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Frankfurt: Proteste vor dem russischen Konsulat

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Antonia Martynenko protestiert vor dem Konsulat. Foto: G. Hullmann
Antonia Martynenko protestiert vor dem Konsulat. © G. Hullmann

Menschen aus Deutschland, Russland und der Ukraine sammeln sich seit dem frühen Morgen.

Nachdem am frühen Donnerstagmorgen russische Bodentruppen in die Ukraine eingedrungen waren, stand für Stanislav fest: „Ich kann nicht zur Arbeit gehen, wenn das meinem Land passiert.“ Der gebürtige Ukrainer steht seit neun Uhr früh gegenüber dem russischen Konsulat, um seine Schultern hängt die ukrainische Flagge. „Meine Eltern sind in der Ukraine“, berichtet er auf Englisch, aber er habe Vertrauen in die Armee, der er Geld spendet. Bei dem Krieg gehe es nicht um Russland und die Ukraine, sondern um Demokratie und Menschlichkeit, führt er weiter aus.

Neben Stanislav haben sich zwölf weitere Menschen in der Eschenheimer Anlage mit Plakaten eingefunden. Manche reden, die meisten schweigen jedoch und lassen ihre Schilder für sich sprechen. Die Botschaften sind häufig auf Deutsch und Russisch formuliert.

Auf Alexey Weizmanns Schild steht das Wort „Schande“ in beiden Sprachen. Weizmanns Frau stammt aus der Ukraine, Teile der Familie leben noch dort. „Ich kann es nicht fassen: Was gestern noch unmöglich erschien, ist heute Realität“, beschreibt Weizmann seine Gefühle. Dass die Armee bereits so weit vorgerückt sei, bereite ihm große Sorgen. Der Protest sei nicht für das Konsulat, sondern für die Passanten, erklärt er.

Diese reagierten zumeist freundlich und anerkennend, aber manche würden die Protestierenden auch beschimpfen, erzählen Weizmann und Umstehende. Die meisten Personen schauen vor allem neugierig auf die Schilder, während sie für den Kaffee in der Mittagspause anstehen. Renata Berlin hat versucht, mit Personen zu reden, die einen Termin beim russischen Konsulat haben. „Sie sagen, dass wir lügen und falsche Nachrichten haben.“ Da gebe es kein Rankommen, resümiert sie.

Gegen halb eins kommt ein Polizeiwagen und entfernt ein Schild, das am Zaun des Konsulats steckt. Es fordert: „Stand with Ukraine.“ Schilder dürfen nicht angebracht werden, erinnert ein Polizist die Protestierenden.

Für Antonia Martynenko ist der Protest nur durch Beruhigungsmittel möglich. Am Morgen habe sie eine Panikattacke gehabt, sagt die junge Russin auf Englisch. Ihre Eltern leben in Russland, und die Familie hat Freunde in Kiew. Martynenko übersetzt die russische Botschaft auf ihrem Schild. „Russland ohne Putin ist eine Welt ohne Krieg.“

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