Ronny Wagner, der Herr der Tonnen bei der FES, mit einer der Müllgaragen am Luisenplatz.
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Ronny Wagner, der Herr der Tonnen bei der FES, mit einer der Müllgaragen am Luisenplatz.

Abfallentsorgung

Frankfurt: Pizzakartons kommen in die Müllgarage

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Die Stadt Frankfurt schafft 30 riesige Abfallbehälter für besonders beliebte Plätze an. Die neuen Behälter haben eine spezielle Eigenschaft, die den Entsorgern hilft.

Beliebt Ronny Wagner zu scherzen? „Dafür bin ich zuständig“, sagt er, „ich allein.“ Und meint: das Anbringen der Frankfurter Mülleimer. Knapp 8000 Stück stehen und hängen allein im Zuständigkeitsbereich der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES). Wenn einer ausgetauscht werden muss, wenn einer neu hinzukommt – und in den vergangenen zwei Jahren sind 1000 hinzugekommen –, „dann mache ich das“, sagt der Mitarbeiter mit den langen braunen Locken. „Papierkorb-Service“ heißt die Stellenbeschreibung des jungen Mannes von der FES. Wie jung genau? „Ich werde demnächst 57.“ Und nein, Ronny Wagner beliebt nicht zu scherzen.

Die Sache ist ohnehin ernst, sonst hätten FES und Stabsstelle Sauberes Frankfurt nicht mitten in der Coronakrise zur Pressekonferenz auf den Luisenplatz im Nordend eingeladen. „Wir wollten ein Statement abgeben“, sagt FES-Sprecher Stefan Röttele. Es lautet: Das Sauberhalten der Stadt geht weiter. „Wir lassen uns nicht anstecken von so einer allgemeinen Absetzbewegung.“ Stabsstellenleiterin Claudia Gabriel betont: „Ein Stück Normalität ist wichtig, auch bei der Abfallbeseitigung.“ Die sei jederzeit gewährleistet. Es gelte, der Vermüllung Einhalt zu gebieten – sie berge auch ein zusätzliches Infektionsrisiko.

Neueste Errungenschaft gegen Vermüllung

Neueste Errungenschaft gegen die Vermüllung ist ein monumentaler Abfallbehälter, ob seiner schieren Größe salopp „Müllgarage“ genannt. Der gusseiserne Quader fasst 120 Liter Inhalt und hat – das ist der Clou – ein so breites Maul, dass ein Pizzakarton hineinpasst. Ungeknickt. Noch ein Clou: Das Dach der Müllgarage läuft spitz zu. Vorgängermodelle waren oben flach. „Da haben die Leute dann schön ihre leeren Pizzakartons drauf gestapelt“, sagt Ronny Wagner. „Aber auf die Lösung mit dem spitzen Dach muss man erst mal kommen.“ In die Dachschräge integriert: Aschenbecher mit Fach für die Kippen. Dann sind die auch von der Straße weg.

Wo stehen die Dinger? Auf dem Luisenplatz schon mal zwei. Da läuft auch die Pressekonferenz, denn der Luisenplatz ist ein Schwerpunkt der Pizzakartonplage. Die Menschen treffen sich freitags auf dem Friedberger Platz, trinken, bekommen Hunger, gehen zum Luisenplatz, holen sich eine Pizza beim Italiener, gehen damit fünf Meter aufs Rondell, essen die Pizza und lassen den Karton im besten Fall im Müllbehälter. Ansonsten halt in den Rabatten.

„Man kann volle Verpackungen tragen, aber leer scheinen sie ein großes Problem zu sein“, beschreibt Claudia Gabriel ein Phänomen unserer Zeit: „Man muss sie offenbar sofort loswerden.“ Egal wohin. Ein weiteres Phänomen ist unübersehbar: Menschen kaufen eine Pizza, um sie fünf Meter entfernt zu verzehren – und sie muss im Karton sein. Es ist ausgeschlossen, sie auf einem Teller mitzunehmen und den Teller anschließend zurück in die Pizzeria zu bringen. Fünf Meter.

Die Regierung muss ran

Oder ginge das vielleicht doch? „Wir haben versucht, bei dem Pizzabäcker ein Bewusstsein zu schaffen“, sagen Vertreterinnen und Vertreter der Stadt und des Nordend-Ortsbeirats 3. Das habe aber nicht gefruchtet. Unter anderem sei es um die geordnete Rückgabe des Leihgeschirrs gegangen. „Pfandsystem!“, kräht es vielstimmig. Schon denkbar, aber hinzu komme, dass Mitnehmspeisen generell oft günstiger seien als der Verzehr vor Ort, kritisiert Claudia Gabriel. Das liege auch an unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen, da müsse die Regierung ran.

Immerhin: Schön, dass die Müllgaragen jetzt da sind, freuen sich alle. Insgesamt 30 sind bestellt. Sie sollen auf stark frequentierten Plätzen stehen, besonders auf solchen mit großformatigen Abfallgegenständen. Was kostet so eine Garage? 1500 Euro. Allgemeines Aufstöhnen. „Für einen Mülleimer!“ Abgesehen davon werden viele der gängigen blauen 50-Liter-Behälter nach und nach gegen solche mit 63 Litern Fassungsvermögen ausgetauscht. Die sind aus Kunststoff, der ist billiger. Noch billiger wäre es, wenn alle weniger Abfall verursachen würden. So weit ist Frankfurt offenbar noch nicht. Aber dafür hat Frankfurt Ronny Wagner.

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