innerhalb der Szene zu verbessern. „Sie zeigt nicht nur Präsenz auf der Straße, sondern sie versucht auch, an die Szene ranzukommen“, lobte Irlbeck. Die Leute würden langsam anfangen, Vertrauen aufzubauen.

Ende November gab es ein Treffen von 25 Aktivist:innen aus der Szene mit der Polizei und der Frankfurter Antidiskriminierungsstelle, das nach Meinung aller Beteiligten sehr gut gelaufen sei. „Seit den Vorfällen ist sehr viel für die queere Community passiert“, sagte Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne).

Die Koordinierungsstelle, die eingerichtet wurde, mache eine super Arbeit. Sie sei auch dem Polizeipräsidenten für seine Offenheit dankbar, betonte Eskandari-Grünberg. „Es gibt viele Möglichkeiten, zusammenzuarbeiten.“

Es seien zwei Arbeitsgruppen gebildet worden, berichtete Polizeipräsident Müller, um zusammen mit der queeren Szene für Verbesserungen am Regenbogenkreisel zu sorgen. „Der Trend ist in diesem Jahr, dass die Gewaltausübung größer war als in den Jahren zuvor“, sagte Müller. Es habe mehrere gefährliche Körperverletzungsdelikte gegeben. Dieses Jahr seien 34 verschiedene Delikte angezeigt worden, vergangenes Jahr waren es 20.

„Wir sehen das als eine Aufhellung des Dunkelfelds, weil auch Vorbehalte gegen die Polizei bestanden“, betonte Müller. Wenn es gelinge, diese Hürden abzubauen, sei er optimistisch, dass das Vertrauen zur Polizei wieder größer wird.

Irlbeck betonte abschließend, dass er den Eindruck habe, dass die Polizei oft als Prügelknabe herhalten musste. „Die Polizei ist so eine Art Feuerwehrmann, sie kann kommen und den Brand löschen, aber sie kann ihn nicht verhindern“, sagte Irlbeck. Die Bekämpfung der Queerfeindlichkeit sei ein gesellschaftliches Thema auf allen Ebenen. Nach dem Aufschrei im Sommer habe es jedoch auch Workshops bei der Polizei im Umgang mit queerfeindlichen Angriffen gegeben und auch hier sehe man erste Erfolge.

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