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Frankfurt: Paulskirche mit mehr Teilhabe

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Von: Florian Leclerc

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Die Paulskirche feiert 2023 einen wichtigen Geburtstag. Foto: Michael Schick
Die Paulskirche feiert 2023 einen wichtigen Geburtstag. Foto: Michael Schick © Michael Schick

Was soll die Paulskirche werden - ein Elitenprojekt oder ein offenes Haus? Darüber diskutieren Gäste auf Einladung der Grünen.

Paula Macedo Weiß fing vor drei Jahren an, sich beim Netzwerk Paulskirche zu engagieren. „Die Paulskirche ist ein verlassenes Symbol. Man spürt es nicht mehr. Man entwickelt kein besonderes Verhältnis zu diesem Ort“, sagte die Brasilianerin, die als Anwältin und Kulturvermittlerin arbeitet. „Leben wir in einer Demokratie für einige oder für alle?“, fragte sie. Die Paulskirche müsse diese Frage beantworten und offener und vielfältiger werden.

Ob sich die Paulskirche und das geplante Haus der Demokratie weiter für politische Bildungsarbeit öffnen sollten, war der zentrale Punkt einer Diskussion der Grünen am Donnerstagabend in der Evangelischen Akademie. Vertreter der früheren Koalition blieben bei dem, was sie 2019 und 2020 beschlossen hatten: ein Viersäulenmodell mit einer Dauerausstellung, Vermittlung der Verfassungsgeschichte, der Baugeschichte sowie politischer Bildungsarbeit. So fasste es der ehrenamtliche Stadtrat Bernd Heidenreich (CDU) zusammen.

„Wir reden nur noch über politische Bildung und nicht mehr über die vier Säulen“, kritisierte er. Von der Expert:innenkommission aus Stadt, Land und Bund erwarte er Vorschläge, wie die Paulskirche und das Haus der Demokratie „emotional erfahrbar“ werden könnten. Die Kommission will ihre Empfehlung im Frühjahr abgeben. Von einem „Elitenprojekt“ ist die Paulskirche Heidenreich zufolge weit entfernt.

Horstmann: Zirkuszelt fürs Haus der Demokratie

„Man macht es sich zu leicht, wenn man sagt, die Paulskirche sei kein Elitenprojekt“, sagte Lena Ulrich (Grüne Jugend) aus dem Publikum mit Blick auf die politikinteressierten Gäste gehobenen Alters. Der Stadtverordnete Uwe Paulsen (Grüne), der die Veranstaltung moderierte, betonte die Würde der Paulskirche. Sie dürfe keine „Mehrzweckhalle“ mit beliebigen Veranstaltungen werden.
Deborah Krieg von der Bildungsstätte Anne Frank sprach sich für einen Perspektivwechsel aus: Auch die Rolle von Frauen, Jüdinnen und Juden und das Ringen um die Demokratie sollten in den Fokus rücken. Stadtrat Mikael Horstmann (Volt) aus dem Publikum bezeichnete die Paulskirche als „Ort mit viel Staub“. Er warb für ein „Zirkuszelt“, mit dem das künftige Haus der Demokratie durch die Stadt touren sollte.

Vorschläge für das Haus der Demokratie hatte auf Beschluss der Stadtverordneten bereits die Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff mit einem Team erarbeitet. Demnach soll das Haus der Demokratie ein Debattenort werden und unterrepräsentierte Gruppen gezielt ansprechen.

Am 18. Mai 2023 feiert die Paulskirche einen wichtigen Jahrestag: 175 Jahre zuvor zog das erste gesamtdeutsche Parlament ein, die Nationalversammlung, um eine Verfassung zu erarbeiten. Die Stadt und das Netzwerk Paulskirche planen zum Jubiläum zahlreiche Veranstaltungen.

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