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Skyline Frankfurt: So sehen manche Menschen die Stadt sehr gerne - doch Wohnungen sind oft unbezahlbar. 

Luxus-Wohntürme in Frankfurt

Josef will bezahlbare Wohnungen - auch in den Luxustürmen

Eine Wohnung auf dem Afe-Gelände in Bockenheim gibt es ab 13.000 Euro - pro Quadratmeter. Planungdezernent Mike Josef will gegensteuern. 

Mike Josef (36) ist Planungs- und Wohnungsdezernent der Stadt Frankfurt. Der Sozialdemokrat bereitet die Fortschreibung des Hochhausrahmenplans vor.

Herr Josef, welche Gefühle löst der Blick auf die Frankfurter Skyline mit ihren Hochhäusern bei Ihnen aus?
Die Entwicklung unserer Skyline ist bundesweit einmalig und wird städtebaulich als sehr positiv wahrgenommen. Ich finde es schön, wenn ich auf der Sachsenhäuser Mainseite stehe, auf die Skyline blicke und rechts davon noch die Altstadt sehe. Wir haben keine Hochhauswand wie andere Städte, sondern wir variieren die Höhen und haben Cluster gebildet. Die Skyline ist ein Wahrzeichen für Frankfurt.

Sehr heftig diskutiert werden Wohnhochhäuser in Frankfurt, bei denen es um sehr teures Wohneigentum geht und die wie Luxusinseln in der Stadt wirken. Kann die Stadt diese Luxustürme, die vor allem der Kapitalanlage dienen, nicht verhindern? 
Es wird die große Herausforderung bei der geplanten Fortschreibung des Hochhaus-Rahmenplanes sein, wie wir mit diesen Hochhäusern umgehen. Die Stadt hat durchaus Einfluss. Wir können vorgeben, dass öffentlich geförderte Wohnungen in Hochhäusern entstehen, etwa im Sockel. Das war früher nicht denkbar. Bei den beiden ersten Hochhaus-Rahmenplänen haben wir aber festgesetzt, dass es öffentliche Nutzungen in den Sockeln geben muss. Man soll Stadt spüren, es soll lebendig sein. Wohnhochhäuser können Sinn haben, wo sie zur Belebung eines ansonsten einseitig von Büros geprägten Umfelds beitragen und auch bei den frei finanzierten Wohnungen bezahlbar sind. Also insgesamt das Gegenteil von Anlageobjekten. 

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Kaufpreise starten bei 13.000 Euro pro Quadratmeter 

Viele Frankfurter ärgern sich richtig über die Luxus-Wohntürme. Zum Beispiel auf dem AfE-Gelände in Bockenheim, wo die Wohnungen von 13.000 Euro pro Quadratmeter aufwärts kosten. Viele Menschen sagen, da läuft etwas schief in unserer Stadt. Können Sie diesen Ärger nachvollziehen?
Ja, ich kann den Ärger nachvollziehen. Bei dem Turm auf dem AfE-Gelände gibt es keine einzige öffentlich geförderte Wohnung. Es werden die Preise genommen, die der Markt hergibt. Das ist eine politische Entscheidung, die vor meiner Amtszeit gefallen ist.

So etwas, dass es nämlich keine einzige öffentlich geförderte Wohnung gibt, wird es nicht mehr geben?
Nein, das gibt es schon seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Ich möchte mit den Hochhäusern Lebendigkeit erzielen in den Erdgeschosszonen. Ich will aber auch, dass die Wohnungen in den Hochhäusern bezahlbarer werden. Es müssen auch frei finanzierte Mietwohnungen entstehen. Wir prüfen beispielsweise, ob das durch einen Ausgleich innerhalb eines Hauses geht.

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Wollen Sie Wohntürme künftig grundsätzlich verhindern?
Nein. Wir werden aber genau schauen, wo wir Wohntürme zulassen.

Luxus-Wohntürme helfen nicht gegen Wohnungsmangel in Frankfurt 

Warum braucht man überhaupt neue Wohnhochhäuser? Helfen die gegen den Wohnungsmangel?
Momentan nicht. Sie helfen, wo wir öffentlich geförderte Wohnungen schaffen können. Das sind teure Grundstücke. Die Alternative wäre, dass dort teure Büros entstehen. Wir wollen Planungsrecht erst dann geben, wenn wir städtebauliche Verträge mit den Investoren geschlossen haben. So behalten wir die Entwicklung in der Hand.

Die Grünen wollen einen Klimavorbehalt für jedes neue Bauwerk in der Stadt. Es soll untersucht werden, was der Bau für das Klima bedeutet. Erschwert das nicht Hochhäuser stark?
Was bedeutet denn Klimavorbehalt? Das ist doch nur ein Schlagwort. Die Grünen sagen damit, dass auch mein Vorgänger, der Grüne Olaf Cunitz, drauflosgebaut hätte, ohne sich um das Klima zu kümmern. Netter Versuch, aber das ist kompletter Unsinn und das wissen die Grünen auch. Zu jedem einzelnen Bebauungsplan und einzelnen Hochhaus gibt es eine umfassende Umweltprüfung. Die Bebauungspläne, die Hochhäuser festsetzen, hatten auch schon in der Vergangenheit einen umfangreiche Umwelt- und Klimaprüfung. Es gab allerdings Genehmigungen für Standorte, die gar nicht im Hochhaus-Rahmenplan waren. Das waren problematische Standorte. Andererseits können Hochhäuser das Kleinklima durch Luftströme entlang der Fassaden durchaus positiv beeinflussen. Ich möchte das mit dem neuen Hochhaus-Rahmenplan noch besser machen.

„Ich möchte Hochhäuser aus Holz“

Inwiefern?
Wir werden genau untersuchen, welche klimatischen Auswirkungen die künftigen Hochhäuser haben. Eine sehr gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Rad ist Voraussetzung. Darum geht es im Konkreten und nicht um Schlagworte. Wir müssen auch stärker mit Holz als Baumaterial arbeiten. Zukünftig muss die graue Energie stärker mitgedacht werden. Ich möchte Hochhäuser aus Holz nach dem Vorbild der Stadt Toronto. Wir brauchen solche Modellprojekte, weil ihre ökologische Bilanz viel besser ausfällt als bei Hochhäusern aus Stahl und Beton.

Bisher gibt es in Frankfurt Hochhaus-Pulks. Werden die jetzt erweitert? Oder gehen Sie in Viertel, in denen es noch keine Hochhäuser gibt?
Wir haben ja noch etwa zwölf ausgewiesene Hochhausstandorte, die noch nicht in Anspruch genommen worden sind. Die kommen jetzt. Wir sind aber nicht Moskau oder New York. Das heißt: Hochhäuser, die mehr als 200 Meter hoch sind, sind schon schwierig in der Vermarktung. Banken wollen gerne ins Bankenviertel. Außerhalb dieser guten Lage ist es schwierig, Hochhäuser zu vermarkten. Wir werden daher an Büros den Auftrag erteilen, sich einzelne Gebiete, auch bestehende Hochhaus-Cluster anzuschauen.

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Wo werden die neuen Hochhäuser genau stehen?
Wir werden keine Hochhäuser in den bestehenden Stadtteilen entwickeln. Wir werden nicht an der gründerzeitlichen Struktur rühren. Klar definierte Standorte in klar definierten Clustern senden ein deutliches Signal an Projektentwickler und Investoren: Was geht wo, und was geht nicht? Hier war die Politik in Frankfurt zu lange und zu oft zu wenig klar. Gerade der letzte Hochhausrahmenplan mit seinen weit auseinanderliegenden Standorten außerhalb der Innenstadt hat zu einer gewissen Unklarheit und damit zu spekulativen Erwartungen im Umfeld beigetragen.

Künftig Hochhäuser an der Miquelallee?

Das heißt, Sie wollen keine Hochhäuser außerhalb der Innenstadt, also außerhalb des Anlagenrings?
Die Messe ist schon die Ausnahme. Aber es gab ja Überlegungen, Hochhäuser entlang der Miquelallee zu bauen. Oder in Richtung Bockenheim oder Gallus. Das ist schändlich und schädlich für die Stadtteile. Das machen wir nicht. Wir haben eine Büroflächenstudie in Auftrag gegeben an ein Tandem von Planungsbüro und Immobilienanalysten. Wir lassen auch Hybridhochhäuser prüfen, also eine Mischung von Büros und Wohnen. Die sind robuster gegenüber Marktschwankungen. Ich kann mir eine Revision der Nahtstelle von Taunusanlage und Bankenviertel vorstellen, dort auch nochmals zu verdichten und die Anlage besser anzubinden.

Wie beurteilen Sie die Architektur der Türme, die jetzt entstehen?
Wir müssen bei den Wettbewerben etwas ändern. Ich finde es zutiefst langweilig, was da mittlerweile an Architektur entsteht. Fast immer die gleiche Architektur. Es wird sehr auf die perfekte Ausnutzung der Grundrisse für Büros gesetzt und weniger auf eine Architektur, die dem Standort angemessen ist, die auch energieeffizient ist und eine feine Fassade hat. Wir müssen uns bei den Wettbewerben mehr Zeit lassen: Sie sollten bei großen Arealen zweistufig sein, und auch der hochbauliche Teil sollte die Zeit lassen, alles einmal zu überschlafen, also an zwei Tagen stattfinden. 

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Architektur-Wettbewerbe sollen überprüft werden

Wie wollen Sie das ändern?
Es gab Wettbewerbe, bei denen ich den Eindruck hatte, der Gewinner stehe von Anfang an fest. Das geht so nicht. Das haben wir zuletzt auch nicht akzeptiert. Wir werden stärker auf die Zusammensetzung des Preisgerichts achten. Wir werden detailliert die Ausschreibung prüfen. Wir werden auf Vielfalt, Energieeffizienz und Standortgerechtigkeit achten.

Was werden Sie gegen eintönige Architektur tun?
Es gibt kaum noch Neuerungen. Wir haben immer dieselben Fassaden. Es dürfen deshalb keine aufwendigeren Fassaden aus Wirtschaftlichkeitsgründen ausgeschlossen werden.

Immer noch unbebaut ist das Grundstück für ein Hochhaus von 350 Metern Höhe nahe der Messe. Was tut sich dort?
Dazu finden Gespräche mit einem Investor statt. Die damals geplante Höhe wird in Frankfurt nicht realisiert. Denn der Büromarkt hat sich innerhalb der letzten 20 Jahre kaum verändert. Die Spitzenpreise liegen immer noch um 40 Euro. Ein so hohes Haus lohnt sich nicht.

Wann könnte der neue Hochhaus-Rahmenplan vorliegen?
Es gilt: Gründlichkeit vor Schnelligkeit. In den nächsten anderthalb Jahren wird er kommen.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert und Christoph Manus

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