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Das „Weser 5“ stand 2020 unter besonderem Druck.
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Das „Weser 5“ stand 2020 unter besonderem Druck.

Coronavirus

Frankfurt: Pandemie als harte Zeitfür obdachlose Menschen

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Das Diakoniezentrum „Weser 5“ zieht in seinem Jahresbericht ein erstes Fazit der Corona-Pandemie. Trotz großer Schwierigkeiten konnte obdachlosen Menschen weiter geholfen werden.

Die Stadt sah anders aus, als im März vergangenen Jahres der erste Lockdown verhängt wurde. Die Cafés blieben zu, die Pendler:innen und Tourist:innen blieben weg. Gerade abends war kaum noch jemand auf den Straßen unterwegs – bis auf diejenigen ohne eigene Wohnung. „Wer übrig blieb und auf einmal wie im Scheinwerferlicht sichtbar wurde, das waren die Obdachlosen und die Drogenkonsument:innen.“

Der Satz stammt aus dem Jahresbericht des Diakoniezentrums „Weser 5“ für das Pandemiejahr 2020, der gerade veröffentlicht wurde. Die Einrichtung in der Gutleutstraße, mit Essensausgabe, Kleiderkammer und Sozialberatung eine zentrale Anlaufstelle für obdachlose Menschen, schreibt jedes Jahr einen Tätigkeitsbericht. Diesmal ist er zugleich auch eine Art erstes Corona-Fazit geworden.

Zu Beginn des Lockdowns habe Unsicherheit geherrscht, viele Anlaufstellen hätten ihre Angebote reduziert, heißt es dort. Auf das Weser 5, das mit einem nach und nach angepassten Hygienekonzept offen blieb, habe das großen Druck erzeugt. Man habe die Menschen auf der Straße trotzdem zu keinem Zeitpunkt ohne Hilfe hängengelassen. „Unsere Klient:innen waren und sind diejenigen, die sich nicht durch den Rückzug in die eigenen vier Wände vor dem Virus schützen konnten.“

34 024 Mahlzeiten

Obwohl die Öffnungszeit des Tagestreffs im Weser 5 verkürzt und der Einlass beschränkt wurde, kamen durchschnittlich 150 Personen am Tag, die größte Gruppe darunter Menschen aus Rumänien und Bulgarien. Insgesamt verzeichnete die Einrichtung 37 848 Besuche, ein Viertel der Besucher:innen waren Frauen. Da von April bis Juli das Essen kostenlos ausgegeben wurde, wurden täglich bis zu 200 Mahlzeiten verteilt. Insgesamt waren es 34 024, rund 45 Prozent mehr als noch im Jahr 2019.

Da viele Anlaufstellen weniger Sozialberatungen angeboten hätten, sei der Bedarf besonders groß gewesen, so der Bericht. Obdachlose konnten kaum betteln oder Pfandflaschen sammeln und brauchten daher oft Direkthilfe zum Überleben. Besonders viel Arbeit hatten die Straßensozialarbeiter:innen vom Weser 5, die 25 Prozent mehr Kontakte hatten – auch weil viele Menschen Angst hatten, die Einrichtung selbst zu besuchen.

Nach dem anfänglichen Chaos sei man im Großen und Ganzen „gut durch die Zeit gekommen“, sagte Jürgen Mühlfeld, der Leiter des Weser 5, im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Es habe keine Infektionswelle unter Obdachlosen gegeben, mittlerweile liefen auch die Impfungen der Menschen sehr gut. Das Hauptproblem in Frankfurt bleibe wie vor der Pandemie der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. „Es ändert sich einfach nichts“, sagte Mühlfeld.

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