Die Demonstranten auf dem Weg zum Polizeipräsidium.  
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Die Demonstranten auf dem Weg zum Polizeipräsidium.  

Black Lives Matter

Frankfurt: „Der Protest vereint die ganze Welt“

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Rund 300 junge Menschen protestieren in der Frankfurter Innenstadt gegen Rassismus und Polizeigewalt. Sie kritisieren strukturellen Rassismus bei der deutschen Polizei.

Der Protest beginnt mit Jubel und dröhnenden Hip-Hop-Beats. Gegen 16.30 Uhr schallt das Lied „Adriano“ über die Hauptwache, 2001 vom Musikprojekt „Brothers Keepers“ veröffentlicht, um an den Mozambikaner Alberto Adriano zu erinnern. Adriano war vor genau zwanzig Jahren, im Juni 2000, in Dessau in Sachsen-Anhalt von Neonazis zu Tode geprügelt worden. Die etwa 300 jungen Leute, die sich in der Frankfurter Innenstadt versammelt haben, kennen den Song. Sie wippen zur Musik mit, jubeln und recken ihre Fäuste in die Höhe. „No Justice, No Peace“ steht auf ihrem Fronttransparent – kein Frieden ohne Gerechtigkeit.

Es ist eine kraftvolle Demonstration gegen Rassismus und Machtmissbrauch, die an diesem frühen Mittwochabend durch die Innenstadt zieht. Die Initiative „BeheardFFM“ hat zu einem „Marsch gegen Polizeigewalt“ aufgerufen, rund 300 überwiegend nichtweiße Menschen haben sich angeschlossen. Sie ziehen mit lauter Musik von der Hauptwache durch das Nordend bis zum Frankfurter Polizeipräsidium. Immer wieder skandieren sie „Black lives matter“ und „Enough is enough“ – genug ist genug. Und immer wieder rufen sie den Namen des schwarzen US-Amerikaner George Floyd, der Ende Mai in Minneapolis von einem weißen Polizisten getötet worden war. Floyds qualvoller Tod hatte weltweite Empörung ausgelöst.

Auch Kasey Dillard hat sich dem Protestzug angeschlossen. „Ich kann gerade nicht viel für meine Leute zu Hause tun“, sagt die junge, schwarze US-Amerikanerin auf Englisch. „Ich bin so froh, dass auch die Deutschen ihren Kampf unterstützen.“ Es sei wichtig, für mehr Bewusstsein beim Thema Rassismus zu sorgen, sagt Dillard, auch in Frankfurt und Deutschland. „Für mich fühlt es sich an, als würde dieser Protest die ganze Welt vereinen.“

Gegen 17.30 Uhr erreicht die Demonstration das Polizeipräsidium und verwandelt sich dort in eine Kundgebung. Mehrere Rednerinnen und Redner kritisieren strukturellen Rassismus in der deutschen Polizei, berichten von eigenen schlechten Erfahrungen und fordern unter anderem eine unabhängige Beschwerdestelle für Polizeigewalt. „No justice, no peace“ tönt es aus Hunderten Kehlen über die Adickesallee.

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