Wirtschaft

Platz für Gewerbe am Bad Homburger Kreuz

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Die Entwicklung eines großen Gewerbegebiets ganz im Norden Frankfurts rückt näher. Aus Ausgleich für die Flächenversieglung soll der Grüngürtel wachsen.

Auf einem bisher überwiegend landwirtschaftlich genutzten Areal ganz im Norden Frankfurts könnte in den nächsten Jahren das von der Frankfurter Wirtschaft schon lange vehement geforderte große neue Gewerbegebiet entstehen. Das sieht das Gewerbeflächenentwicklungskonzept vor, das Planungsdezernent Mike Josef (SPD) nach Abstimmung mit Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) und den Koalitionsfraktionen in den Magistrat eingebracht hat.

Eine entsprechende Entwicklung der zu Nieder-Eschbach gehörenden Flächen nördlich des Einrichtungshauses Ikea an der Züricher Straße, östlich der Anna-Lindh-Allee und der Autobahn 5, ist seit Jahren in der Diskussion. Schließlich liegen die Flächen in unmittelbarer Nähe zum Bad Homburger Kreuz. Vorteilhaft ist zudem, dass der Stadt selbst und einer stadtnahen Stiftung Grundstücke im Areal gehören. In die Strategiekarte des 2019 beschlossenen integrierten Stadtentwicklungskonzepts war das Gebiet nach Widerstand der Grünen, die ökologische Bedenken äußerten, dennoch nicht aufgenommen worden.

Nun aber haben sich die Koalitionspartner auf eine Lösung verständigt. Dabei wächst als Ausgleich für die Versiegelung der Flächen am Bad Homburger Kreuz der Frankfurter Grüngürtel. So soll etwa, wie Josefs Sprecher Mark Gellert am Montag auf Anfrage berichtete, eine „Grünfuge“ zwischen dem künftigen Gewerbegebiet und dem Rand des dörflichen Teils von Nieder-Eschbach entstehen. Auch weitere Flächen rund um den Stadtteil sollen Teil des Grüngürtels werden. Im Ergebnis werde es mehr hochwertiges Grün für die Stadt geben, sagte Gellert.

Zunächst wird sich nun der Magistrat mit dem Gewerbeflächenentwicklungskonzept befassen. Stimmt dieser rasch zu, könnten die Stadtverordneten noch im Herbst das Konzept beschließen und womöglich zugleich den Magistrat mit der Aufstellung eines Bebauungsplans für das Areal beauftragen. In diesem Fall könne es bereits in zwei Jahren Planungsrecht geben.

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, Ulrich Caspar, lobt die Pläne als „gutes Signal“. Schließlich sei die Nachfrage nach Gewerbeflächen trotz der Corona-Krise hoch – und werde es wegen der strukturellen Vorteile des Wirtschaftsstandorts Frankfurts mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bleiben. Caspar fordert erneut, mehr landwirtschaftlich genutzte Flächen in Frankfurt zu bebauen. „Wir haben in unserer Region und in Deutschland keinen Mangel an Lebensmitteln, aber einen Mangel an Bauland für Wohnen, Gewerbe und Industrie.“

Auch die Spitzenvertreter des DGB und der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) in Frankfurt und Region nennen die geplante Ausweisung des Gewerbegebiets einen wichtigen Schritt. Dieser müsse aber „durch die Gründung einer Entwicklungsgesellschaft begleitet werden, damit die Stadt Gestaltungsspielräume nicht aus der Hand geben muss“, fordern Philipp Jacks (DGB) und Friedrich Avenarius (VhU). Die Gründung einer solchen Gesellschaft ist seit langem geplant. Formuliert ist das Ziel auch im Stadtentwicklungskonzept. Nun aber müssten sich die zuständigen Dezernate schnell einig werden, fordern DGB und VhU.

Gellert geht davon aus, dass die Stadtverordneten den Magistrat noch im Herbst mit der Gründung einer solchen Gesellschaft beauftragen könnten.

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