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Frankfurt: Putin-Fans treffen sich am Opernplatz

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Von: Timur Tinç

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Immer wieder gibt es auch pro-russische Kundgebungen wie hier am 10. April in Frankfurt. Renate Hoyer
Immer wieder gibt es auch pro-russische Kundgebungen wie hier am 10. April in Frankfurt. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Die ukrainische Community und das Bündnis Frankfurt for Ukraine rufen zur Gegendemo am Roßmarkt auf.

Sympathisant:innen des russischen Präsidenten Wladimir Putin rufen für den kommenden Sonntag, 13 Uhr, zu einer Demonstration am Frankfurter Opernplatz auf. Eine ukrainische Gegendemonstration ist um 12 Uhr am Roßmarkt geplant. In dem russischen Demonstrationsaufruf heißt es „Für Frieden, Freiheit, Freie Meinung“ und „Gegen Propaganda, Sanktionswahnsinn und Waffenlieferung“. Unter ähnlichem Deckmantel hatten sich im April 800 russische Nationalist:innen und Putin-Fans nach dem Ausbruch des russischen Angriffskrieges in der Frankfurter Innenstadt versammelt. Einen Monat später waren es nur noch 300.

„Die Russen haben ihre Taktik geändert“, hat Igor Smeljanski festgestellt. Er ist vom Verein Perspektive Ukraine, der die Gegendemonstration angemeldet hat. Im Frühjahr hieß es noch, die Ukraine müsse entnazifiziert werden, und Russland und die Ukraine seien Brüdervölker. „Dieses Mal wollen sie mit deutschen Flaggen kommen und Gruppen vom linken und rechten Rand mobilisieren, um Stimmung gegen die Ukraine zu machen, weil sie angeblich Schuld an der Verarmung Deutschlands ist“, sagt Smeljanski. Er und sein Verein wollen betonen, dass die Ukraine ein europäischer Staat sei, der die westlichen Werte an der Front verteidigt.

Zu den Organisationen, die zur Demo aufgerufen haben, zählte bis vor kurzem auch der Kinderschutzbund Stralsund aus Mecklenburg-Vorpommern. Erst nach einem Anschreiben von Aktivistinnen und Aktivisten aus Frankfurt hatte der Bundesverband davon erfahren.

Kurz darauf verschwand der Kinderschutzbund vom Flyer. Es handelte sich laut dem Bundesverband um einen Alleingang der Vorsitzenden, die gleichzeitig Mitglied der Partei „Die Linke“ ist. Jetzt sind verblieben: die Partei „Einheit“, ein Ableger der Putin-Partei „Einiges Russland“; Medvedi, die Bären, eine Rockergruppe; Und zwei Vereine.

Einer davon nennt sich „Erinnerung für die Zukunft“ und wurde vor drei Jahren in Köln gegründet. Erst in diesem Sommer ist „Der Verband der Russlanddeutschen in Hessen“ ins Leben gerufen worden. Die Namen im Vereinsregister lassen darauf schließen, dass es sich um eine Familie handelt. Eine Internetseite oder Ähnliches ist nicht vorhanden.

Die Interessengemeinschaft der Deutschen aus Russland in Hessen (IDRH) sah sich deshalb gezwungen, eine Pressemitteilung zu veröffentlichen. „Wir betonen nachdrücklich, dass wir in keinster Weise mit vergangenen und angekündigten prorussischen Demonstrationen in Verbindung stehen“, heißt es darin. Ebenso distanziere man sich vom Verband der Russlanddeutschen in Hessen, für dessen Initiative man keine Verantwortung trage. „Mit Bedauern und Wut stellen wir fest, dass ebendieser Verband versucht, russlanddeutsche Stimmen für propagandistische Zwecke zu gewinnen.“ Michael Rubin beobachtet diese Entwicklungen schon länger und hat im Frühjahr das Bündnis „Frankfurt for Ukraine“ mit ins Leben gerufen, dem sich viele Parteien, Vereine und Organisationen angeschlossen haben. „Wir überlassen Frankfurt nicht den Kriegstreibern“, lautet das gemeinsame Motto.

Für Samstagnachmittag ruft das Bündnis auf, zum Opernplatz zu kommen und ihn mit ukrainischen Slogans und mit gelber und blauer Kreide zu bemalen. „Wir beobachten, dass sich die verschiedenen Szenen zusammengeschlossen haben. Die Pro-Kriegs-Fraktion, ,Querdenker‘ und Antisemiten“, sagt Rubin, der auch Koordinator der Botschaft des Volkes von Belarus in Deutschland ist.

Vor allem in Frankfurt und in Nordrhein-Westfalen erwartet er in den kommenden Wochen weitere konzentrierte Aktionen. In russischsprachigen Gruppen würden demnach Tipps gegeben, wo man am besten in der Nähe der Alten Oper parken könne, damit möglichst viele Menschen anreisen.

Das Frankfurter Ordnungsamt hat bereits ein Koordinierungsgespräch mit den Anmelder:innen der Demo am Opernplatz geführt, die 1500 Personen erwarten. Eine genaue Route durch die Innenstadt soll noch festgelegt werden. Es werden die gleichen Auflagen gelten wie bei vorherigen Demos von Putin-Fans. Unter anderem ist das Zeigen von Kriegssymbolen untersagt. „Wir erwarten, dass es trotzdem zu Provokationen kommen wird“, sagt Igor Smeljanski. Er hofft auf eine breite Unterstützung der Frankfurter Bevölkerung für die Gegendemo.

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