Dezernentin Rosemarie Heilig und Gabriele Wenner eröffnen die Kampagne gegen häusliche Gewalt.
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Dezernentin Rosemarie Heilig und Gabriele Wenner eröffnen die Kampagne gegen häusliche Gewalt.

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Frankfurt: Plakatkampagne gegen häusliche Gewalt gegen Frauen

  • vonClara Gehrunger
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Die Gefahr häuslicher Gewalt ist in der Corona-Krise besonders groß. Eine Plakatkampagne in Frankfurt informiert nun über Beratungsangebote zu häuslicher Gewalt gegen Frauen.

An einer Litfaßsäule auf der Konstablerwache hängt das erste Plakat. Von einer Hälfte blickt eine Frau den Betrachterinnen und Betrachtern entgegen, auf der anderen Seite steht vor pinkfarbenem Hintergrund: „Sie sind von häuslicher Gewalt bedroht?“ Es ist der Auftakt einer Informationskampagne des Frauendezernats und des städtischen Frauenreferats. Die Plakate sollen auf allen Litfaßsäulen in Frankfurt zu sehen sein, 630 an der Zahl, und richten sich hauptsächlich an betroffene Frauen.

„Häusliche Gewalt ist immer ein Thema“, betont Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Betroffen seien vor allem Frauen und Kinder. Durch die Schulschließungen und die Einschränkungen des öffentlichen Lebens sei während Corona die soziale Kontrolle durch das Umfeld weggefallen. „Frankfurt hat ein gutes Netzwerk an Beratungsstellen“, sagt Heilig. Auf den Plakaten sind Nummern verschiedener Einrichtungen vermerkt, die Opfer und Zeugen häuslicher Gewalt anonym und kostenlos beraten, etwa die Beratungsstelle Frauennotruf (069 / 709 494).

Außerdem sei mit der Polizei fest ausgemacht: „Wer schlägt, der geht.“ Sprich: Nicht die Opfer sollen die Wohnung verlassen, sondern die Täter. Wer sich in direkter Gefahr befinde, solle direkt die Polizei rufen. Wie es danach weitergehe, werde individuell abgesprochen. Eine wichtige Rolle spiele das Gewaltschutzgesetz, das etwa Anträge auf ein Kontaktverbot und Wohnungsüberlassung ermögliche. Sollte ein Platz in einem Frauenhaus gewünscht, aber nicht vorhanden sein, gibt es laut Heilig bereits eine Lösung: „Wir haben Apartments in Hotels reserviert.“ Bisher seien die noch nicht in Benutzung.

Viele Fälle nicht direkt gemeldet

Gabriele Wenner vom Frauenreferat rechnet damit, dass viele Fälle nicht direkt gemeldet werden, sondern nach weiterer Lockerung der Corona-Einschränkungen. Es sei nie leicht, sich als Opfer häuslicher Gewalt zu erkennen zu geben, sind sich Heilig und Wenner einig. Besonders, weil es sich oft auch um psychische Gewalt und finanzielle Kontrolle durch den Partner handle.

Eine deutschlandweite Studie der Technischen Universität München hat ergeben, dass fast fünf Prozent der Partner sogar die Kontakte der Frauen kontrollierten. Nur wenige der von körperlicher, sexueller und emotionaler Gewalt betroffenen Frauen nutzten demnach bestehende Hilfsangebote.

Mit ihrer Plakatkampagne wollen Frauendezernat und -referat das ändern, indem sie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Problem lenken. Neben direkt betroffenen Frauen soll die Aktion auch Freunde und Nachbarn der Opfer ansprechen, die das Beratungsangebot ebenfalls nutzen können, um Handlungsempfehlungen zu erhalten.

Bei einer weiteren Kampagne im August soll es um Gewalt im öffentlichen Raum gehen. In den letzten Monaten habe es auf den leeren Straßen Fälle von Belästigung durch ganze Gruppen gegeben, berichtet Wenner. Keine Frau müsse das einfach hinnehmen. Wichtig sei, betroffenen Frauen zu vermitteln, dass es nicht ihre Schuld sei. Es handele sich um ein strukturelles Problem.

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