+
Gemeinsame Protestaktion und Demonstration von Attac, Fridays For Future (FFF) und Extinction Rebellion (XR) in der Sonnemannstraße in Frankfurt. Attac-Aktivistin mit Lagarde-Maske vor der EZB.

Klimaprotest

Frankfurt: Protest für die ökologische Wende vor der EZB

  • schließen

„Fridays for Future“, Attac und „Extinction Rebellion“ demonstrieren vor der EZB in Frankfurt. Deren neue Präsidentin Christine Lagarde soll für mehr Klimaschutz kämpfen.

Selbst wenn Christine Lagarde, die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, an diesem Freitag in ihrem Büro wäre: Von ganz oben aus dem EZB-Turm könnte sie nicht sehen, was sich unten auf der Straße tut. Zu grau und wolkenverhangen ist der Himmel, von unten kann man nicht einmal die Spitze der EZB erkennen. Aber Lagarde ist gar nicht da an ihrem ersten offiziellen Tag im neuen Job. Erst am kommenden Montag werde sie in Frankfurt erwartet, wie eine EZB-Sprecherin bestätigt.

Dafür sind andere gekommen, um Lagarde schon mal aufzufordern, mehr für den Klimaschutz zu tun. Gegen Mittag hat sich ein Dutzend Aktivistinnen und Aktivisten von Attac vor die Zentralbank gestellt, in orangenen Westen und mit Fahnen in den Händen. Eine Aktivistin trägt einen grauen Hosenanzug und eine Lagarde-Maske vor dem Gesicht, vor ihr stehen zwei überdimensionierte Einkaufstüten. Aus der einen gucken ein Auto und ein Atommeiler heraus, aus der anderen ein Zug und ein Windrad. „Lagarde, kauf keine Klimakiller, kauf sozial-ökologisch“, steht auf einem Transparent.

„Wir sind hier, weil wir von Lagarde fordern, dass sie eine an sozialökologischen Kriterien orientierte Geldpolitik macht“, sagt Frauke Distelrath, Sprecherin von Attac. Die EZB müsse aufhören, Anleihen von „Klimakillern“ zu kaufen und stattdessen den ökologischen Umbau der Wirtschaft stärken. Man wolle politischen Druck erzeugen, zumal Lagarde das Klimathema eigentlich durchaus auf dem Zettel habe.

„Fridays for Future“ demonstrieren vor der EZB

Plötzlich wird es laut. Von Osten, von der Hanauer Landstraße, nähert sich der Demozug der „Fridays for Future“, die ihre wöchentlichen Klimaproteste wegen Lagardes Amtsantritt ebenfalls vor die EZB verlegt haben. Die etwa 100 meist jungen Leute sind vom Römer bis ins Ostend gezogen. „Change the system, not the climate“ rufen sie in den Nieselregen, „EZB raus aus der Kohle“. Auf ihrem Transparent steht: „Wäre die Erde eine Bank, hättet ihr sie längst gerettet“.

Die Demo stoppt für einige Minuten vor dem Haupteingang der EZB, singend und skandierend. Ein Aktivist trägt vier Forderungen an die EZB vor: Die Zentralbank solle aufhören, direkt oder indirekt fossile Energien zu fördern, sie solle die Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens als ihre oberste Priorität verstehen und einen sozialökologischen Umbau der Wirtschaft fördern. Außerdem, so sagt es der junge Mann unter dem Jubel seine Mitstreiter, gehöre die EZB demokratisiert und der Kontrolle durch das Europäische Parlament unterworfen. Denn derzeit fördere die EZB „den Untergang dieser Erde“, sagt der Aktivist. „Klingt pathetisch, ist aber leider so.“ Dann nimmt sich einer von Attac das Mikrofon und sagt, wie wichtig es sei, die frühere IWF-Direktorin Lagarde unter Druck zu setzen, damit sich was tue beim Klimaschutz. „Und deshalb ist es gut, dass wir hier sind.“

Und während „Fridays for Future“ weiterzieht, kommt noch eine weitere Gruppe am EZB-Gebäude an: Es sind etwa 40 Leute von der Protestbewegung „Extinction Rebellion“ mit Topfpflanzen, bunten Tüchern und Fahnen. Kurz bleiben sie auf der Straße stehen, bis die Polizei sie auffordert, doch bitte weiterzugehen und nicht die Kreuzung zu blockieren. Wenige Minuten später steht die EZB wieder ganz allein im Nieselregen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare