1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Polizeipräsident besucht Abu-Bakr-Moschee

Erstellt:

Von: Timur Tinç

Kommentare

Der Frankfurter Polizeipräsident Stefan Müller.
Der Frankfurter Polizeipräsident Stefan Müller. © Christoph Boeckheler

Nach dem Großeinsatz wegen eines Fehlalarms am Freitag spricht Stefan Müller am Sonntag zur muslimischen Gemeinde in Hausen. Der Vorstand äußert sich positiv über das Gespräch mit dem Frankfurter Polizeipräsidenten.

Nach der Rede von Stefan Müller gab es Applaus von den anwesenden Mitgliedern der Abu-Bakr-Gemeinde. Rund 100 Männer und Frauen hatten am Sonntagabend gegen 19 Uhr dem Frankfurter Polizeipräsidenten ihr Ohr geschenkt. Sie wollten wissen, was er zu dem Großeinsatz der Polizei, der durch einen Fehlalarm am Freitagabend ausgelöst worden war, zu sagen hatte. Zuvor hatte sich Müller bereits eine Stunde lang mit dem Vorsitzenden Mohammed Seddadi sowie weiteren Mitgliedern unterhalten. „Positiv“ sei das gelaufen, erklärte Seddadi der Gemeinde und reichte nach einleitenden Worten dann das Mikrofon an Müller weiter.

„Ich habe vernommen, dass unser Einsatz viele Irritationen ausgelöst hat, und dass es aus ihrer Sicht schwierig zu verstehen ist, was da passiert ist“, leitete Müller ein. Am Freitagabend sei über eine Notruf-App ein Hinweis eingegangen, das ein Amoklauf in der Moschee stattfinde. Es hieß, dass zwei bis fünf Personen verletzt und dass 20 Personen in der Gewalt des Täters seien. „Wir haben versucht, Kontakt mit der Person aufzunehmen. Sie hat auch reagiert, und sie hat uns ergänzende Informationen gegeben, so dass wir davon ausgehen mussten, es ist ernst“, erklärte Müller. Die Moscheen seien im besonderen Blick der Polizei, und man versuche, besonders schnell mit der entsprechenden Ausrüstung vor Ort zu sein.

Seit dem Amoklauf von Erfurt im Jahr 2002, als 17 Menschen starben, warte die Polizei draußen nicht mehr ab. „Wenn wir ausgerüstet sind, gehen wir ohne große Kommunikation in das Gebäude rein und versuchen, das Gebäude zu durchsuchen und nach dem Täter zu suchen“, erklärte Müller. Zu seinem Leidwesen seien auch Kinder betroffen gewesen. Der stellvertretende Vorsitzende Mounir El Horchi war vor Ort und hatte versucht, die gegen 18 Uhr ankommenden Beamtinnen und Beamten darauf hinzuweisen, dass keine Gefahr bestehe.

Nach Angaben von Seddadi sei auch eine Waffe auf den Imam gerichtet worden, der aus dem Waschraum kam, und eine Mädchengruppe im ersten Stock sei aufgefordert worden, die Hände nach oben zu nehmen, während Polizisten mit Maschinengewehren die Räume durchsuchten. Seddadi, der um 18.10 Uhr auf das Gelände kam, fühlte sich erniedrigt, weil er von Beamten geschubst und angeschnauzt wurde.

„Dass wir in so einer Situation keinen mehr reinlassen, ich glaube, das verstehen Sie. Da gab es schon die ersten Probleme in der Kommunikation“, erklärte Müller. Nun gehe es darum, den Einsatz nachzubereiten und mit den beteiligten Kolleginnen und Kollegen zu sprechen. „Wir haben verschiedene Punkte identifiziert, über die wir reden müssen.“ Im Anschluss soll es noch ein zweites Gespräch mit der Moscheegemeinde geben, bei dem auch eventuell der beteiligte Einsatzleiter dabei sein soll. „Die Wirkung, die wir entfaltet haben, tut mir unendlich leid. Aber auf der anderen Seite ist unser Bestreben, Sie alle zu schützen und insbesondere Moscheen besonders zu schützen“, sagte Müller.

Seddadi zeigte sich anschließend noch einmal dankbar für das Gespräch und auch die Solidarität im Stadtteil. „Wir haben auch mit Sozialarbeitern gesprochen, um unsere Kinder zu betreuen“, sagte der Vorsitzende der Gemeinde. Der Besuch von Müller habe den Menschen geholfen, glaubt er.

Kommentar auf dieser Seite

Mohammed Seddadi, Vorsitzender der Abu-Bakr-Moschee im Gebetsraum.
Mohammed Seddadi, Vorsitzender der Abu-Bakr-Moschee im Gebetsraum. © Monika Müller

Auch interessant

Kommentare