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Die Fast Food Workers United demonstrierte mit viel Lärm vor den Tarifverhandlungen in Frankfurt.

Mindestlohn

Frankfurt: Protest gegen Billiglöhne bei Fast Food-Ketten

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Rund 250 Angestellte der Systemgastronomie protestierten in Frankfurt für einen Mindestlohn von zwölf Euro.

Mit Tröten und wehenden Fahnen stehen die rund 250 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter der Fast Food Workers United vor dem Leonardo Royal Hotel in Sachsenhausen. Vorbeifahrende Auto- und Busfahrer hupen aus Solidarität. Kein Wunder, denn in optimaler Sichtweite steht auf einem Schild: „Hupen für 12 Euro“.

Gemeint ist die Forderung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nach zwölf Euro Mindestlohn vor der zweiten Tarifverhandlung mit dem Bundesverband der Systemgastronomie (BdS) in Frankfurt. Im BdS sind Konzerne wie McDonald’s, Burger King, L’Osteria, Starbucks, Nordsee, Tank und Rast oder Pizza Hut organisiert. Die 120 000 Angestellten in der Systemgastronomie verdienen derzeit den gesetzlichen Mindestlohn von 9,35 Euro. „Nach der ersten Tarifrunde im Dezember in Berlin haben die Arbeitgeber einer Erhöhung um 13 Cent auf 9,48 Euro zugestimmt“, sagt Jonas Bohl, Pressesprecher der NGG. Dies sei ein Witz, denn schon jetzt müssten viele Arbeitnehmer aufstocken und wüssten, dass es für die Rente nicht reichen werde.

So geht es etwa Petra Wirbel. Die 58-Jährige ist für die Protestkundgebung die rund 345 Kilometer lange Strecke aus Magdeburg nach Frankfurt gefahren. Sie arbeitet seit 21 Jahren bei McDonald’s, aus gesundheitlichen Gründen ist sie seit 1999 in Teilzeit beschäftigt. „Ich verdiene netto 1000 Euro. Es ist deprimierend und beschämend. Wir geben alles und lieben den Beruf, aber leben kannst du davon nicht“, sagt sie. Es sei traurig, wie wenig sie und ihre Kollegen dem Arbeitgeber offensichtlich wert seien.

Ihr Arbeitgeber McDonald’s erwirtschaftete nach Angaben der NGG im Jahr 2018 rund 3,5 Milliarden Euro Umsatz – und das nur in Deutschland. Im Unternehmen, sagt Wirbel, seien keine Vollzeitstellen erwünscht. Zuschläge für Wochenenddienste, zu denen alle Angestellten dreimal monatlich verpflichtet seien, würden nicht bezahlt. „Die Schicht verläuft nach einem Rotationssystem ab 6 Uhr“, sagt sie. Nur für die Nachtschicht ab 20 Uhr beziehungsweise ab 22 Uhr nach aktueller Tarifregelung gebe es einen Aufschlag. Bei Burger King gebe es immerhin Vollzeitstellen, sagt Lina Steinbach aus Kassel. „Das hängt jedoch davon ab, ob es einen Betriebsrat gibt, in welcher Filiale du arbeitest oder wie das Team zusammengestellt ist.“ Die 32-Jährige arbeitet seit 13 Jahren im Unternehmen, hat eine Vollzeitstelle und ist Schichtleiterin. Dennoch verdient sie netto nur 1400 Euro. „Wir sind dem Arbeitgeber nicht mehr wert. Viele Kollegen haben einen Zweitjob oder einen Partner, der mehr verdient“, sagt Steinbach. In die Tarifverhandlungen setze sie wenig Hoffnungen. Sie rechne sogar mit dem Schlimmsten.

Der geringe Stellenwert, den Mitarbeiter in der Systemgastronomie genössen, sei mit schuld an der schlechten Bezahlung. „Viele blicken auf uns herab, als wären wir ungelernte Arbeitskräfte und hätten daher keinen Anspruch auf mehr Geld“, sagt sie. „Im Prinzip ist unsere Arbeit die Definition eines Scheißjobs.“

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