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Der Theaterregisseur Herbert Fritsch vor dem Schauspiel Frankfurt. Bild: Peter Jülich
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Der Theaterregisseur Herbert Fritsch vor dem Schauspiel Frankfurt. Bild: Peter Jülich

Schauspiel Frankfurt

Frankfurt: Proben ohne Premiere

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
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Am Schauspiel Frankfurt inszeniert der bekannte Regisseur Herbert Fritsch Thomas Bernhards Theatermacher

Herbert Fritsch wollte ein bisschen kürzertreten, das hatte er sich vorgenommen vor der Corona-Pandemie. „Ich wollte nur noch drei Produktionen pro Spielzeit inszenieren“, sagt der bekannte Schauspieler und gefragte Regisseur, der im Januar 70 geworden ist. Aber jetzt tue es schon gut, nach einer so langen Zeit der erzwungenen Pause wieder am Theater zu arbeiten. „Das ist ein großes Privileg.“

Am Schauspiel Frankfurt sollte Fritschs Inszenierung von Thomas Bernhards „Theatermacher“ längst im Spielplan sein, als einer der Höhepunkte der Saison. Die ursprünglich für Februar geplante Premiere platzte allerdings, das war schon länger klar. Auch der Ausweichtermin am 23. April ist angesichts der aktuellen Corona-Zahlen utopisch. Trotzdem waren Fritsch und das Ensemble des Schauspiels optimistisch und haben sechs Wochen lang geprobt, mit viel Vorsicht und regelmäßigen Corona-Tests.

Endlich wieder Theaterluft! „Es ist alles da, die Bühne, die Beleuchtung, die Kostüme“, sagt er.

Die Hauptrolle würde Publikumsliebling Wolfram Koch, ein guter Freund Fritschs, übernehmen. „Er ist ein Segen“, seufzt der Regisseur, der seinen Schauspielern und Schauspielerinnen stets viel Freiheit lässt, vielleicht auch, weil er selbst lange Darsteller war. „Es gibt Regisseure, die stolz erzählen, wie viele Leute sie schon in die Anstalt gebracht haben. Schauspieler erst brechen und dann neu aufbauen, das ist doch gruselig, das Prinzip des Straflagers“, meint er. „Es gibt Leute, die schämen sich, wenn sie lachen. Das ist der Zustand unserer Kultur.“ Lachen, das sei schön, er mache aber im Theater keine Vorgaben. „Sonst könnte ich ja gleich Claqueure bezahlen!“

Bei den Proben hat Fritsch nie ein Textbuch in der Hand, er vertraut den Darstellern. „Ich darf nicht zu viel wissen, sonst höre ich denen ja gar nicht zu“, erklärt er. Auf der Bühne zu stehen, das klinge vielleicht einfach. „Aber dort bist du auf einem anderen Planeten. Man muss sich auch Dummheiten gestatten, das ist doch das eigentlich Intellektuelle.“

Das Schauspiel Frankfurt Online

Bisher gibt es beim Schauspiel Frankfurt noch keine Pläne, Thomas Bernhards „Theatermacher“ in der Regie von Herbert Fritsch als Alternative zur Bühne im Internet zu streamen - aber wer weiß, wie lange die Einschränkungen noch andauern.

Das Schauspiel bietet unter www.schauspielfrankfurt.de aber einiges andere im Internet. Bis zum 31. Mai ist auf der Seite des Theaters die Uraufführung „Eine posthumane Geschichte“ von Pat To Yan zu sehen. Tickets kosten 5 bis 20 Euro.

Das ganztägige Symposium zum Skandalstück „Der Müll, die Stadt und der Tod“ von Rainer Werner Fassbinder, dessen Uraufführung 1985 hohe Wellen schlug, wird am Sonntag, 25. April, von 10 bis 18 Uhr kostenlos aus den Kammerspielen übertragen, als Kooperation von Schauspiel Frankfurt, Jüdischen Museum, Fritz-Bauer-Institut und der Theaterwissenschaft der Uni Frankfurt.

„Die Verteidigungsrede des Judas Ischarioth" von Walter Jens, „Ich, ein Jud“, ist von 30. April, 20 Uhr, bis 2. Mai kostenlos verfügbar. Isaak Dentler liest live, Max Mahlert und Tim Roth begleiten ihn auf dem Schlagzeug und dem Kontrabass. aph

Sie könnten sofort loslegen, die Generalprobe war bereits. Mal sehen, ob das Schauspiel Frankfurt im Mai weitermachen kann. Das Saarländische Staatstheater in Saarbrücken, wo gerade ein Großversuch läuft, ist immerhin seit wenigen Tagen wieder geöffnet, und auch in Tübingen wird gespielt. „Es ist schon ein komisches Gefühl. Das habe ich noch nie erlebt, dass ich nicht weiß, wann ein Stück rauskommt“, sagt Fritsch. Und auch wie es sich nach der Premiere entwickle, sei völlig offen. „Oft ist das dann ganz anders als erwartet.“ Das sei gerade der Reiz am Theatererlebnis, der „absolute Gegensatz zum Digitalen“.

Thomas Bernhard ist ein Autor, den Fritsch sehr schätzt, und „Der Theatermacher“ sei „schön böse“. Das Stück handelt von einer Aufführung in der tiefsten Provinz, wo die Beleuchtung defekt ist und nur noch das rote Notlicht brennt. Der Hauptdarsteller, ein Regisseur, hält sich für einen Star. „Es ist ein Stück voller Größenwahn und Selbstzweifel, eigentlich ein Theatermanifest“, meint Fritsch.

Ach ja, das Theater und die Pandemie, wie wird es wohl weitergehen? „Ich glaube zwar, dass man auch weiter Lust auf Theater hat, auch ohne ein dauerndes Bekenntnis zur Systemrelevanz. Aber das kann sich ganz schnell ändern. Es ist ein Seiltanz, da kann man schnell abstürzen. Und dann ist es weg, auf einmal", sagt er. „In Zukunft werden auch Zwerge große Schatten werfen."

Fritsch selbst, eher ein Theaterriese, bleibt auch in Pandemie-Zeiten ein begehrter Regisseur. Die interessanten Angebote für Inszenierungen reihen sich aneinander, Corona hin oder her, und so ist Fritsch trotz der Vorsätze, weniger zu inszenieren, wieder schwach geworden und hat aktuell vier Stücke, die er in den kommenden Monaten aufführen will. Am Theater Basel wäre eigentlich demnächst die Premiere der Strauss-Oper „Intermezzo“.

Im Sommer plant er in Wien Rossinis „Barbier von Sevilla“, im Herbst „Die Nase“ von Schostakowitsch. Aber vorher klappt es hoffentlich doch noch mit dem Schauspiel Frankfurt.

Irgendwann muss es ja wieder losgehen.

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