Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Das Polizeipräsidium an der Adickesallee in Frankfurt am Main.
+
Das Polizeipräsidium an der Adickesallee in Frankfurt am Main.

Verbleib völlig ungeklärt

Frankfurt: Zahlreiche Schusswaffen bei der Polizei verschwunden – Beamter in Verdacht

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
    schließen

Ein Polizist aus Frankfurt soll Schusswaffen aus der Asservatenkammer unterschlagen und verkauft haben. Der verdächtigte Beamte steht nicht zum ersten Mal im Fokus von Ermittlungen.

Frankfurt am Main - Im Frankfurter Polizeipräsidium sind im großen Stil Schusswaffen aus der Asservatenkammer unterschlagen und offenbar an Unbefugte weitergegeben worden. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt der Frankfurter Rundschau bestätigte, wird gegen einen 41-jährigen Polizisten ermittelt, der im Polizeipräsidium für die Waffenasservate zuständig war und verdächtigt wird, sichergestellte Schusswaffen aus der Asservatenkammer entnommen und dann weiterverkauft zu haben. Teilweise seien diese Waffen wohl auch an Unternehmen gegangen, hieß es.

Nähere Angaben zu Anzahl und Art der verschwundenen Schusswaffen wollte die Sprecherin unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht machen. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, die zuerst über den Fall berichtet hatte, soll es um eine dreistellige Anzahl von Pistolen, Revolvern, Langwaffen und Munitionsteilen gehen, deren Verbleib aktuell völlig ungeklärt sei.

Frankfurt: Schusswaffen verschwinden aus Polizeipräsidium - Verdächtiger bekannt

Der Frankfurter Beamte, der jetzt im Fokus der Ermittlungen steht, ist kein Unbekannter: Bereits im September vergangenen Jahres hatte der 41 Jahre alte Kriminalkommissar bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, weil er neben seiner Arbeit für die private Sicherheitsfirma „Asgaard“ aus Hamm in Nordrhein-Westfalen gearbeitet haben soll, unter anderem im Irak. Diese Nebentätigkeiten soll nicht von seinem Dienstherren genehmigt gewesen sein.

Außerdem soll er illegal Daten aus Polizeidatenbanken abgefragt und diese für seine Nebentätigkeiten genutzt haben. Gegen den Beamten wird deshalb schon seit Juli vergangenen Jahres wegen Bestechlichkeit und der Verletzung von Dienstgeheimnissen ermittelt, nun könnten auch Unterschlagung oder Verstöße gegen das Waffengesetz in Betracht kommen.

Polizei Frankfurt: Verdächtiger Beamter mit möglichweise rechter Gesinnung

Als die ersten Ermittlungen gegen den Polizisten bekannt wurden, war auch über eine mögliche rechte Gesinnung des Beamten spekuliert worden. Das ARD-Magazin „Kontraste“ und das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatten eine gemeinsame Recherche veröffentlicht, der zufolge die Firma Asgaard rechtsradikal beeinflusst sein soll. Von der Staatsanwaltschaft hatte es damals geheißen, die Ermittlungen hätten keinen Hinweis auf eine politische Motivation des Beamten ergeben, dieser habe sich wohl nur bereichern wollen. Asgaard hatte alle Vorwürfe zurückgewiesen, ein Mitarbeiter des Unternehmens hatte gegenüber der FR von einer „Schmutzkampagne“ gesprochen.

Das Polizeipräsidium Frankfurt teilte am Freitag mit, gegen den beschuldigten Polizisten laufe bereits seit August vergangenen Jahres ein Disziplinarverfahren, das Führen der Dienstgeschäfte sei ihm aktuell untersagt. Seit man in der vergangenen Woche erstmals Einblick in die Ermittlungsakten erhalten habe, prüfe man auch die vorläufige Suspendierung mit Einbehaltung von Dienstbezügen mit dem Ziel „der dauerhaften Entfernung des Beamten aus dem Dienst“.

Waffen verschwinden aus Asservatenkammer bei der Polizei Frankfurt

Unabhängig davon sei die Innenrevision des Präsidiums sofort mit einer Überprüfung des Managements der Asservatenkammer beauftragt worden. „Dabei wurden Mängel festgestellt“, hieß es. Man habe mehrere Arbeitsgruppen gebildet und bereits während der noch andauernden Prüfung einige offenkundige Missstände behoben. Jetzt werde an der Verbesserung etwa der Dokumentation „insbesondere in den sensiblen Bereichen der Waffen- und Betäubungsmittelasservate“ gearbeitet und auch die räumliche Ausstattung der Asservatenkammer überprüft. Zudem werde darüber nachgedacht, wie in Zukunft alle von der Polizei in Verwahrung genommenen Gegenstände digital erfasst und gespeichert werden könnten.

Polizeipräsident Gerhard Bereswill sagte, er nehme die festgestellten Mängel „sehr ernst“. Es werde jetzt intensiv daran gearbeitet, „alle Defizite in der Handhabung mit Asservaten aufzuzeigen und Gegenmaßnahmen umzusetzen“. Man habe bereits „neue Wege im Umgang mit Asservaten eingeschlagen“. (Hanning Voigts)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare