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Hochschule

Frankfurt: Professur für die NS-Pädagogik

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Der Frankfurter Studierendenausschuss sorgt sich um die Forschungsstelle, da Verträge der vorigen Leiterinnen nicht verlängert wurden. Die Hochschule sieht in der neuen Professur eine Stärkung der Einrichtung.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Goethe-Universität sorgt sich um die Forschungsstelle NS-Pädagogik. Die Hochschule hat die Verträge der beiden Leiterinnen Katharina Rhein und Z. Ece Kaya nicht verlängert. Die Universität verliere dadurch zwei hervorragende Wissenschaftlerinnen, moniert Asta-Vorsitzende Kyra Beninga. Obendrein zwei „beliebte Lehrende“, die den Nachwirkungen der Pädagogik aus dem Nationalsozialismus bis in die heutige Zeit nachspürten. Und das auf „hohem wissenschaftlichem Niveau, praxisnah, anknüpfend an Rassismus-Erfahrungen vieler Studierender“.

Der Asta fürchtet, die Forschungsstelle werde nur noch dem Namen nach existieren. Das Gegenteil sei der Fall, versichern der Fachbereich Erziehungswissenschaften und das Uni-Präsidium in einer Stellungnahme. Darin ist von „Aufwertung“ des Themas „Erziehung nach Auschwitz“ die Rede. Das sei nun über eine neue Professur „in der universitären Forschung und Lehre verankert“. In der Ausschreibung seien die Themen „NS-Pädagogik und Erziehung nach Auschwitz klar artikuliert worden“.

Hochschule und Fachbereich freuen sich darüber hinaus, in Professor Wolfgang Meseth einen „renommierten, einschlägig ausgewiesenen Wissenschaftler gewonnen“ zu haben. Den gebürtigen Frankfurter hat die Goethe-Uni mit der Aussicht auf die hoch dotierte W3-Professur aus Marburg losgeeist. Er habe bereits damit begonnen, eine „zeitgemäße Konzeption“ für die Fortführung der NS-Pädagogik/ Erziehung nach Auschwitz zu entwickeln. Die Sorge des Asta sei damit „unvollständig und fehlerhaft“.

Benjamin Ortmeyer, der die Forschungsstelle 2012 gemeinsam mit Micha Brumlik gegründet hat und bis 2018 auch leitete, freut sich über den Protest des Astas. Auch er blickt skeptisch auf das neue Konzept. Seinen Nachfolger hält er für einen „netten Herrn“, auch kompetent, aber einen „ohne Leute“. „Für die Lehre ist das kein Gewinn“. Die neue Professur hätte eine zusätzliche Stelle sein können, ärgert sich Ortmeyer.

Die Weiterführung der Forschung durch die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen unter kommissarischer professoraler Leitung „war von vornherein als Interimslösung gedacht“, so sieht es die Uni, „bis zur Besetzung der neuen Professur“.

Bei Ortmeyer hält sich dennoch der Eindruck, die Forschungsstelle werde Stück für Stück abgetragen. Bereits 2015 war sein Unmut geweckt worden, als der Fachbereich entschied, keine Creditpoints mehr für den Besuch der Vorlesungen zur Pädagogik in der NS-Zeit zu vergeben – ihn damit also nicht mehr verpflichtend zu machen für die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. „Die denken, das ist ein Spezialthema.“

Nach Ansicht des Astas passt es ins Bild, dass der Umzug der Forschungsstelle aus dem Juridicum in ein Büro an der Holzhausenstraße sich jüngst zerschlagen hat. „Das Schicksal der über 4000 Bücher sowie der viele Dokumente umfassenden Handbibliothek ist ein weiteres ungeklärtes Thema.“

Der Umzug der Forschungsstelle samt Bibliothek in die bereits angemieteten Räumen nahe dem Campus Westend habe sich bisher nicht umsetzen lassen, antwortet die Hochschule. Die Deckenkonstruktion des Gebäudes habe der statischen Überprüfung nicht standgehalten, um eine Bibliothek tragen zu können. Derzeit prüfe die Hochschule verschiedene Optionen für einen alternativen Standort.

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