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Die Zahl der Beschäftigten in Frankfurt nimmt zu. (Symbolbild)

Finanzbranche

Zahl der Beschäftigten in Frankfurt nimmt zu 

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Die Zahl der Beschäftigten hat in der Stadt am Main anders als im Bund sogar zugenommen. Die Agentur für Arbeit hat eine bemerkenswerte Studie vorgestellt.

Frankfurt –Nachdem die Banken seit der Finanzkrise 2008/2009 stärker unter Beobachtung stehen, hat jetzt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Agentur für Arbeit die Auswirkungen auf die Beschäftigten unter die Lupe genommen. Die wichtigste Erkenntnis, die vom Leiter der Regionaldirektion, Frank Martin, am Dienstag vorgestellt wurde: Frankfurt hat von der Krise profitiert.

Während bundesweit die Zahl der Angestellten in den untersuchten Zentralbanken und Kreditinstituten um 11,5 Prozent gesunken ist, legte Frankfurt um 1,5 Prozentpunkte zu. Ein Grund für diese Entwicklung sei die Aufgabenverlagerung in die Zentralen der Banken am Standort Frankfurt. Von den 571.000 Beschäftigten in Frankfurt seien im vergangenen Jahr rund 66 000 in der Finanzbranche tätig gewesen, hat IAB-Mitarbeiterin Carola Burkert herausgefunden. Allerdings wohnten 67 Prozent von ihnen nicht in Frankfurt – was dem branchenübergreifend hohen Anteil der Einpendler, der bei fast 65 Prozent liegt, in etwa entspricht.

Beschäftigte: Banken stehen unter Kostendruck

Frank betonte den enorm hohen Kostendruck, unter dem die Banken stünden. Ein Grund dafür sei die nun schon jahrelang anhaltende Niedrigzinsphase. Sie beschleunige den Strukturwandel, der durch den Abbau von Filialen und einer zunehmenden Digitalisierung gekennzeichnet sei. Auch neue Start-up-Unternehmen, die sogenannten Fintechs, die sich vor allem auf lukrative Geschäftsfelder spezialisierten, machten den alteingesessenen Häusern zu schaffen. Die „physische Präsenz in der Fläche“, auf die in der Vergangenheit vor allem Sparkassen und Volksbanken gesetzt hätten, habe an Bedeutung verloren. Viele Arbeitsschritte wie etwa eine Überweisung würden inzwischen über das Internet abgewickelt. Die Bedeutung von Onlinebanking werde weiter zunehmen. So seien hoch qualifizierte Experten damit betraut, für möglichst viele Aufgaben digitale Verfahren zu entwickeln.

Agentur für Arbeit: Trend zur Akademisierung

Bei den Beschäftigten gebe es einen Trend zur Akademisierung. Die Zahl der klassischen Bankkaufleute nehme ab. Das schlage auch auf die Ausbildung durch: So gebe es zum einen weniger Bewerber, aber auch die Zahl der Ausbildungsstellen sei rückläufig. Derzeit werde die Ausbildungsverordnung überarbeitet, um den neuen Herausforderungen gerecht zu werden.

Die Banken seien weiter auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Als Beispiel nannte Martin die Commerzbank, die sich in Zukunft auf den Mittelstand und auf Privatkunden konzertieren wolle. Die Deutsche Bank hatte kürzlich angekündigt, das Investmentbanking aufzugeben und 18 000 Arbeitsplätze abzubauen. Auf die Frage, wie viele Stellen wohl in Frankfurt entfallen würden, antwortete Martin, das könne man nicht sagen, es „werde sich verteilen“. Er sagte voraus, dass sich der Trend „Prozesse zu automatisieren und somit Personalkosten zu reduzieren“ fortsetzen werde. Gleichzeitig würden „komplexe Abläufe“ einen steigenden Bedarf an höher qualifizierten Mitarbeitern nach sich ziehen.

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