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Polizei am Frankfurter Opernplatz
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In Frankfurt soll ein Polizist antisemitisch vorgegangen sein. (Archivfoto)

Antisemitismus-Vorwurf

Frankfurter Polizist soll „Judenausweis“ verlangt haben – Staatsanwaltschaft schaltet sich ein

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Bei einer Kontrolle in Frankfurt soll ein Beamter brutal und antisemitisch vorgegangen sein. Die Polizei dementiert.

Update vom 08.04.2021, 13.30 Uhr: Den möglichen Vorfall von Antisemitismus bei der Frankfurter Polizei überprüft nun die Staatsanwaltschaft. „Dieses Verfahren läuft, es müssen noch Zeugen befragt werden“, sagte die Sprecherin der Frankfurter Behörde am Donnerstag (08.04.2021) nach Angaben der „Deutschen Presse-Agentur“.

Frankfurter Polizist soll „Judenausweis“ verlangt haben - Polizei weist Vorwürfe zurück

Erstmeldung vom 06.04.2021, 19.00 Uhr: Frankfurt – Der Frankfurter Polizei droht womöglich ein weiterer Skandal. Bei einer Kontrolle auf dem Opernplatz am Karfreitag soll ein Beamter sich gegenüber einem Frankfurter antisemitisch geäußert und ihn überdies brutal angegangen sein, weil dieser keine Maske trug. Das Opfer, ein 33-jähriger Unternehmer, hat gegen den Beamten Dienstaufsichtsbeschwerde und Anzeige wegen Körperverletzung im Amt, Beleidigung, Volksverhetzung und rechtswidriger Verarbeitung personenbezogener Daten gestellt.

Gegenüber der Frankfurter Rundschau sagte der 33-Jährige, mehr noch als der Antisemitismus habe ihn die Aggressivität des Angriffs überrascht. „Der Beamte hat jedes Maß verloren, das hat mich schockiert.“

Polizist in Frankfurt soll gefragt haben: „Wo ist denn Ihr Juden-Ausweis?“

Nach seiner Schilderung trug sich der Vorfall am Karfreitag gegen 19.15 Uhr folgendermaßen zu: Er sei vom Hotel Sofitel unterwegs über den Opernplatz in Richtung Taunusanlage gewesen und habe telefoniert. Dabei habe er vorschriftswidrig keine Maske getragen. Plötzlich habe ihn von hinten jemand auf die linke Schulter geschlagen, gepackt und umgerissen. Auf Nachfrage, was das solle und ob die Aggressivität notwendig sei, habe der Beamte die fehlende Maske angeführt, und dass er nicht auf die Ansprache reagiert habe. Nach der sinngemäßen Erwiderung des 33-Jährigen, „das ist ja hier wie 1933“, habe der Polizist aggressiv geschaut, woraufhin er ergänzt habe, er sei Jude. Daraufhin habe der Beamte gefragt: „Wo ist denn Ihr Juden-Ausweis?“ und hämisch gelacht. Der Unternehmer sagt, er habe ihm dann perplex seine Kette mit Davidstern-Anhänger gezeigt.

Darauf sei der Polizist nicht eingegangen, sondern habe seinen Personalausweis verlangt. Mittlerweile sei man von fünf Polizisten und mit einigen Abstand einer kleinen Menschentraube umringt gewesen. Während der Beamte offenbar mit einer Dienststelle telefoniert und Daten abgefragt habe, soll er laut und für Dritte vernehmlich Details aus dem Vorleben des 33-Jährigen preisgegeben und erneut hämisch gelacht haben. „Hier war für mich das Maß des Erträglichen erreicht“, erinnerte sich der Mann am Dienstag. Das weitere Gespräch zeichnete er mit seinem Smartphone auf. Der betreffende Beamte habe dies verhindern wollen, ein Kollege habe allerdings darauf hingewiesen, dass dies erlaubt sei. Als Reaktion darauf habe der Beamte seine Body-Cam eingeschaltet und sich fortan deutlich freundlicher verhalten.

Polizist bestreitet Nachfrage nach „Judenausweis“ vehement, Body-Cam zunächst ausgeschaltet

Seiner Anzeige hat der 33-Jährige ein Foto seiner geröteten Schulter angefügt, das er eine Stunde nach dem Vorfall gemacht habe. Die antisemitische Entgleisung stuft er lediglich als „sehr geschichtsvergessen“ ein und will keine zu große Sache daraus machen. Den körperlichen Angriff des Beamten aber, dessen Kennnummer er notiert hat, empfand er als „unverhältnismäßig aggressiv“ für eine Ordnungswidrigkeit. „Stellen Sie sich vor, ein Falschparker würde so angegangen.“

Die Polizei wehrte sich am Dienstag gegen die Vorwürfe. „Die eingesetzten Beamten bestreiten vehement“, nach einem „Juden-Ausweis“ gefragt zu haben. Sie hätten ihrerseits Strafanzeige wegen Verleumdung gegen den 33-Jährigen erstattet. Die Beamten berichteten demnach von einem völlig uneinsichtigen Verhalten des Kontrollierten, „der sich auch nach Aufforderung weiterhin weigerte, eine Mund-Nase-Bedeckung aufzusetzen, weshalb ihm in letzter Konsequenz ein Platzverweis ausgesprochen werden musste“, heißt es in einer Stellungnahme der Polizei, die nun ihrerseits nach weiteren Zeugen des Vorfalls sucht. Fraglich bleibt, warum der betreffende Beamte, der offenbar mit einer Body-Cam ausgestattet war, diese nicht von Beginn an eingeschaltet hatte.

Zuständiges 1. Polizeirevier in der Vergangenheit in NSU 2.0-Affäre verwickelt

Der Opernplatz liegt im Bereich des 1. Polizeireviers, das bereits in der Vergangenheit in der Kritik gestanden hat. Allerdings war am Dienstag noch nicht klar, ob der Beamte wirklich diesem Revier angehört, da bei den Corona-Kontrollen Beamte aus verschiedenen Einheiten zusammengezogen werden. Die Polizei äußerte sich am Dienstag auf Anfrage nicht dazu, in welchem Revier der fragliche Beamte Dienst tut. (Oliver Teutsch)

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