Biodiversität

Frankfurt: Ein Platz für die Spargelerbse

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Senckenbergs Blick auf die „Stadtnatur in Frankfurt“. Ein Buch, das zeigt, wie schützenswert die Umwelt in unserer Nachbarschaft ist.

Die Mücken-Händelwurz. Und die Gelbe Spargelerbse. Das war’s. Sie sind die letzten Überlebenden von einst 51 sogenannten kalkzeigenden Pflanzenarten auf dem Kalkboden des Frankfurter Lohrbergs. Am Berger Nordhang sank ihre Zahl in den vergangenen gut hundert Jahren von 18 auf acht, am Bornheimer Hang von zwei auf null.

Der enorme Schwund ist nur ein Symptom des rasanten Artenverlusts unserer Zeit. Thematisiert haben ihn die Senckenberg-Forscherin Indra Starke-Ottich und ihr Kollege Georg Zizka in diesem Buch gemeinsam mit dem Team, das für die Biotopkartierung in der Stadt zuständig ist – also für die Bestandsaufnahme aller Tier- und Pflanzenarten Frankfurts.

Welche Amphibienarten es in Frankfurt gibt, wo und mit welchem Schutzstatus, das lässt sich in „Stadt braucht Natur“ nachlesen, vom Bergmolch bis zur Wechselkröte. Doch den Autorinnen und Autoren geht es hier nicht um einen Katalog dessen, was einmal war und was heute noch übrig ist – sie interessiert das große Ganze. Frankfurt verliere kontinuierlich Biodiversität, warnen sie. Es seien „dauerhaft große Anstrengungen notwendig, um diesen Trend zu stoppen“.

Als gutes Vorbild nennen sie etwa die Renaturierung der Nidda und den Abbau der mechanischen Wehre zugunsten naturnaher Fischtreppen. Sie hätten der Region „nicht nur wieder eine reiche Fischfauna beschert, sondern Flora und Fauna in und an den Gewässern eine positive Entwicklung ermöglicht“.

Weitere Lichtblicke für die Stadtnatur aus Sicht der Forschenden: Projekte wie „Städte wagen Wildnis“ und das Mitwirken der Bevölkerung. Das Fundament nachhaltiger Stadtentwicklung sei schließlich: Begeisterung und Engagement der Bürger für Natur in ihrer Stadt.

Mehr Raum für Vogelschutzgehölze, überhaupt mehr Raum für den Grüngürtel fordern die Autorinnen und Autoren; die Situation in Frankfurt sei trotz des relativen Waldreichtums nicht ideal. „Leider fehlen uns hier jedoch noch verbindliche, allgemein akzeptierte Vorgaben, wie viel Natur in der Stadt nötig ist“, schreibt Senckenberg-Generaldirektor Volker Mosbrugger im Vorwort. Fakt sei, dass bisher „die Notwendigkeit des Biodiversitätserhaltes weltweit nur ungenügend berücksichtigt wurde“.

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