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Frankfurt: Preissprung bei Riederwaldtunnel

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Von: George Grodensky

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Immer wieder demonstrieren Menschen in Frankfurt gegen den Riederwaldtunnel. Rolf Oeser
Immer wieder demonstrieren Menschen in Frankfurt gegen den Riederwaldtunnel. Rolf Oeser © ROLF OESER

Die Autobahn GmbH des Bundes kalkuliert neu. Vorsichtig geschätzt steigen die Kosten von 470 auf mehr als 600 Millionen Euro.

Der Bau des Riederwaldtunnels könnte erheblich teurer werden als 2019 kalkuliert. Vorsichtig überschlagen könnten die Kosten für den Lückenschluss zwischen A66 und A661 im Osten Frankfurts von 477 Millionen Euro auf mehr als 600 Millionen steigen. Zumindest gehen Fachleute von einer Steigerung um 30 Prozent aus.

Eine offizielle Zahl dazu gibt es aber noch nicht. Die Autobahn GmbH des Bundes erarbeitet gerade eine neue Kalkulation zur Fortschreibung der Planung, sagt Sprecher Steffen Rütenfrans. Drei Entwicklungen machen das nötig: erstens die aktuellen Steigerungen bei den Baupreisen. Zweitens haben sich aus dem Planfeststellungsverfahren neue Erfordernisse ergeben. Zum Beispiel soll eine Grünbrücke über die Trasse der A66 im Osten führen, an Stelle der Wirtschaftswegebrücke Am Roten Graben, südlich des Enkheimer Kleingartenvereins Möllers Wäldchen. Dort durchschneidet die A66 den Wald, die Biotopflächen sollen aber verbunden sein durch eine breite Traverse mit Erdsubstrat, auf der das Wild über die Straße wechseln kann.

Drittens fließen die Erfahrungen aus den bisherigen Bauarbeiten in die Fortschreibung der Planung. Analysen und Einschätzungen aus dem Vorfeld passen in der Regel sehr gut, findet Rütenfrans. Dennoch gelte es, die Erwartungen mit den Erfahrungen abzugleichen. Wie viele Erdanker nun tatsächlich notwendig sind, und wie es sich mit der Erdstatik verhält.

Die Berechnungen wird die Autobahn GmbH dem Verkehrsministerium „im ersten Halbjahr 2023“ vorlegen. Ob das Ergebnis dann einen in Frankfurt vielfach geforderten Stopp des Baus ermöglicht, mag Rütenfrans nicht sagen. „Wir gehen davon aus, dass das Projekt gesetzt ist.“

Das findet Klimaschutzaktivist Alexis Passadakis (Ende Gelände) nicht. Stellvertretend für die nicht kleine Zahl an Gegnerinnen und Gegnern des Autobahnausbaus in Frankfurt sagt er stattdessen: „In Zeiten der Klimakrise sollten alle Ressourcen in die Verkehrswende fließen.“ Rohstoffe, Fachkräfte und Geld wären viel besser in den Ausbau des Nahverkehrs investiert, in Trambahnen und E-Busse. Zumal der Bau wahrscheinlich noch viel teurer werde. Wer die zu erwartenden Kostensteigerungen der kommenden zehn Jahre einrechne, lande bei 1,2 Milliarden Euro. „Das ist völlig unangemessen“, sagt Passadakis. „Jetzt wäre die Stadt gefordert, sich zu positionieren und Druck auf die Landesregierung auszuüben.“

Die Linke im Frankfurter Römer geht da voran. Auch deren verkehrspolitische Sprecherin Daniela Mehler-Würzbach rechnet mit „mehr als einer Milliarde Euro“, die angesichts der Klimakrise unmöglich in „klimaschädliche Verkehrsinfrastruktur investiert werden“ dürften. „Im Frankfurter Osten fehlt es nicht an Autobahnkilometern, sondern an Fuß- und Radwegen, an ÖPNV-Verbindungen und Park-and-Ride-Plätzen“, sagt Mehler-Würzbach.

Die Bedarfsplanungen für Autobahnen aus dem Bundesverkehrsministerium gingen an der Realität vorbei, so Mehler-Würzbach. Sie ignorierten das verfassungsrichterliche Urteil zum Klimaschutz. „Das Umweltdezernat in Frankfurt hat das anerkannt und wurde dafür sogleich von allen Seiten gerügt.“

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