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„Facing Extinction“: Eine Lichtinstallation am früheren I.G. Farben-Gebäude der Goethe-Universität weist auf das Artensterben hin.

Luminale in Frankfurt und Offenbach

Frankfurt: Poetische Lichtkunst braucht Dunkelheit

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Bei der Luminale in Frankfurt und Offenbach sind über 110 Installationen zu sehen. Veranstalter sehen trotz befürchteter Corona-Epidemie keine Gefahr.

Käfer mit grün-schimmernden oder gar goldenen Flügeln, mit markanten Schwarz-Weiß-Zeichnungen oder langen Fühlern werden von Donnerstag, 12. März, bis Sonntag, 15. März, im Frankfurter Westend zu sehen sein, allerdings nicht aufgespießt in einem Setzkasten, sondern auf der Fassade des IG-Farben-Hauses. Die Goethe-Universität beteiligt sich an der Luminale. Die Videoinstallation „Facing Extinction“ des Berliner Designbüros „mbox.“, die das Unigebäude verfremden wird, ist eine von etwa 110 Installationen internationaler Künstlerinnen und Künstler, die während der 10. Biennale für Lichtkunst und Stadtgestaltung Frankfurt und Offenbach erleuchten werden.

Die Luminale, die seit 2002 alle zwei Jahre in den beiden Städten gefeiert wird, steht in diesem Jahr erstmals unter einem zentralen Motto: „Digital Romantic“ lautet es. „Damit zeigt sich das Festival ganz am Puls einer Zeit, die geprägt ist von technologischen und gesellschaftlichen Umbrüchen“, sagt Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, der, wie schon 2018, Schirmherr der Veranstaltung ist, die ursprünglich von der Messe Frankfurt in enger Zusammenarbeit mit der Messe „Light + Building“ initiiert wurde.

Die Fachmesse ist wegen der befürchteten Corona-Epidemie auf September verschoben worden. Die Luminale soll aber auf jeden Fall stattfinden, wie Pressesprecherin Katja Bund sagt. Die Organisatoren ständen im engen Austausch mit den Gesundheitsbehörden. Nach der aktuellen Einschätzung von Weltgesundheitsorganisation, Behörden und Experten sei das Risiko, sich während einer Veranstaltung wie der Luminale mit dem Erreger Sars-CoV-2 zu infizieren, sehr gering. Viele der etwa 110 Installationen sind ohnehin im öffentlichen Raum zu sehen.

Einer der Themenschwerpunkte in diesem Jahr ist der Umweltschutz. Die Video-Installation am IG-Farben-Haus beispielsweise greift das weltweite Artensterben auf. „Der einsame Baum“, eine begehbare Licht-Installation der deutschen Künstlerin Kathi Kaeppel in der Weißfrauenkirche im Bahnhofsviertel, setzt sich mit dem romantischen Verhältnis des Menschen zur Natur und dem Fichtensterben auseinander. Und der neuseeländische Lichtkünstler Marcus McShane widmet sich der Frage, wie verantwortlich wir mit der Ressource Wasser umgehen. Dafür geht er mit seiner Installation „If words were water“ (Wenn Worte Wasser wären) an der Alten Brücke in der Innenstadt unter die Wasseroberfläche des Mains.

Aber auch die Luminale selbst will ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten. Um einen Ausgleich für die Energie zu schaffen, die die etwa 110 Lichtkunstwerke und die Veranstaltungen in Frankfurt und Offenbach verbrauchen, rufen die Veranstalter mit der Aktion „Licht aus!“ Unternehmen, Banken, Institutionen und Behörden in beiden Städten dazu auf, ihre Beleuchtung auszuschalten. „Das hat den schönen Nebeneffekt, dass die fantastischen Lichtkunstwerke während dieser Abende noch besser sichtbar werden“, sagt Festivaldirektorin Isa Rekkab.

Ein Lichtkünstler, der absolute Dunkelheit braucht, damit seine poetische Installation sichtbar ist, ist der Japaner Yasuhiro Chida, der schon dabei ist, im Felsenkeller der historischen Röderberg-Brauerei im Ostend ein feines, dreidimensionales Netz aus kilometerlangen, transparenten Nylonfäden zu knüpfen, um „Diamantenstaub“ sichtbar zu machen, ein Naturphänomen, das an eisigen, klaren Tagen zu beobachten ist, wenn tausende kleinster Nadeln aus Eis vom Himmel auf die Erde schweben. „Man wird umgeben sein von mehreren Tausend winzigen Lichtpunkten, diesich im Raum bewegen“, verspricht Yasuhiro Chida.

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