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Frankfurt: Protest gegen Lehrkräftemangel

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Von: Sandra Busch

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Kultusminister Lorz trifft auf demonstrierende Grundschulkinder – sie wollen mehr Lehrerinnen und Lehrer. monika müller
Kultusminister Lorz trifft auf demonstrierende Grundschulkinder – sie wollen mehr Lehrerinnen und Lehrer. monika müller © Monika Müller

Kinder und Eltern der Zentgrafenschule beschweren sich über Unterrichtsausfall und fehlende Lehrkräfte beim Kultusminister.

Sie warten vor der Evangelischen Akademie auf dem Römerberg auf Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Schilder haben die Eltern und Kinder der 3b der Zentgrafenschule am Dienstagabend mitgebracht, „Mehr Lehrer statt leerer Worte“ steht da etwa drauf. Oder „Wir brauchen Hilfe“. Denn in der Klasse wie auch in der gesamten Schule „fällt regelhaft Unterricht aus“, sagt Mutter Tanja Kracht. Eine Klassenlehrerin hat die 3b seit den Sommerferien nicht mehr. „Wir wollen Lorz klarmachen, dass wir zu wenige Lehrerinnen und Lehrer haben“, sagt Kracht.

Lorz soll an diesem Abend an einer Podiumsdiskussion über Bildungsgerechtigkeit teilnehmen. Doch er lässt auf sich warten. Die Kinder üben den Protest mit Trillerpfeifen und Sprechchören wie „Wir brauchen Lehrer“. Die sind dringend nötig. „Musikunterricht heißt, es wird Musik angedreht, und die Kinder können malen“, sagt Kracht. Und in der Seckbacher Ganztagsschule ist etwa an einem Nachmittag in der Woche der Unterricht komplett gestrichen. „Das ist eine Notmaßnahme“, sagt Mutter Angela Strothmann. Aber: „Der Notfall ist normal geworden“, sagt Vater Jan-Peter Heise. Man sei schon froh, wenn überhaupt noch jemand in der Klasse sei. „Von ausgebildeten Lehrkräften sind wir da weit entfernt.“ Das macht die Eltern wütend.

In anderen Schulen in Frankfurt sieht es ähnlich aus. Erst kürzlich mahnte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Personalsituation an den Schulen an. Der Bezirksverband Frankfurt bekomme täglich von Schulen berichtet, dass die für die Abdeckung des Unterrichts notwendigen Lehrkräfte fehlten. Es werden Pensionär:innen zurückgeholt, Studierende eingesetzt. Unterricht fällt trotzdem aus. Und Schulleitungen beklagen sich auch darüber: Wenn sie an Vertretungskräfte kommen, dann braucht das Staatliche Schulamt Wochen oder Monate, um die Verträge abzuschließen. Bis dahin können die Vertretungskräfte aber nicht arbeiten, wandern zum Teil ab in andere Kommunen, in denen es schneller geht. Oder suchen sich eine andere Beschäftigung. „Frankfurt ist sehr langsam“, sagt Kracht.

Dann tritt Lorz vor die Evangelische Akademie. Das Trillern und die Sprechchöre werden laut, er bleibt stehen, und der achtjährige Akay erzählt ihm: „Wir hatten eine Klassenlehrerin, die wurde schwanger. Die nächste wurde auch schwanger. Jetzt wollen wir eine neue.“ Lorz nickt. „Ich bin mir sicher, wir suchen eine für euch.“ Heise wirft ein, dass der Lehrkräftemangel ein systematisches Problem sei und sicher ganz Frankfurt und Hessen betreffe. „Es ist eine Situation, die wir uns nicht leisten können.“

Lorz nickt wieder. „Das ist ein deutschlandweites Problem, es gibt keine arbeitslosen Grundschullehrkräfte.“ In Hessen würde „nach Kräften ausgebildet, aber es geht nicht so schnell“. Seit 2017 gebe es mehr Studienplätze, doch die Ausbildung würde sieben Jahre dauern. „Die Situation wird systematisch besser“, sagt er und wendet sich an die Kinder: „Aber für euer Problem brauchen wir eine konkrete Lösung.“ Wie die aussehen soll, ist aber noch unklar.

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