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In Frankfurt startet ein Prozess gegen eine Ärztin. (Symbolbild)
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In Frankfurt startet ein Prozess gegen eine Ärztin. (Symbolbild)

Drama vor dem Amtsgericht

Ärztin bringt eigenen Sohn zu spät ins Krankenhaus – mit gravierenden Folgen

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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In Frankfurt startet ein Prozess gegen eine Ärztin, die die Behandlung ihres Kindes verschleppte.

  • In Frankfurt startet ein Prozess gegen eine Ärztin.
  • Die Frau soll von der Erkrankung ihres Sohnes gewusst und verhindert haben, ihn korrekt behandeln zu lassen.
  • Vor Gericht zeigt sich die Ärztin verachtend.

Frankfurt – Dass es sich bei dem Fall, der am Mittwochmorgen vor dem Amtsgericht in Frankfurt verhandelt wird, um eine Tragödie handelt, macht die Anklage klar. Dass er auch noch zum Drama wird, liegt in der Natur der Angeklagten.

Frankfurt: Ärztin ließ eigenen Sohn nicht behandeln

Der 45 Jahre alten Ärztin für Allgemeinmedizin wird fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Sie soll im Spätsommer 2017 die eindeutigen Symptome ihres damals neun Jahre alten Sohnes, der unter unerkannter Diabetes litt, nicht erkannt und als vermeintlichen grippalen Infekt mit Tee, Zwieback und Traubenzucker behandelt haben. Als es dem Kind immer schlechter ging, ließ sie zwar einen Rettungswagen kommen, soll den Sanitätern aber untersagt haben, den Blutzucker des Patienten zu messen. Im Krankenhaus habe sie dann ihr Möglichstes getan, um die Arbeit der behandelnden Ärzte zu sabotieren und ihre Behandlungsmethoden zu hinterfragen. Das Kind fiel ins Koma und trug schwere Hirnschäden davon, wie auch fnp.de* berichtet. Sein Leben konnten die Ärzte retten, aber der Junge wird immer ein Pflegefall bleiben. Bei einer rechtzeitigen Behandlung, da sind sich die Mediziner sicher, hätte er seine Diabetes problemlos in den Griff bekommen können.

Prozessbegin in Frankfurt: Neun Jahre altes Kind fiel ins Koma

Zum Prozessbeginn erscheint die Angeklagte nicht. Ihren Pflichtverteidiger wundert das nicht, ihm sei es ohnehin bislang nicht gelungen, irgendeinen Kontakt zu seiner Mandantin aufzubauen, sagt er. Eine Polizeistreife wird zur Wohnung der Ärztin geschickt und meldet sich vom Einsatzort telefonisch bei Gericht: Die Frau sei zu Hause, habe sich aber in ihrer Wohnung verschanzt und weigere sich, die Tür zu öffnen. Sie sage, sie stehe wegen Corona unter Quarantäne. Ein Anruf beim Gesundheitsamt ergibt: Das stimmt nicht. Auf Antrag der Staatsanwältin stellt die Amtsrichterin einen Haftbefehl aus und faxt diesen an die zuständige Wache. Die beauftragt einen Schlüsseldienst damit, die Wohnungstür der Ärztin zu knacken. Der Prozess beginnt mit Verspätung.

Frankfurt: Ärztin zeigt ihre Verachtung für das Gericht

Als die Angeklagte in Handschellen vorgeführt wird, hinterlässt sie einen bleibenden Eindruck. Sie hat sich mit einer Arroganz gepanzert, die mitunter den Tatbestand der Beleidigung streift. Aus ihrer Verachtung gegenüber dem Gericht, der Staatsanwältin, ihrem Verteidiger und den Zuschauenden macht sie keinen Hehl. Ihre ausschweifenden Einlassungen zur Sache sind gespickt mit medizinischen Fachbegriffen, ergeben aber kaum einen Sinn.

So viel aber wird im Lauf der Verhandlung deutlich: Die Schuld am Zustand ihres Sohnes gibt sie den behandelnden Ärzten. Fehler ihrerseits sieht sie keine. Mitunter scheint sie bei ihren Aneinanderreihungen medizinischer Fachbegriffe selbst den Faden zu verlieren, dann wendet sie sich gönnerhaft an das Publikum und sagt: „Ich versuche das so zu erklären, dass sie auch alles verstehen. Sie sollen ja nicht umsonst gekommen sein.“

Prozessauftakt in Frankfurt: Ist die Ärztin überhaupt schuldfähig?

Die Richterin versucht immer wieder, der Angeklagten goldene Brücken zu bauen, sagt, dass ihr niemand eine bewusste Misshandlung ihres Sohnes vorwerfe, dass man glaube, dass sie nur das Beste für ihren Jungen gewollt habe, dass man wisse, dass sie als Mutter des Opfers ja selbst auch Opfer sei.

Aber sie vermag die Angeklagte nicht zu erreichen. Die Ärztin hat ihren Sohn seit mehr als einem Jahr nicht mehr gesehen. In sämtlichen Kliniken, die sich seit der Tragödie um den Jungen gekümmert haben – derzeit ist es eine Reha-Klinik in Bayern – hat sie mittlerweile Hausverbot.

Frankfurt: Prozess gegen Mutter – „Was soll der Unsinn? Ich bin Ärztin!“

Nach mühsamen Stunden erkennt die Richterin: „Wir sprechen nicht dieselben Sprachen.“ Ein Gutachter soll nun klären, ob die Ärztin überhaupt schuldfähig ist. Die Richterin fragt sie, ob sie sich freiwillig untersuchen lassen würde. Die Ärztin verneint. Dann muss es unfreiwillig sein – die Untersuchung wird gerichtlich angeordnet. Niemand im Gerichtssaal hat Zweifel daran, dass die Frau dringend psychiatrischer Hilfe bedarf – außer ihr selbst. Sie betont: „Was soll der Unsinn? Ich bin Ärztin!“

In einem anderen Fall stand ein Soziologie-Doktorand wegen massiver Belästigung einer Dozentin in Frankfurt vor Gericht. Von Stalking wollte er aber nichts wissen. (Stefan Behr) *fnp.de und fr.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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