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Frankfurt: Psychiatriewoche soll aufklären

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Von: Steven Micksch

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An Infoständen präsentierten sich Gruppen und Hilfsangebote.
An Infoständen präsentierten sich Gruppen und Hilfsangebote. Oeser © Rolf Oeser

Vorträge, Kunst, Workshops und Sportangebote rund um psychische Erkrankungen.

Bei schätzungsweise einem Drittel aller Menschen tritt im Zuge ihres Lebens eine psychische Auffälligkeit auf. Rechnet man noch Angehörige dazu, steigt die Zahl derer, die mit einer solchen Krankheit in Kontakt kommen nochmals deutlich. Trotz hoher Betroffenenzahlen gehen psychische Erkrankungen immer noch mit vielen Stigmata einher. Diese abzubauen und über Therapien und Krankheiten aufzuklären, ist Ziel der Frankfurter Psychiatriewoche, deren 33. Auflage viele Angebote bis zum 16. September bietet.

Magistratsmitglied Elke Voitl (Grüne) sprach bei der Eröffnungsfeier am Klinikum Höchst stellvertretend für den abwesenden Gesundheitsdezernenten Stefan Majer. Sie wies darauf hin, dass die Veranstaltung in diesem Jahr wichtiger sei denn je. Mit der seit zwei Jahren herrschenden Corona-Krise, dem Angriffskrieg auf die Ukraine und dem bevorstehenden Energieproblem im Winter gebe es eine Vielzahl Themen, die bei den Menschen zu Sorgen und Ängsten führten. Sie lobte die Möglichkeiten der Selbsthilfe, die in diesem Jahr im Fokus der Auftaktveranstaltung lag. Sie leiste einen großen Beitrag zur Verbesserung der Situation von Betroffenen.

Sibylle Roll, Leiterin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Höchst, ergänzte, die Selbsthilfe zeige neue Wege auf, mit der Krankheit umzugehen und verbessere dadurch die Lebensqualität der betroffenen Menschen.

Das Programm

Die Angebote der Frankfurter Psychiatriewoche befinden sich vom 7. bis 16. September an verschiedenen Stellen in der Stadt und darüber hinaus.

Eine Kunstausstellung ist täglich zwischen 10 und 18 Uhr in der Bornheimer Kirche St. Josef (Eichwaldstr. 41) zu sehen. Es werden Werke von psychisch Erkrankten gezeigt.

Am Freitag (9.9.) gibt es um 14 Uhr einen Vortrag über „Psychische Gesundheit während Pandemie und Krieg – wie kann ich mich selbst gesund erhalten“. Klinik Bamberger Hof, Mittelweg 49.

Einen digitalen Vortrag über Cannabis gibt es am Samstag (10.9.) um 13 Uhr. Er wird per Videokonferenz veranstaltet. Anmeldung per E-Mail an med-can@zis-hamburg.de

Alle Termine unter www.bit.ly/psy-woche im Internet. mic

Anschließend kamen auch Beteiligte der Selbsthilfe zu Wort. Alexander Kummer leitet eine Peer-to-Peer-Beratung, bei der er als Schizophreniepatient andere Betroffene trifft, mit ihnen redet und einen anderen Zugang zu ihnen bekommt. Er bilde eine Art Bindeglied zwischen Klinik und Patient:in, sagt er und findet, dass er gar nicht viel leistet: „Ich rede einfach mit ihnen, worüber sie reden wollen.“ Doch indem er sein Wissen weitergebe und ein starkes Vertrauensverhältnis aufbaue, helfe er vielen Menschen, würdigte Roll seine Arbeit.

Natalie und Johannes sind Teilnehmer:innen der jungen Selbsthilfe, die sich speziell an junge Menschen richtet. Beide leiden unter Depressionen und Angststörungen. Natalie schätzt an ihrer Gesprächsselbsthilfegruppe, dass sie unter Gleichgesinnten ist, die endlich verstünden, welche Dinge sie beschäftigen. Die Gruppe sei für sie auch wichtig, weil sie sich aufraffe, um an den Treffen teilzunehmen, obwohl sie sonst für vieles nur wenig Motivation aufbringe. Johannes erklärt, seine Gruppe biete ihm Struktur und einen festen Termin, an den er sich halte. Die Gruppe sei eine Stütze, auch wenn sie keine Therapie ersetze. Natalie ist froh, dadurch wieder soziale Kontakte zu haben und nicht mehr vollständig zurückgezogen zu sein.

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