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Neben der Paulskirche soll ein Zentrum für Demokratie entstehen.

Aufwertung

Frankfurter Paulskirche soll zum nationalen Symbol für Demokratie und Meinungsfreiheit werden

Ein Gutachten des Planungsbüros Speer&Partner untersucht die Zukunft der Paulskirche.

Die Frankfurter Paulskirche soll durch die Investition einer zweistelligen Millionensumme zum nationalen Symbol für Demokratie und Meinungsfreiheit aufgewertet werden. Auf dieses gemeinsame Ziel hat sich hinter den Kulissen die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen verständigt. Das genaue Vorgehen bis zum 175. Geburtstag des Gebäudes 2023 will Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) allerdings erst nach den Sommerferien öffentlich präsentieren. Auch eine Veranstaltung in der Paulskirche ist im September geplant. Danach soll die Römer-Koalition einen gemeinsamen Beschluss fassen.

Der Sozialdemokrat Feldmann möchte das Projekt, das international Aufsehen erregen soll, in den nächsten Jahren stark mit seinem Namen verbinden. Das sorgt insbesondere beim Koalitionspartner CDU, der intern schon im März einen Antrag zum Thema vorgelegt hatte, für hörbaren Verdruss.

Jenseits dieser politischen Diadochenkämpfe kann die Stadt Frankfurt bei der geplanten Sanierung und dem Umbau der Paulskirche mit finanzieller Unterstützung des Bundes rechnen. Das haben sowohl Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wie auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) signalisiert.

„Dokumentationszentrum“ zur Geschichte der Paulskirche entsteht

Im Auftrag von Feldmann hat das renommierte Frankfurter Planungsbüro Albert Speer&Partner ein Gutachten zur Umgestaltung des Gebäudes erarbeitet. Der Expertise zufolge entsteht ein sogenanntes „Dokumentationszentrum“ zur Geschichte der Paulskirche. Es soll aber nicht nur die Geschehnisse seit der bürgerlichen Revolution von 1848 und der Wahl des ersten nationalen Parlaments abbilden.

Als Symbol der Demokratiebewegung im 19. Jahrhundert wurde die Paulskirche bekannt.

Jetzt wollen die Frankfurter einem anderen Ort dieses demokratischen Aufbruchs den Rang ablaufen: dem Hambacher Schloss in Rheinland-Pfalz.

Die Kommunalpolitiker zielen darauf, dieses „Zentrum“ zugleich für Veranstaltungen zu nutzen, in denen die politische Gegenwart in Deutschland und das Erstarken des Rechtspopulismus reflektiert werden. Die Experten von Speer&Partner sehen räumlich drei Möglichkeiten. Zum einen könnte das Erdgeschoss der Kirche entsprechend umgestaltet werden. Davon hält der Oberbürgermeister allerdings nichts, weil die räumlichen Möglichkeiten dort sehr eingeschränkt bleiben. Die zweite Version wäre, das Erdgeschoss des angrenzenden Rathaus-Gebäudes Paulsplatz 9 entsprechend umzugestalten. Dafür hatte sich zuletzt Bau- und Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) ausgesprochen.

Der Oberbürgermeister befürwortet die dritte Variante. Danach entstünde auf dem heutigen Parkplatz zwischen der Berliner Straße und dem Haus Paulsplatz 9 ein bis zu zweistöckiges Gebäude. Das Grundstück dort ist rund 1000 Quadratmeter groß. Es bietet heute Auto-Stellplätze für einige privilegierte städtische Mitarbeiter.

„Dokumentationszentrum“ könnte baulich mit der Paulskirche verbunden werden

Nach dem Innenstadt-Konzept des Planungsdezernates sollen diese Stellflächen, die absolut nicht mehr zu einer zeitgemäßen Umweltpolitik passen, ohnehin entfallen. Das neue „Dokumentationszentrum“ könnte sogar baulich mit der denkmalgeschützten Paulskirche verbunden werden – wenn die Denkmalschützer mitspielen. Mit Erleichterung haben die Kommunalpolitiker inzwischen erfahren, dass der bauliche Zustand der Paulskirche besser ist als befürchtet. Das Haus war nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg bis zum Jahr 1948 in einer bewusst einfachen Form wieder aufgebaut worden – zum Beispiel ohne die große umlaufende Balustrade des 19. Jahrhunderts. Eine Sanierung hatte es im Jahre 1986 gegeben.

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Eine Untersuchung durch Bau-Fachleute hat ergeben, dass die Statik der großen Kuppel des historischen Gebäudes noch recht intakt ist. Hätte man die Kuppel ersetzen müssen, wären die Kosten exorbitant gestiegen.

So können sich die Sanierungsarbeiten jetzt auf Brandschutz, Belüftung und Tontechnik konzentrieren. Bei der sehr langsamen Geschwindigkeit der Frankfurter Kommunalpolitik werden im Römer allerdings große Zweifel daran laut, dass der notwendige Umbau einschließlich des „Dokumentationszentrums“ bis 2023 bewältigt werden kann. Ein neuer, weniger technischer Name für dieses moderne Haus soll auch her.

Von Claus-Jürgen Göpfert

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