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Seit 15 Monaten sind die roten Lichter der Bordelle aus.
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Seit 15 Monaten sind die roten Lichter der Bordelle aus.

Coronavirus

Frankfurt: Prostituierte fordern Schutz

  • Stefan Simon
    VonStefan Simon
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Prostituierte fordern die gleichen Regeln ein wie andere körpernahe Dienstleistungen, doch die Stadt blockt ab. Bis Mitte Juli soll geklärt werden, wie es für die Prostitutionsstätten weitergeht.

Der Bundesverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (Besd) fordert die Einbeziehung von marginalisierten Sexarbeitenden in die Impfkonzepte der Bundesländer sowie eine gleichzeitige Öffnung der Branche mit anderen körpernahen Dienstleistungen. Ein Hygiene- und Test-Konzept lägen jeweils vor, teilt der Verband mit.

Die Verteilung der Impfstoffe habe sich zum entscheidenden Faktor für die Bekämpfung der Pandemie entwickelt. „Sexarbeitende ohne festen Wohnsitz werden beim Impfen bisher weitgehend vergessen“, so Sprecherin Johanna Weber. „Wir fordern Impfkonzepte, die betroffene Sexarbeiter:innen einschließen.“ In Berlin würden zum Beispiel Impftage in den Beratungsstellen für Sexarbeiter:innen angeboten.

Das Sozialministerium stellt derweil klar, dass in Hessen die Kommunen über niedrigschwellige Impfaktionen selbst entscheiden. Gezielte Impfaktionen für Prostituierte gebe es in Frankfurt zwar nicht, sagt Kirsten Gerstner, Sprecherin von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne). „Wir haben in der Stadt verschiedene niedrigschwellige Impfangebote. Drogenabhängige Prostituierte wurden etwa in Drogenhilfeeinrichtungen geimpft.“ Alle Sexarbeiterinnen könne die Stadt jedoch nicht erreichen.

Im Rahmen der Lockerungsmaßnahmen fordert der Verband zudem die Gleichbehandlung mit anderen körpernahen Dienstleistungen. Doch das Sozialministerium tritt hier auf die Bremse. „Sexuelle Dienstleistungen sind mit Dienstleistungen der Körperpflege rechtlich und infektiologisch nicht vergleichbar“, heißt es auf Anfrage der FR. Die sexuelle Dienstleistung sei durch den bei Intimkontakt vermehrten Ausstoß von Aerosolen geprägt. „Das Infektionsrisiko ist also in entsprechenden Einrichtungen auch mit etwaigem Hygienekonzept und einer Testpflicht deutlich höher zu bewerten als etwa in Friseurbetrieben“, heißt es. Die Forderung nach einer Gleichbehandlung sei auch daran gekoppelt, dass viele der Frauen gezwungen seien, trotz des Prostitutionsverbotes weiterzuarbeiten. Die Zahl steige bundesweit, sagt Weber. Dazu komme, dass viele von ihnen keine Rücklagen hätten und von Armut betroffen seien.

In Frankfurt kommt die spezielle Situation hinzu, dass laut Corona-Verordnung (CoKoBeV) nur der Betrieb von „Prostitutionsstätten“ untersagt ist. Prostitution als solche wird aber gar nicht erwähnt.

Das Sozialministerium stellte im März klar, dass das Verbot nur Prostitutionsstätten wie Bordelle, „Verrichtungsboxen“, Stundenhotels, Terminwohnungen oder Straßenstrich betreffe. Die Prostitution hat sich seitdem aber etwa in die Wohnungen der Freier verlagert.

Die Betreiberin einer Terminwohnung in Bornheim erzählt im Gespräch mit der FR, dass sie vor kurzem einen Anruf einer rumänischen Prostituierten erhielt. „Sie wollte ein Zimmer bei mir reservieren. Ich klärte sie dann auf, dass wegen Corona die Prostitutionsstätten geschlossen sind. Sie lachte mich aus und erzählte, dass ich mal ins Internet schauen sollte“, sagt sie. Was die rumänische Sexarbeiterin damit meint, sind einschlägige Internet-Portale. Dort können Sexarbeiter:innen Inserate aufgeben. Auf einem Portal bieten derzeit allein in Frankfurt mehr als 500 Sexarbeiterinnen ihre Dienste an.

Auch der Straßenstrich brummt. Im Frankfurter Bahnhofsviertel füllen sich mittags die Straßen. Viele Sexarbeiterinnen gehen mit Freiern in Hotels. Und das, obwohl der Straßenstrich in Frankfurt verboten ist. Der Besd fordert daher auch eine Öffnungsperspektive für die Prostitutionsstätten.

In Hessen ist die Sexarbeit im Stufenplan der Landesregierung nicht berücksichtigt. Es gelten hessenweit die Lockerungsstufen 1 und 2. Stufe 1 greift, wenn die 100er-Inzidenz ab fünf Werktagen in Folge unterschritten wird. Stufe 2 tritt in den Landkreisen und kreisfreien Städten ein, in denen die Inzidenz nach Stufe 1 weitere 14 Tage unter 100 ist oder sobald die Inzidenz fünf Tage unter 50 liegt.

Über die Rücknahme der verbliebenen Einschränkungen, etwa bei Clubs und Prostitutionsstätten oder der Aufhebung der Masken- und Testpflichten, wird nach Angaben des Sozialministeriums spätestens vor den Sommerferien entschieden.

Die Betreiberin aus Bornheim bleibt skeptisch. Seit 15 Monaten sind ihre zwei Terminwohnungen dicht. Sie häufte Schulden an, verlor Einnahmen im sechsstelligen Bereich. Die finanziellen Defizite kann sie nur dank ihrer Familie ausgleichen. Ihr Glaube, dass sie im Sommer wieder öffnen kann, liegt bei Null.

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