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Frankfurt: Promis servieren Weihnachtsgans für Bedürftige

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Von: Kathrin Rosendorff

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Drinnen im Ratskeller galt die 2G-Regel, draußen im Hof konnten auch Nicht-Geimpfte mit negativem Antigentest Gänsekeule essen. Foto: Peter Jülich
Drinnen im Ratskeller galt die 2G-Regel, draußen im Hof konnten auch Nicht-Geimpfte mit negativem Antigentest Gänsekeule essen. © Peter Jülich

500 bedürftige Menschen kommen im Ratskeller in Frankfurt zusammen. Viele Prominente helfen mit beim „Weihnachtsgans-Essen für Obdachlose“.

Frankfurt - Eine halbe Stunde, bevor sich am frühen Mittwochabend (08.12.2021) die Tür zum Ratskeller in Frankfurt öffnet, stehen bereits viele Frauen und Männer an. Das Lied „Let it snow“ vom Weihnachtsmarkt-Karussell auf der anderen Straßenseite ist zu hören. Manche haben Einkaufswägelchen dabei, darin mitunter Tupperdosen oder ausgewaschene große Joghurtbecher. Später werden sie darin Reste des Weihnachtsgans-Essens mitnehmen.

„Weihnachtsgans-Essen für Obdachlose“ in Frankfurt

Das „Weihnachtsgans-Essen für Obdachlose“, aber eben auch für alle Menschen, die wenig Geld haben, hat Medienmanager Bernd Reisig mit seiner Stiftung „helfen helfen“ zum neunten Mal organisiert. Ein junger Mann, der sagt, dass er Don Juan heiße, erzählt, er sei seit drei Wochen obdachlos und schlafe in Notunterkünften. „Die schöne Gans lasse ich mir nicht entgehen“, sagt der 34-Jährige. „Früher habe ich in einem Puff in Mannheim als Security gearbeitet und war auch für die Frauen einkaufen. Der Puff-Arzt hat mich gegen Corona geimpft“, sagt er. Dann habe er seinen Job verloren. Jetzt hofft der ehemalige Kampfsportler, dass er bald wieder einen Job bekommt. „Mein Kumpel arbeitet als Pizzabäcker, er versucht mich irgendwo reinzubringen.“

Eine ältere, geschiedene Dame, die drei Kinder großzog, nur halbtags arbeiten konnte und sehr wenig Rente hat, sagt: „Das Essen ist mir nicht das Wichtigste heute Abend. Ich freue mich darauf, im schönen Ratskeller des Römers mit anderen Menschen zu sitzen.“ Feiert sie denn nicht Weihnachten mit ihren Kindern? „Nein, Kinder, Sie wissen ja...“

Sänger von den „Prinzen“ kellnert beim „Weihnachtsgans-Essen für Obdachlose“ in Frankfurt

Derweil kellnert drinnen Tobias Künzel, der blonde Sänger von den „Prinzen“, zum ersten Mal in seinem Leben,, wie er erzählt. „Mir wurde gerade gezeigt, wie man drei Teller trägt, ich traue mich aber erstmal, nur zwei gleichzeitig zu tragen.“ Ihm sei wichtig, hier zu sein, für Menschen, die mit wenig im Leben auskommen müssten.

Sänger Tobias Künzel (Die Prinzen)kellnerte nach eigener Aussage zum ersten Mal in seinem Leben. Foto: Peter Jülich
Sänger Tobias Künzel (Die Prinzen)kellnerte nach eigener Aussage zum ersten Mal in seinem Leben. © Peter Jülich

Singen wolle er aber nicht. „Ich bin ja zum Kellnern da, vielleicht summe ich leise unter meiner Maske beim Servieren.“ Er ist einer von vielen prominenten Helfer:innen. Das Weihnachtsgans-Essen für bedürftige Menschen findet jetzt, nachdem es pandemiebedingt vergangenes Jahr ausfallen musste, unter Hygieneauflagen statt. Drinnen unter 2G-Bedingungen und mit Abstand. Am Eingang zeigen die Menschen ihre Impfpässe vor. Draußen im Hof vor dem Ratskeller gibt es unter Heizpilzen auch Tische für Menschen, die weder geimpft noch genesen sind, dafür aber haben sie einen aktuell negativen Antigentest. „Wir wollten niemanden von den hilfsbedürftigen Menschen wegschicken, der Winter ist sowieso schon hart und die Pandemie trifft sie zudem besonders hart“, sagt Reisig.

500 Menschen kommen in den zwei Schichten, in den Vorjahren waren es 600. Auch die Möglichkeit, sich Gans und Rotkohl zum Mitnehmen einpacken zu lassen, gibt es.

Franz Lambert und Rainer Calmund helfen beim „Weihnachtsgans-Essen für Obdachlose“ in Frankfurt

Ein Herr sitzt unweit von Franz Lambert, der den Abend an der Wersi-Orgel begleitet. „Es berührt mich, dass Leute, die wie ich am Existenzminimum leben, nicht vergessen werden“, sagt er. Unweit von ihm hält Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) eine Rede.

Initiator Bernd Reisig mit OB Peter Feldmann. Foto: Peter Jülich
Initiator Bernd Reisig mit OB Peter Feldmann. © Peter Jülich

Auch Ex-Bundesligamanager Reiner Calmund, der sich von 180 Kilo auf 90 Kilogramm Körpergewicht quasi halbiert hat, serviert. Er sagt: „Wer nur ein bisschen Herz und Seele hat, der hilft Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.“ Er selbst sei zwar nicht so flink und geschickt beim Kellern. „Aber zur Not trage ich eine Senfpackung hinterher.“

Eine ältere Dame mit eleganter Baskenmütze interessiert weniger die Prominenz, als das zarte Fleisch auf ihrem Teller. Sie habe keinen guten Tag gehabt, denn sie bekam einen Brief vom Sozialamt: „Ich brauche eine neue Matratze. Die Feder tut mir im Rücken weh. Aber die schrieben mir zurück: ‚Sie hatten doch schon vor 21 Jahren eine neue Matratze.‘“ (Kathrin Rosendorff)

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