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Tat- und Fundort im Niddapark waren im Mai 2018 weiträumig abgesperrt.

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Frankfurt: Prozessauftakt im Niddapark-Mord

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Der Gastronom Jan. M. muss sich ab Dienstag wegen der Tötung von Irina A. verantworten. Mit einem Geständnis ist nicht zu rechnen.

Gut 15 Monate nach dem grausamen Mord im Niddapark beginnt am Dienstag (8.30 Uhr) vor dem Frankfurter Landgericht der Prozess gegen den Gastronomen Jan M. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 51-Jährigen Mord, Raub mit Todesfolge und Betrug vor. Am Morgen des 9. Mai hatte ein Spaziergänger eine übel zugerichtete Leiche gefunden. Die 29-jährige Irina A. war mit mindestens 21 Messerstichen in Brust, Nacken und Kopf getötet worden.

Der Fall hatte großes Aufsehen erregt, weil das Opfer in der Frankfurter Szene weithin bekannt war. Einer größeren Öffentlichkeit war A. nach Silvester 2017 bekannt geworden. Da nämlich hatte der nun auf der Anklagebank sitzende M. versucht, seine nicht allzu gut laufende Bar „First In“ auf der Fressgass‘ mit einem ausgedachten Sex-Mob zu promoten. Irina A., die in der Bar arbeitete, sprang ihm bei, obwohl sie zur angeblichen Tatzeit gar nicht in Deutschland war. Wegen der Sache hätten sich beide einige Wochen nach dem 8. Mai 2018 vor dem Amtsgericht verantworten sollen. Doch dazu kam es nicht mehr. Stattdessen wurde M. am 10. Mai wegen dringenden Mordverdachts festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Unweit des Tatorts fanden die Ermittler Blutspuren von ihm. Als Mordmotiv sieht die Staatsanwaltschaft Heimtücke und Habgier. M. soll dem Opfer, das 50-prozentiger Teilhaber seiner Gastro-Group war, viel Geld geschuldet haben. In einem Fall soll A. ihrem Geschäftspartner 175 000 Euro geliehen und nie zurückbekommen haben.

Die Anklage geht davon aus, dass M. die 29-Jährige am Tattag in den Niddapark unter dem Vorwand bestellte, ihr das Geld zurückzuzahlen. Der abgelegene Treffpunkt sei notwendig, weil eine ungenannte dritte Person als Geldgeber fungieren würde, soll M der 29-Jährigen vorgegaukelt haben.

Im Laufe der Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft rund 80 Zeugen aus dem Umfeld von Opfer und Tatverdächtigem befragt. Mit den Befragungen wurde vor allem der Tatvorwurf des Betrugs untermauert, weil sich M. mehrfach unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Geld lieh und dafür auch eine Urkunde gefälscht haben soll. Das First In soll M. schon im Dezember 2016 zum Verkauf angeboten und einem Interessenten mit einer gefälschten Aufstellung ein lukratives Geschäft vorgegaukelt haben.

Der 51-Jährige, gelernter Bankkaufmann und zweifacher Vater, hat in der Zeit seiner Untersuchungshaft mehrfach seine Verteidiger gewechselt. Seine jetzigen Anwälte, Gabriele Bender-Paukens und Hans Euler, kündigten im Vorfeld des Prozesses an, zum Auftakt eine Einlassung zu verlesen, in der ihr Mandant sich für unschuldig erklärt. Weitere Angaben zu ihrer Verteidigungsstrategie machten die Rechtsanwälte zunächst nicht.

Die 21. Strafkammer hat für den schon jetzt bis Januar 2020 terminierten Prozess bislang 30 Zeugen geladen. 20 weitere Zeugen könnten noch hinzu kommen, sagte der Vorsitzende Richter Volker Kaiser-Klan. Das Gericht hatte bei der Zulassung der Anklage darauf hingewiesen, dass möglicherweise auch eine Verurteilung wegen Totschlags oder aber eine besondere Schwere der Schuld festgestellt werden könnte. Letzteres könnte auf M. zukommen, wenn die Schwurgerichtskammer nach der Beweisaufnahme mehrere Mordmerkmale als erfüllt ansieht.

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