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Frankfurt: Professur für Meron Mendel

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Von: George Grodensky

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Der Wissenschaftler wird die kommenden drei Jahre an der Bildungsstätte Anne Frank und der Frankfurt University tätig sein. Peter Jülich
Der Wissenschaftler wird die kommenden drei Jahre an der Bildungsstätte Anne Frank und der Frankfurt University tätig sein. Peter Jülich © peter-juelich.com

Das neue Karriereformat „kooperative Professur“ soll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern den Einstieg bei den Hochschulen für angewandte Wissenschaften erleichtern. Mendel bleibt 50 Prozent seiner Zeit Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, die anderen 50 Prozent wirkt er an der Frankfurt University.

Die Frankfurt University of Applied Sciences hat Meron Mendel zum 1. August auf eine kooperative Professur berufen. Mendel soll in den nächsten drei Jahren zu je 50 Prozent an der Hochschule forschen und lehren sowie als Direktor die Bildungsstätte Anne Frank leiten. Seine Professur für transnationale Soziale Arbeit ist am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit verortet.

Der Studiengang behandelt kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der sozialen Arbeit. Die Folgen weltweiter Verflechtungen und die alltägliche Lebenspraxis an unterschiedlichen Orten gehört dazu, auch die sozialen Probleme, gesellschaftliche Ordnungen und Regelungen, die Grenzen von Nationalstaaten überschreiten. Apropos, natürlich gehört ein längeres Praktikum im Ausland zum Studium. Meist im globalen Süden, spezifiziert Mendel. Er wird sich in den Schwerpunkten soziale Arbeit und Migration, politische Bildung sowie antisemitismus- und rassismuskritische soziale Arbeit einbringen.

Mendel ist Pionier, er tritt die erste kooperative Professur an. Die Hochschule plant, innerhalb der kommenden fünf Jahre neun weitere zu besetzen. Die kooperative Professur soll helfen, promovierte und praxiserfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Arbeit an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften zu begeistern und ihnen den Zugang zu erleichtern.

Die Frankfurt University sieht Vorteile auf allen Seiten: Die Professor:innen können forschen, lehren und praktisch arbeiten. Unternehmen und Institutionen erhalten ein Förderinstrument für ihre Mitarbeitenden, Studierende kommen in den Genuss anwendungsbezogener Lehre. Die kooperativen Professuren sind auf drei Jahre befristet, können um zwei Jahre verlängert werden und im Anschluss in reguläre Professuren übergehen, finanziert aus dem Hochschuletat.

„In der Bekämpfung von Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus kommt der Wissenschaft eine wichtige Rolle zu“, sagt Mendel zu seiner Berufung. Er möchte Forschungsprojekte initiieren, die auf aktuelle Bedarfslagen in der Bildungspraxis reagieren. Den Auftakt soll eine internationale Konferenz am 22. und 23. September zur Frage nach einer zeitgemäßen Erinnerungskultur bilden. Den Praxisbezug im Studium der Sozialen Arbeit möchte Mendel durch die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Einrichtungen stärken.

Ganz neu steigt Mendel nicht an der Frankfurt University ein. Vor einem Jahr hat er bereits seine Zeit an der Bildungsstätte Anne Frank reduziert, um eine Vertretungsprofessur an der Hochschule übernehmen zu können. Deborah Schnabel war dadurch als zweite Direktorin der Bildungsstätte aufgerückt.

Die zwei Semester hat Mendel nun quasi als Vorbereitung für die neue Aufgabe genutzt. Mendel freut sich über die Arbeit an der Hochschule. Er habe auch zu anderen Hochschulen Kontakt gehabt, über verschiedene Angebote nachgedacht. Aber die Vielseitigkeit der 50:50-Konstellation hat es ihm angetan. „Das passt genau zu meinem Profil“, sagt er. Er ist ebenso gerne im wissenschaftlichen Segment tätig wie im praxisbezogenen. Auf eins von beiden zu verzichten, wäre ihm schwer gefallen. Auch, dass die Stelle in Frankfurt ist, kommt ihm recht. Das mache es möglich, Synergien zur Bildungsstätte Anne Frank zu schaffen.

Mendel hat Geschichte und Erziehungswissenschaften in Haifa und München studiert, in Frankfurt lebt er seit 2003. Von 2007 bis 2011 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Goethe-Universität und hat über die Lebensrealitäten jüdischer Jugendlicher in Deutschland promoviert. Seit 2010 leitet er die Bildungsstätte Anne Frank.

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