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Frankfurt; Probealarm ohne Sirenen

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Von: Oliver Teutsch

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Im Industriepark Fechenheim werden am Donnerstag Sirenen zu hören sein. Michael Schick
Im Industriepark Fechenheim werden am Donnerstag Sirenen zu hören sein. Michael Schick © Michael Schick

Beim bundesweiten Warntag am Donnerstag bleibt es in Frankfurt weitgehend ruhig. Die Stadt will in den kommenden Jahren rund 150 Sirenen neu installieren lassen.

Wenn das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) am Donnerstag den nationalen Warntag ausruft, wird das Geheule in Frankfurt klein sein. Denn Sirenen gibt es im Frankfurter Stadtgebiet noch immer nicht wieder. Lediglich die beiden Industrieparks in Höchst und Fechenheim verfügen über Sirenen, die am Donnerstag um 11 Uhr auch von der Leitstelle der Frankfurter Feuerwehr ausgelöst werden. Um 11.45 Uhr werden die Menschen rund um die Industrieparks dann einen einminütigen Dauerton zur Entwarnung hören. Im übrigen Frankfurt müssen die Menschen auf andere Hilfsmittel zurückgreifen, wenn sie von dem bundesweiten Warntag etwas mitbekommen möchten.

Warn-Sirenen waren spätestens mit Beendigung des Kalten Kriegs aus der Mode geraten. Im Laufe der Jahrzehnte waren die Anlagen vielerorts veraltet und abgebaut worden. Doch mit dem Hochwasser in Rheinland-Pfalz, als unzureichend alarmiert wurde, kam die Diskussion über Sinn und Zweck der altmodischen Sirenen wieder in Gang. Sie taugten nachts um drei Uhr mehr, als stumm geschaltete Handys, hieß es beim Deutschen Feuerwehrverband.

Auch in Frankfurt reifte die Erkenntnis, dass Sirenen ihre Berechtigung haben. Doch um die Sirenen flächendeckend wieder einzuführen, braucht es einigen Vorlauf. Die Feuerwehr Frankfurt taxierte die Kosten schon 2017 auf rund fünf Millionen Euro. „Bei den Planungen gehen wir von 150 Sirenen aus, die im Stadtgebiet benötigt werden“, so Feuerwehr-Sprecher Andreas Mohn. Die Mittel hat der Magistrat bewilligt, doch bis die Standorte festgelegt und vertraglich fixiert sind sowie die neuen Geräte in Betrieb gehen, werde es noch einige Jahre dauern, so Mohn.

Bis dahin müssen sich Katastrophenschutz und Bevölkerung in Frankfurt anderweitig organisieren. Vor allem Mobiltelefone spielten dabei in den vergangenen Jahren eine große Rolle. Doch einheitliche Standards wurden auf Seiten von Bund, Ländern und Kommunen bislang nicht festgelegt. So verweist das Land Hessen auf die eigens initiierte App „HessenWarn“. Rund 785 000 Hessinnen und Hessen würde diese bereits nutzen.

Doch die Frankfurter Feuerwehr empfiehlt lieber die bundesweit kompatible Warn-App „Nina“. Die App unterscheide zwischen Wetterwarnungen, Hochwasserinformationen und Bevölkerungsschutz-Warnungen wie Großbrand oder Gefahrstoffausbreitung und werde auch vom BBK ausdrücklich empfohlen. Allerdings reiche es nicht, die App einfach nur herunterzuladen, betont die Feuerwehr. Sie müsste auch verstanden und individuell so eingestellt werden, dass sie zu Wohnort und Lebenssituation passe.

Bundesweit getestet wird bei diesem Warntag auch erstmals das Cell Broadcast. Der Warntag war in diesem Jahr extra vom 8. September auf den 8. Dezember verschoben worden, um das neue Warnsystem noch an den Start zu bringen. Die Warnsignale werden vom BBK ausgesendet und sollen alle Mobiltelefone erreichen, auch ohne dass vorher eine App installiert werden muss.

Die Feuerwehr weist allerdings darauf hin, dass dies nur unter bestimmten Bedingungen funktioniere. So müsse das Handy-Betriebssystem mit dem neuesten Update versorgt sein, eine Warnung kommt zudem nur an, wenn das Handy an und nicht im Flugmodus ist. Bei einigen Geräten müsse zudem manuell freigegeben werden, dass die Warnungen empfangen werden sollen.

Mit dem Warntag geht Cell Broadcast in die Testphase. Betriebsfertig soll das bundesweit einheitliche System ab kommenden Frühjahr sein.

Auf dem Land gibt es noch häufiger Sirenen .
Auf dem Land gibt es noch häufiger Sirenen . Foto: dpa © Jens Büttner/dpa

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