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Wärmen, verpesten aber auch die Umwelt: Heizpilze auf der Freßgass. 

Petition

Frankfurt prüft Verbot von Heizpilzen

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Im Bürgerbeteiligungsportal hat die Idee des Verbots viele Unterstützer. Deswegen will der Magistrat über die Petition diskutieren. Die Gastronomie sagt, das Beheizen sei notwendig.

Stefan Kruse findet, dass es sich bei Heizpilzen „um eine sinnlose Umweltverschmutzung“ handelt. Er ist einer der Unterstützer der Petition „Heizpilze in der Gastronomie verbieten“. 218 Menschen haben sich auf dem Bürgerbeteiligungsportal der Stadt „FFM Frankfurt fragt mich“ für ein Verbot ausgesprochen. Wenn es für eine Idee mehr als 200 Unterstützer gibt, wird sie zunächst vom Fachdezernat geprüft. Das ist bereits geschehen, nun geht es einen Schritt weiter.

Bürgermeister Uwe Becker (CDU) sagt: „Mit Erreichen des notwendigen Quorums geht der Vorschlag zum Verbot von Heizpilzen nun zunächst an den Magistrat und dann an die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung.“ Dort werde in den nächsten sechs Monaten politisch zu entscheiden sein, ob die Idee umgesetzt werde. „Aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, wenn man eine Alternative zu Heizpilzen finden würde, denn diese verursachen zusätzliches CO2“, sagt Becker.

Darmstadt

Bei einem Rundgang  durch die Darmstädter Innenstadt stellt sich heraus, dass es in der Stadt eigentlich keinen Handlungsbedarf gibt, gasbetriebene Heizpilzen oder Infrarotstrahler zu verbieten. In den Außenbereichen in der Fußgängerzone war am Freitagmittag kein einziger Heizpilz zu sehen.

Das Umweltamt  der Stadt will nun gleichwohl ein Verbot prüfen. Dem Hessischen Rundfunk teilte das Amt mit, weil nicht alle Gastronomen einer entsprechenden Empfehlung folgten, auf die Geräte zu verzichten, solle nun „vor dem Hintergrund des Klimaschutzes geprüft werden, ob eine entsprechende rechtliche Handhabe gegen den Betrieb solcher Geräte besteht, um diese schnellstmöglich aus dem Stadtbild zurückzudrängen“.

Reiner Heiß, der Betreiber des Traditionsgasthauses „Bockshaut“ sagte der FR, er halte nichts von einer „Überregulierung“. Er rät der Stadt, weiter mit den Gastronomen zu sprechen anstatt neue Verbote zu prüfen. (jjo)

Auf der Plattform schreibt die Initiative: „Bei maximaler Leistung von 14 Kilowatt stößt ein Heizpilz bis zu 3,5 Kilogramm Kohlendioxid pro Stunde aus – bei einer durchschnittlichen Betriebsdauer von 36 Stunden in der Woche entstehen so bis zu vier Tonnen Kohlendioxid pro Jahr.“ Das entspreche dem Ausstoß eines Neuwagens, der 20 000 Kilometer im Jahr fahre. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert seit Jahren, dass Heizpilze umwelt- und klimaschädlich seien. Strombetriebene Infrarotstrahler seien genauso schädlich wie Heizpilze, die mit Gas laufen. In manchen anderen Großstädten wie Berlin und München sind Heizpilze zumindest im Winter in der Gastronomie bereits verboten. In der Frankfurter Innenstadt hingegen sieht man noch vor vielen Bars und Cafés, ob nun auf der Freßgass, an der Börse oder unweit der Hauptwache, viele Heizpilze.

Becker sagt allerdings auch: „Man muss auch die Interessen von Gaststätten und Restaurants berücksichtigen, für deren Außengastronomie Wärmequellen in der kälteren Jahreszeit wichtig sind. Dies wird alles in der anstehenden politischen Debatte berücksichtigt.“ Und was hält die Gastronomiebranche von einem möglichen Verbot? Kerstin Junghans, Geschäftsführerin vom Hotel- und Gastronomieverband Dehoga Frankfurt, sagt: „Wir wünschen uns, dass die Stadt mit den Gastronomen gemeinsam nach Lösungen sucht. Sind Decken wirklich eine Alternative oder reicht es vielleicht, die Anzahl der Heizpilze in einer Gaststätte einzuschränken?“, so Junghans.

Sie weist zudem darauf hin, dass das Gästeverhalten sich in den vergangenen Jahren verändert habe. „Die Leute wollen auch im Winter, wenn nur ein, zwei Sonnenstrahlen zu sehen sind, draußen sitzen.“ Das seien schon lange nicht mehr nur die Raucher, sondern eben auch die Nichtraucher. Madjid Djamegari, Vorstandsvorsitzender der Initiative Gastronomie Frankfurt (IGF) sagt: „Natürlich machen wir uns in der Gastronomie Gedanken um Maßnahmen zur Verbesserung des Klimas und der Umwelt. Das Beheizen von Terrassen, aber auch von Arbeitsplätzen im Freien, wie bei Türstehern, ist notwendig.“ Die Abschaffung von gasbetriebenen Heizpilzen könne nur ersetzt werden durch den Einsatz von stromfressenden Infrarot-Heizlampen. „Zu prüfen wäre, inwiefern die CO2-Bilanz an der Stelle durch den Austausch wirklich verbessert werden kann.“ Die IGF appelliert an die Gastronomen, den Einsatz von Heizpilzen auf ein Minimum zu beschränken und alternative Maßnahmen zu prüfen.

Susanne Schierwater, Sprecherin von Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), sagt: „Wir befürworten Maßnahmen, die Energie einsparen und das Klima schützen.“ Ein Herr schreibt derweil auf dem Bürgerbeteiligungsportal: „Man nutzt Heizpilze gern. Es ist trotzdem ein Unding, die freie Luft zu heizen.“

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