Tausende hatten sich um die wenigen Plätze beworben, doch die Corona-Regeln erwiesen sich als der härteste Türsteher der Welt. Foto: Rolf Oeser
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Tausende hatten sich um die wenigen Plätze beworben, doch die Corona-Regeln erwiesen sich als der härteste Türsteher der Welt. Foto: Rolf Oeser

World Club Dome

Frankfurt: Party im Freibad mit Mund-Nasen-Maske

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Die Veranstalter vom „World Club Dome“ tastet sich langsam wieder heran an die Ausgeh-Normalität: In einem Frankfurter Freibad dürfen ihre Gäste unter wenigen Corona-Beschränkungen wieder Party machen.

  • Der „World Club Dome“ in Frankfurt veranstaltet seine erste Party seit der Corona-Pandemie
  • Mit einigen Auflagen dürfen die Gäste in einem Frankfurter Freibad zu Livemusik tanzen
  • Für Anfang Januar plant der Frankfurter "World Club Dome" ein großes Partyereignis

Ummtt-ummtt-ummtt-ummtt. „Nenn mich einfach Jenny!“, schreit Jenny. Ummtt-ummtt-ummtt-ummtt. „Nenn mich einfach Paula!“, schreit Paula. Ummtt-ummtt-ummtt – und dazu der Beat aus den Boxen. Ummtt.

Es ist nicht die Zeit der Partys, wenn Corona herrscht, es ist nicht die Zeit zum Tanzen. Oder doch? Am Sonntag hämmert die Bassdrum aus dem Stadionbad hinaus in den Stadtwald, und drinnen: Partypeople, coole Drinks, heiße Beats. Ummtt.

Hundert Gäste durften zu der der Open-Air-Party in Frankfurt kommen

Im vorigen Sommer kamen an drei Tagen jeweils 60 000 Menschen ins Stadion zum „World Club Dome“. 180 000 Feiernde. In diesem Jahr sind es insgesamt einhundert. Ohne -tausend hinten dran. Dafür mit Mund-Nasen-Maske vorne dran. Und trotzdem ist Bernd Breiter froh. Der Gründer und Programmchef des Veranstaltungslabels Big City Beats hat eine einfache Antwort auf die Frage, warum er statt der Megasause eine Party für nur wenige Handverlesene organisiert hat: „Weil wir’s dürfen.“

Als das große Nichtsgehtmehr kam, seien viele traurig gewesen, sagt Breiter. „Aber wir haben nach kurzem Besinnen weitergemacht.“ Der Veranstalter gab die Initialzündung für Shows in Autokinos, er organisierte Liveereignisse zum Mitfeiern im Internet. Und nun erhielt er von der Stadt das Okay für einen Open-Air-Clubsonntag im Freibad mit hundert Leuten, Masken und Abstand.

Partys trotz Corona auch mit Livestreams und Auto-Festivals in Frankfurt

Ummtt-ummtt-ummtt. „Wir haben uns so lang nicht mehr bewegt!“, schreit Paula, die natürlich genauso wenig Paula heißt wie Jenny Jenny. „Es wurde Zeit, mal wieder unter Leute zu kommen.“ Ummtt. Gemütliche Inseln sind auf der Wiese vor den Schwimmbecken aufgebaut. Große Dekoobjekte schwimmen auf dem Wasser und wiegen sich im Wind. Es gibt Cocktails mit Wodka oder Kokoslikör, es gibt Champagner, Klebebrause, es wird gegrillt. DJs legen auf. Fette Anlage.

Am Samstagabend war Auto-Drive-in-Festival in Mannheim, am Freitag Livestream mit dem Radiosender You FM, alles unter dem Motto „World Club Dome – The Alternative“. Feiern im Sommer 2020. Und für Sonntag der große Vertrauensbeweis der städtischen Behörden. „Wir sind stolz darauf, dass wir die ersten sind, die wieder ein Event anbieten können, bei dem 100 reale Leute vor einem realen DJ tanzen können“, sagt Breiter.

Nur mit einer guten Bewerbung kam man auf die Gästeliste für die Frankfurter Party

Tausende hätten sich um die Tickets beworben, erzählt er. „Es ging uns darum, dass sie ein bisschen kreativ sind, mit Video zum Beispiel.“ Voilà: Einer schickte die Botschaft, es würde ihm „das Leben retten“, wenn er endlich wieder einen echten DJ erleben dürfte. „Und ein Mädchen hat sich für die Bewerbung zurechtgemacht, als würde sie auf eine Party gehen, und gesagt: So sehe ich aus, wenn ihr mich nehmt“, schildert Breiter. Ausgehen im Sommer 2020. Alles geben. Ummtt-ummtt-ummtt-ummtt.

Am Nachmittag geht es aber noch gechillt zu. Allein die Tatsache, dass man sich in einem Freibad befindet, ist schon eine Sensation in diesen seltsamen Zeiten. Erinnerungen an Kindertage. Und noch immer sieht der Sprungturm erstaunlich niedrig aus. Wenn man unten steht und nicht hoch muss.

Die Frankfurter Party-Veranstalter haben für Januar Großes geplant

Wie wird es weitergehen? Was wird aus dem „World Club Dome“ im nächsten Jahr? „Wir zaudern nicht, wir hadern nicht“, sagt Bernd Breiter. „Es funktioniert nur, wenn wir voll reinpowern. Kopf in den Sand ist nicht mein Ding.“ Die Lockerungen seien ja inzwischen deutlich zu spüren. Jetzt würden die Weichen für 2021 gestellt. „Ich will dann nicht dastehen und sagen: Hättste mal. Ich will mich nicht von so einem kleinen Virus ins Bockshorn jagen lassen.“

Also Klartext: Vom 8. bis zum 10. Januar, das ist die Hoffnung, will Big City Beats das erste echte richtig große Partyereignis nach der Corona-Krise veranstalten – das allererste weltweit. Ummtt-ummtt-tssss.

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