Justiz

Frankfurt: Pfleger pflegte die Selbstbedienung

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Eine Bewährungsstrafe gibt es für einen ehemaligen OP-Mitarbeiter der Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik.

Moralisch könnte man den Fall des 57 Jahre alten OP-Pflegers, der seinen damaligen Arbeitgeber, die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik (BGU), durch maßlos übertriebene Gehaltsrechnungen um mehr als 200 000 Euro betrogen hat, als minderschwer betrachten. Der Mann hat schließlich nur das Geschäftsgebaren kopiert, das seine Vorgesetzten ihm vorlebten. Juristisch aber ist und bleibt es Betrug, und daher hat das Landgericht ihn am Donnerstag nach zehn Verhandlungstagen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Die Bewährung war Teil eines Deals mit dem Gericht: Der Angeklagte hatte gegen Prozessende die erdrückenden Indizien durch ein Geständnis bestätigt und zahlt zudem der BGU den entstandenen Schaden plus Zinsen zurück.

Der Mann hatte 2011 einen außergewöhnlich gut dotierten Vertrag als externer OP-Pfleger unterschrieben. Der damalige Geschäftsführer der BGU, ein Doktor der Rechte, hatte die Klinik zu diesem Zeitpunkt in etwas verwandelt, was Kammer, Verteidigung und Staatsanwaltschaft zu Ende dieses Prozesses in seltener Einmütigkeit als „Selbstbedienungsladen“ bezeichneten – ob aus fahrlässiger Unfähigkeit oder vorsätzlicher Raffsucht, darüber sind sich die Juristen uneins.

Der Personalchef trieb es am tollsten; er wurde im vorigen Jahr wegen Betrugs, Untreue und Bestechlichkeit zu sechs Jahren und drei Monaten verurteilt. Er hatte die Klinik um 800 000 Euro betrogen und seinen Schwiegervater für einen Heidenlohn als Chauffeur eingestellt, dessen Dienste nie gebraucht wurden. Die Ermittlungen gegen den Ex-Geschäftsführer, der mittlerweile eine andere Frankfurter Klinik leitet, waren gegen 125 000 Euro und 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit eingestellt worden.

Jedes Maß verloren

Der damalige Personalchef war es, der die Gehaltsforderungen des Pflegers absegnete. Dieser hatte anfangs vorsichtig ein paar Hunderter zu seinem Gehalt addiert und, als keiner etwas sagte, „jedes Maß verloren und gierig immer mehr aufgeschrieben“, sagte der Vorsitzende Richter Werner Gröschel. Am Ende kassierte er in einem Monat 14 000 Euro mehr Lohn als ihm zustand. Trotzdem blieb er sparsam – als der Personalchef „ein paar Hunderter“ in bar hätte haben wollen, um den Vertrag zu verlängern, habe er sich geweigert.

Der Pfleger ist gestraft genug. Er arbeitet jetzt in einem Angestelltenverhältnis an einer anderen Klinik für 2600 Euro im Monat. Seine Ehefrau kommt als Ärztin nicht annähernd an sein früheres Gehalt heran, die Immobilien sind noch nicht abbezahlt und das Internatsgeld für die Kinder liegt jährlich im gehobenen fünfstelligen Bereich.

Was den Pfleger von seinen Ex-Chefs unterscheidet: Laut Zeugenaussagen hat er stets hervorragende Arbeit geleistet.

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