1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Queere Akzente und Hommage an eine Filmlegende

Erstellt:

Kommentare

Der Pianist Itay Dvori gibt am 6. September ein Comic-Konzert.
Der Pianist Itay Dvori gibt am 6. September ein Comic-Konzert. © Peter C. Theis

Das am Sonntag4. September, beginnende Filmfestival öffnet sich gesellschaftlichen Debatten und Diversität. Höhepunkt dürfte eine Würdigung für den Filmproduzenten Artur Brauner werden.

Die Jüdischen Filmtage Frankfurt wollen in diesem Jahr besonders auf allgemeine politische Entwicklungen Bezug nehmen. So legt das Festival unter anderem einen Fokus auf ukrainische, postsowjetische und osteuropäische jüdische Lebenswelten. Doch nicht nur das: Auch queere israelische Akzente werden im Programm gesetzt, zum Beispiel mit dem brandneuen, 2022 erschienen Film „Concerned Citizen“. Er handelt vom erschütterten Selbstverständnis eines schwulen Paares in einem gentrifizierten Viertel im Süden Tel Avivs.

Im Zuge der Filmtage ist die Gemeinde zum ersten Mal eine Kooperation mit dem Queer Film Festival eingegangen. Somit sind die Filmtage „nicht nur eine Insel im großen Ozean, sondern eingebunden in die vielfältige Stadtgesellschaft“, betont Marc Grünbaum, der als Kulturdezernent der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt das Festival kuratiert. Das Programm sei genreübergreifender als zu Anfangszeiten. „Insgesamt ist die Auswahl der Filme offener, diskursiver und diverser“, fügt er hinzu. Dass die Jüdischen Filmtage grundsätzlich ihren Horizont erweitert haben, wird auch daran sichtbar, dass nicht nur Filme gezeigt werden. So widmet sich der Pianist Itay Dvori in seinem mit Graphic Novels unterlegten Konzert den Biografien von fünf prägenden deutsch-jüdischen Frauen des 20. Jahrhunderts.

„Darüber hinaus“, ergänzt Grünbaum, „freuen wir uns auf weitere Programmhöhepunkte – insbesondere darauf, Alice Brauner in Frankfurt begrüßen zu dürfen und damit das Leben ihres Vaters Artur Brauner, eines einzigartigen jüdischen Filmproduzenten der Nachkriegszeit, zu würdigen.“

Das Programm

Die Jüdischen Filmtage werden am Sonntag, 4. September, 17.30 Uhr mit „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ im Deutschen Filmmuseum Frankfurt eröffnet. Sie enden am 18. September.

Ein Highlight dürfte die szenische Lesung mit Konzert von Alice Brauner, Tochter des bekannten Filmproduzenten Artur Brauner, zur Erinnerung an den Vater am Sonntag, 11. 9., werden.

Auch das Comic-Konzert „Vor allem eins: Dir selbst treu“ des Pianisten Itay Dvori im Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum am Dienstag, 6.9, 19 Uhr, zählt zu den diesjährigen Besonderheiten.

Ausführliche Informationen und weiterführende Links zu den Tickets gibt es online auf der Website der Jüdischen Filmtage unter https://juedische-filmtage.com. prlg

Doch auch die wechselvolle jüdische Geschichte im 20. Jahrhundert lassen die Filmtage nicht außer acht. Der Film „April 7, 1980“ etwa erzählt die wahre Geschichte einer Nacht, in der Terroristen in einen Kibbuz eindrangen, um Geiseln zu nehmen. Mit der Dokumentation „Babyn Jar. Kontext“ nimmt Sergei Loznitsa mithilfe von Archivaufnahmen eines der schlimmsten Verbrechen des 20. Jahrhunderts in den Blick. Beim Massaker von Babyn Jar ermordete die Wehrmacht 1941 mehr als 33 000 jüdische Menschen.

Die besondere Handschrift, also das Hin zu mehr Diversität, bestimmt das diesjährige Programm, das die klassischen Klischees weniger bedienen möchte. „Die Jüdischen Filmtage öffnen den Blick für gesellschaftspolitischen Debatten und Krisen der Gegenwart und gewähren zugleich Einblicke in historische Kontexte jüdischen Lebens. Sie stehen für sichtbare Vielfalt“, sagt lna Hartwig, Kultur- und Wissenschaftsdezernentin. Die Jüdischen Filmtage seien zu einer festen Institution in Frankfurts Kulturlandschaft gereift, die gerade durch ihre Kontinuität ihre Relevanz beweisen.

Marc Grünbaum ist es wichtig zu betonen, dass „es nicht immer darum geht, etwas zu bewirken“. Stattdessen stellt er anderes in den Vordergrund: „Wir wollen Begegnungsmomente und Orte schaffen, die Menschen bereichern.“ Die Gemeinde will so auf einer persönlichen Ebene mit der Stadgesellschaft in Kontakt kommen.

Alice Brauner, Tochter des legendären Filmproduzenten Artur Brauner, erinnert mit einer Lesung und einem Konzert an ihren Vater.
Alice Brauner, Tochter des legendären Filmproduzenten Artur Brauner, erinnert mit einer Lesung und einem Konzert an ihren Vater. © Daniela Incoronato

Auch interessant

Kommentare