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Ein Streit auf einem Bürgersteig in Preungesheim ist eskaliert. (Symbolfoto)

Preungesheimer Wutbürgersteig

Ehepaar schubst Mann von Rad und zückt Waffe - Verfahren dennoch eingestellt

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In Frankfurt ist ein Streit beim Gassi gehen eskaliert. Ein Paar soll einen Mann vom Rad geschubst und ihn mit Waffen bedroht haben. Doch der Prozess wird eingestellt. 

Frankfurt - Die Anklage vor dem Landgericht lässt Übles erahnen. Dem Ehepaar Jeffrey H. (37) und Rayka L. (45) wird Nötigung und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Das kann jedem mal passieren, aber die Begleitumstände sind etwas unappetitlich.

Am späten Abend des 15. Juni 2018 sind die beiden mit ihren beiden Hunden in Preungesheim unterwegs. Eine Gruppe junger Männer kommt ihnen entgegen, einer davon mit dem Fahrrad auf dem Trottoir. Obwohl er, so die Anklage, ausreichend Platz zum Passieren gehabt hätte, regt sich Jeffrey H. maßlos auf und schubst den Lausbuben mit Migrationshintergrund vom Fahrrad – mit den Worten: „Wir sind hier in Deutschland! Du musst dich benehmen, du Dreckskanake!“ 

Frankfurt: Preungesheimer Ehepaar schubst Mann von Rad - Anklage 

Dann geht das Paar weiter Gassi, verfolgt von dem gestürzten Radler und seinen Freunden, die Anzeige erstatten wollen und das in derselben Nacht auch noch tun werden. Zur Verfolgervergrämung zückt Rayka L. ein verbotenes Faustmesser, Jeffrey H. zieht eine noch verbotenere Pistole und richtet sie mit der Drohung „Es reicht, ihr Scheißausländer!“ auf die jungen Männer, die daraufhin gen Polizeiwache entfleuchen.

Noch in derselben Nacht durchsucht die Polizei die Wohnung des Paars. Eine Pistole finden die Beamten nicht, dafür einen Schlagring (aus Plastik!), ein paar Patronen und zwei Polenböller. Gegen einen Strafbefehl hat das Paar Einspruch eingelegt.

Frankfurt: Ehepaar aus Preungesheim vor Gericht - Hausdurchsuchung

Zu der Anklage äußern wollen sich beide vor dem Amtsgericht nicht. Nur zu ihren persönlichen Verhältnissen, sagt einer ihrer Verteidiger, und, falls das erwünscht sei, auch zu „ihren politischen Ansichten“. Ist nicht erwünscht. Und bevor es irgendwie politisch werden kann, geht der Anklage ein wenig die Puste aus.

Das Gericht sieht zu viele Ungereimtheiten. Etwa die, dass auch Rayka L. in derselben Nacht auf der Wache vorstellig wurde, um Anzeige gegen die jungen Männer zu erstatten, die ihre Hunde angegriffen und eine Glasflasche nach ihr geworfen hätten. Aber im Gegensatz zu den Anzeigeerstattern von der Gegenseite landet sie in der Gewahrsamszelle. Bei der anschließenden Hausdurchsuchung verläuft wohl auch nicht alles juristisch besenrein, ihr Ergebnis ist eher bescheiden und der Amtsrichter räumt ein, dass man es durchaus mit der Angst zu tun bekommen könne, wenn sechs aus gutem Grund stinksaure junge Männer einen verfolgten, und man sich schützen wolle. 

Frankfurt: Anklage gegen Preungesheimer Ehepaar - Prozess eingestellt

Hinzu kommt das unbefriedigende Aussageverhalten des Opfers, das dreimal vergeblich zur Wache gebeten worden war – und das sich bei dem Sturz zudem nicht verletzt hatte. Und so wird das Verfahren gegen die beiden Angeklagten vorläufig eingestellt, noch ehe ein einziger Zeuge vernommen worden ist. H. und L. müssen je 420 Euro zahlen – an einen Notruf für Vergewaltigungsopfer und die Anne-Frank-Stiftung. Mit letzterer scheinen beide auch keine Probleme zu haben, wie auch immer ihre politischen Ansichten aussehen mögen. Aber die standen ja auch nicht zur Debatte.

Von Stefan Behr

Bei einem anderen Fall vor dem Amtsgericht in Frankfurt trifft ein rabiater Mann aus Praunheim auf sein Mobbingopfer. Vom Publikum wird der Angeklagte gefeiert. Vor demAmtsgericht Frankfurt stehen auch ein Vater und Sohn. Eine Frischluftpause beim Feiern eskalierte. Kaltblütigkeit schockiert das Opfer.

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