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Beamtinnen sichern nach der Schießerei die Spuren.

Justiz

Frankfurt: Prozessbeginn um spektakuläre Schießerei an Konstablerwache

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Vor dem Landgericht Frankfurt beginnt der Prozess um eine spektakuläre Schießerei an der Konstablerwache.

  • Nach einer spektakulären Schießerei an der Konstablerwache in Frankfurt hat der Prozess gegen zwei Angeklagte begonnen
  • Die Schießerei am Abend des 28. Mai 2019 versetzte die halbe Stadt in Aufruhr
  • Der Prozess findet am Landgericht Frankfurt statt

Es gibt sie noch, die starken Männer. Sie haben baumstammdicke Oberarme und gucken, als hätten sie einen Leichenbestatter gefrühstückt. Sie tragen Undercut und Vollbart. Man möchte ihnen ungern nachts begegnen, aber selbst am frühen Morgen vor dem Landgericht ist es eine Begegnung der unschönen Art. So viel zu den Zuschauern.

Frankfurt: Prozessbeginn nach spektakulärer Schießerei an Konstablerwache

Die beiden Angeklagten, die sich seit Dienstag vor der 21. Großen Strafkammer wegen versuchten Totschlags und schwerer räuberischer Erpressung verantworten müssen, passen optisch hervorragend zu ihren Supportern im Zuschauerraum. Ugur Y. (41) und Süleyman T. (33) haben sich beide nach vorsichtigen Schätzungen in die Drei-Zentner-Liga hochgearbeitet, Y. vermutlich durch Hanteln, T. wahrscheinlich durch Hamburger.

Schießerei an Konstablerwache in Frankfurt: Der Tathergang

Am Abend des 28. Mai 2019 besuchten die zwei starken Männer einen Dönerladen nahe der Zeil – und versetzten dabei die halbe Stadt in Aufruhr.

Laut Anklage war es nicht der Hunger, der das massive Duo in den Laden führte. Sondern ihr Auftraggeber, der dem Dönerladenbetreiber einen Kredit von 25 000 Euro gewährt habe – zu einem Zinssatz von monatlich zehn Prozent. Das klingt happig, ist aber in Kreisen, die man freundlich als organisierte Gastronomie bezeichnen kann, auch nicht unüblich. Nun habe der Schuldner, wie die Staatsanwaltschaft ihm glaubt, bereits einen Betrag zwischen 40 000 und 50 000 Euro zurückgezahlt, aber dem Gläubiger habe es nach Nachschlag gelüstet. Um diesen einzutreiben, habe er Y. und T. geschickt – Letzterer habeeine halbautomatische Pistole als Argumentationshilfe mitgenommen.

Schießerei an Konstablerwache in Frankfurt: Schuldner wollte nicht zahlen

Doch der Schuldner habe nicht zahlen wollen, ein Wort habe das andere gegeben, und als der Dönerladenbetreiber Unterstützung durch Freunde bekommen habe und die Situation bedrohlich geworden sei, habe Y. seinen Kompagnon T. mit dem Ausruf „Schieß! Schieß!“ zum Handeln ermuntern wollen. „Dann schieß doch!“, habe der Schuldner gerufen, aber weil es drinnen zu eng geworden wäre, seien beide Parteien nach draußen gelaufen, die Schuldner hätten die Eintreiber verfolgt, T. habe das ganze Magazin (acht Schuss) auf seine Verfolger abgefeuert, aber nur einen von ihnen am Fuß getroffen. Anschließend sei das Inkassoduo vonhinnen geflohen und habe die Tatwaffe in einem Abflusskanal entsorgt.

Nach Schießerei an Konstablerwache in Frankfurt: Angeklagte schweigen

DiePolizei hatte am Tattag den Bereich rund um die Konstablerwache abgesperrt und dadurch die halbe Stadtbevölkerung nachhaltig verschreckt. Die Verdächtigen aber konnten kurz darauf festgenommen werden. Vor Gericht wollen sich die beiden Angeklagten nach Auskunft ihrer Verteidiger „vorerst“ nicht äußern. Der erste Verhandlungstag ist daher geprägt von der gewohnten Antragsstellungsleistungsschau der Anwälte und den Einlassungen zweier Polizisten, die der Kammer erläutern, welche Patronenhülsen bei der Spurensicherung wo genau gefunden worden seien und dass an den Splittern der zerschossenen Fensterscheiben „blutsuspekte Anhaftungen“ entdeckt worden seien – offenbar hatte einer der Verfolger es irgendwie geschafft, sich in den Daumen zu schneiden. Diese Verletzung hat es nicht in die Anklageschrift geschafft. Die Aussage des Dönerladenbetreibers wird erst für heute erwartet.

Prozess um Schießerei an Konstablerwache in Frankfurt: 6 Verhandlungstage eingeplant

Für den Prozess hat die Kammer bislangsechs Verhandlungstage angesetzt. DerVorsitzende Richter Volker Kaiser-Klan präsentiert sich nur einen Tag nach dem Ende des Marathonmordprozesses gegen Jan M. dermaßen frisch und energiegeladen, dass sogar die starken Männer im Publikum seiner Aufforderung, doch bitte auf soziale Distanz zu achten und sich im Zuschauerraum zu zerstreuen statt zu clustern, ohne Murren und Knurren nachkommen. Vielleicht halten sie aber auch nur das „Damoklesschwert von Corona“, mit dem Kaiser-Klan droht, für ein Butterflymesser, das der Vorsitzende Richter unter der Robe trägt. Das würde ihnen zumindest ähnlich sehen.

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